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Vorwürfe gegen die CBOE Alles nur Manipulation?

Stand: 14.02.2018, 10:43 Uhr

Alles nur gemauschelt? Der Börsencrash vergangene Woche soll manipuliert worden sein. Das behauptet ein Insider der Finanzbranche. Die Vorwürfe richten sich gegen die Chicagoer Börse.

Dort wird seit 1993 der sogenannte Volatilitätsindex VIX berechnet. Er erfasst die vom Markt erwarteten Schwankungen im S&P 500, indem er bemisst welche Preise Anleger bereit sind, für absichernde Put-Optionen auf diesen Index zu zahlen.

Als nun vergangene Woche Montag der VIX so stark wie noch nie explodierte und die Börsenkurse weltweit unter Druck setzte, soll es zu Marktmanipulation gekommen sein, behauptet der US-Anwalt Jason Zuckerman in einem Brief an die Finanzregulierungsbehörde CFTC und die Börsenaufsicht SEC.

Schwachstelle im VIX

Der VIX, der oft auch als "Angstbarometer" bezeichnet wird, soll von Händlern durch Algorithmen bewegt worden sein, ohne dass es tatsächlich zu Transaktionen gekommen sei. Ein Konstruktionsfehler im Index mache das möglich, so Zuckerman.

CBOE Volatility Index: 31.01. bis 06.02.2018

CBOE Volatility Index . | Bildquelle: boerse.ARD.de

Beim jüngsten Crash standen Finanzprodukte, die den VIX nachstellen daher im Mittelpunkt: Die Manipulation durch Händler habe Kleinanleger und institutionelle Investoren um Milliardenbeträge geprellt, so Zuckerman. Gleichzeitig hätte es systemische Risiken für alle Finanzmärkte gegeben.

VDax

VDax. | Bildquelle: colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Der Anwalt fordert nun von den Behörden eine schnelle Reaktion, damit neben der Finanzstabilität nicht auch noch die Wirtschaft gefährdet wird. Zuckerman hatte in der Vergangenheit bereits auf Manipulationen hingewiesen. In diesem Fall stammen die Informationen von einem Insider, der schon für mehrere große Investmentfirmen gearbeitet haben soll.

US-Behörden ermitteln

Die Chicagoer Terminbörse (CBOE) hat bereits Stellung bezogen: Der Brief sei voller ungenauer Aussagen, Missverständnisse sowie sachlichen Fehlern. Das mache die Vorwürfe "unglaubhaft", so eine Sprecherin der CBOE. Die SEC und CFTC lehnten eine Stellungnahme bislang ab.

Doch auch wenn die Börse die Vorwürfe bestreitet – die Sache ist damit längst nicht vom Tisch: Laut einem Pressebericht untersuchen die Behörden den Vorfall. So prüfe die Financial Industry Regulatory Authority (FINRA) nun die Geschäfte der Händler. Es soll geklärt werden, ob diese mit der Absicht zu manipulieren, ausgeführt worden seien, schreibt das "Wall Street Journal".

Nicht nur überhitzt?

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Der jüngste Börsencrash Anfang vergangener Woche hat an der Wall Street Milliarden vernichtet und die Kurse zeitweise um zehn Prozent einbrechen lassen: Auch die europäischen Börsen wurden in Mitleidenschaft gezogen - in Frankfurt blieb die große Panik aber aus. Betroffen war unter anderem die Credit Suisse: Ihre  Anti-Vola-Produkte setzen auf niedrige Kursschwankungen - der Kursrutsch führte daher zu massiven Verlusten für Investoren.

Als Gründe für den Kurseinbruch nannten Experten die monatelang andauernde Rekordrally: Der Markt sei dadurch einfach zu heiß gelaufen, der Anstieg war zu schnell. Eine Korrektur sei deshalb unausweichlich gewesen. Hinzu kam die Erwartung steigender Zinsen in den USA.

Einige wollten aber auch Spekulationen mithilfe sogenannter "Exchange Traded Products" (ETPs) icht ausschließen. Damit lässt sich auf den VIX wetten. Sollten sich die Manipulationsvorwürfe von Zuckermans Insider bestätigen, würde das den Argwohn sicherlich weiter schüren.

jz

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