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Die größten Skandale am Grauen Kapitalmarkt Von der Göttinger Gruppe bis P&R

P&R Unternehmensgruppe

P&R
Als bisher wohl größter Anlegerskandal im Grauen Kapitalmarkt gilt der Fall P&R. 54.000 Anleger, die dem Schiffscontainer-Vermieter 3,5 Milliarden Euro anvertrauten, dürften hier geschädigt worden sein. P&R führte in seiner Bilanz 1,6 Millionen Container auf, von denen eine Million gar nicht existierten. Jahrelang führte die Gesellschaft offenbar ein Schneeball-System durch: Gelder neuer Kunden wurden nicht für den Kauf neuer Container, sondern für die Auszahlungen alter Anleger verwendet. Irgendwann brach das System zusammen. Ende März 2018 ging P&R insolvent. P&R-Gründer Heinz Roth sitzt in Untersuchungshaft. Viele Anleger, darunter vor allem Rentner, dürften den Großteil ihres Geldes verloren haben. Sie können nur noch darauf hoffen, dass von der noch verbliebenen Schweizer P&R-Tochter ein bisschen Geld fließt.

Die größten Skandale am Grauen Kapitalmarkt Von der Göttinger Gruppe bis P&R

P&R Unternehmensgruppe

P&R
Als bisher wohl größter Anlegerskandal im Grauen Kapitalmarkt gilt der Fall P&R. 54.000 Anleger, die dem Schiffscontainer-Vermieter 3,5 Milliarden Euro anvertrauten, dürften hier geschädigt worden sein. P&R führte in seiner Bilanz 1,6 Millionen Container auf, von denen eine Million gar nicht existierten. Jahrelang führte die Gesellschaft offenbar ein Schneeball-System durch: Gelder neuer Kunden wurden nicht für den Kauf neuer Container, sondern für die Auszahlungen alter Anleger verwendet. Irgendwann brach das System zusammen. Ende März 2018 ging P&R insolvent. P&R-Gründer Heinz Roth sitzt in Untersuchungshaft. Viele Anleger, darunter vor allem Rentner, dürften den Großteil ihres Geldes verloren haben. Sie können nur noch darauf hoffen, dass von der noch verbliebenen Schweizer P&R-Tochter ein bisschen Geld fließt.

Die Gründer des Frankfurter Immobilienunternehmens «S&K» vor dem Frankfurter Landgericht

S&K
Eine Nummer kleiner, aber ähnlich dreist war das Schneeballsystem, das die Frankfurter Immobiliengruppe S&K aufbaute. Die Firma verkaufte Anteile von Schrottimmobilienfonds und sammelte bei Anlegern gut 200 Millionen Euro ein. Der Wert der Immobilien wurde nach oben manipuliert. Anfang 2013 flog der Betrug auf. Die Fonds von S&K meldeten Insolvenz an. Die beiden Gründer Jonas Köller und Stefan Schäfer wurden zu je achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Sie hatten offenbar jahrelang die Anlegergelder für ein Leben in Saus und Braus genutzt. Sie besaßen zahlreiche Sportwagen und feierten teure Champagnerpartys mit leicht bekleideten Mädchen.

Rechtsanwalt Dietmar Penzlin, vorläufiger Insolvenzverwalter von Prokon (r), kommt am 23.01.2014 zusammen mit Mitarbeitern am Verwaltungsgebäude in Itzehoe (Schleswig-Holstein) an

Prokon
Was einst als grünes Märchen begann, wurde für zahlreiche Anleger zur Fata Morgana. Mit der Beteiligung an Windparks in Form von Genussscheinen hatte Prokon Klimaschutz und Renditen von bis zu acht Prozent versprochen. Doch der Windanlagen-Projektierer verzettelte sich und rutschte in die roten Zahlen. Mehrere Kunden kündigten ihre Genussscheinrechte. Obwohl einige Kunden der Windfirma die Treue hielten, musste Prokon Anfang 2014 die Insolvenz anmelden. Anleger, die rund 1,4 Millionen Euro in die Windenergie-Firma investiert hatten, büßten 40 Prozent ihrer Gelder ein.

 Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus (r) und Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin

Prokon
Inzwischen können sie aber wieder hoffen, mehr zurückzubekommen. Prokon hat einen Neustart geschafft und wird nun von den Gläubigern als Genossenschaft mit fast 40.000 Mitgliedern weitergeführt. Eine Anleihe mit 3,5 Prozent Zinsen wurde ausgegeben. Die Erlöse sollen den früheren Genussrechte-Inhabern zufließen. Das Verfahren gegen Prokon-Gründer Carsten Rodbertus wegen angeblichen Betrugs und Untreue wurde inzwischen eingestellt. Die Staatsanwaltschaft stellte fest, dass es sich bei Prokon nicht um ein Schneeballsystem gehandelt habe.

Firmensitz der Infinus AG in Dresden

Infinus
Ebenfalls 2014 erschütterte die Pleite der Finanzgruppe Infinus die Welt des Grauen Kapitalmarkts. Anleger, darunter auch Ex-Boxweltmeister Henry Maske, hatten über zwei Milliarden Euro in die Dresdner Firma gesteckt. Wie viel sie von ihrem Geld sehen werden, ist bislang unklar. Das Landgericht Dresden wies bis auf eine Ausnahme über 100 Schadensersatzklagen zurück. Die sechs Infinus-Manager wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Magellan Containerschiff

Magellan
Vor P&R erwischte es bereits einen anderen Schiffscontainer-Vermieter. Mitte 2016 reichte Magellan Maritime Insolvenz ein. Von der Pleite waren 8.000 Anleger betroffen, die gut 350 Millionen Euro investierten. Sie verloren gut die Hälfte ihres Geldes.

Ex-Wölbern-Chef Heinrich Maria Schulte

Wölbern
Auch bei geschlossenen Immobilienfonds gab es einen handfesten Anlegerskandal. Wölbern-Chef Heinrich Maria Schulte soll etwa 147 Millionen Euro veruntreut haben und davon die Renovierung seines Hauses, Opernbesuche und Schmuck-Käufe bezahlt haben. Im April 2015 wurde Schulte zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Rund 40.000 Anleger investierten über eine Milliarde Euro in die 31 geschlossenen Fonds von Wölbern.

Göttinger Gruppe

Göttinger Gruppe
Bereits vor der Finanzkrise 2008/2009 erschütterte die Pleite der Göttinger Gruppe den Grauen Kapitalmarkt. 2007 ging der Finanzkonzern insolvent. Über 250.000 Anleger hatten dem Konzern mehr als eine Milliarde Euro für ihre Altersvorsorge anvertraut. Sie wollten mit der "Securente" eine sichere Investition tätigen. Tatsächlich aber wurde ihr Geld verpulvert oder floss in Beteiligungen, die floppten.