Commerzbank und Commerzbank-Tower in Frankfurt

06.09.2018 Wer braucht Banken?

von von Stefan Wolff

Stand: 31.10.2018, 09:34 Uhr

Der Abstieg war langwierig und schmerzvoll. Jetzt muss die Commerzbank aus dem Dax absteigen. Sie wird durch den Zahlungsdienstleister Wirecard ersetzt. Das ist eine Zäsur. Nicht nur für den Dax. Für die gesamte Wirtschaft.

Es gab mal eine Zeit, da wurde der Deutsche Aktienindex als “overbanked” bezeichnet. Damals befanden sich die Deutsche Bank, die Dresdner Bank, die Commerzbank, die Bayerische Hypothekenbank  und die Bayerische Vereinsbank im Dax. Hinzu kamen die großen Versicherer Allianz und Münchener Rück. Die beiden Bayern-Banken fusionierten zur Hypovereinsbank. Diese fiel fortan nur noch durch faule Immobilienkredite auf und wurde schließlich von der italienischen Unicredit geschluckt.

Die Dresdner Bank wurde von der Commerzbank übernommen. Das fusionierte Unternehmen ist inzwischen kleiner, als es die Commerzbank allein je war. Bei den Banken ist nur noch die Deutsche Bank übrig geblieben.  Mit der Übernahme des amerikanischen Bankers Trust wollten die Frankfurter zum weltgrößten Player aufsteigen. Davon ist die immerhin noch größte deutsche Bank Lichtjahre entfernt. In Europa schafft sie es nicht einmal unter die Top Ten.

Genau genommen ist die Deutsche Bank nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Finanzkrise, hausgemachte Skandale  und Gerichtsprozesse haben dem (immer noch) deutschen Branchenprimus kräftig zugesetzt und das Image des einstigen Strahlemanns. Dax-Aufsteiger Wirecard wiegt an de Börse mehr als 22 Milliarden Euro, doppelt soviel wie die Commerzbank. In Augenhöhe mit der Deutschen Bank.

Wirecard bietet mit mobilen Zahlungslösungen nur einen Bruchteil des Bankgeschäfts an und ist damit sehr erfolgreich. Generell schreitet die Digitalisierung des Bankwesens unaufhaltsam voran. Schon mobile Bezahllösungen (mobile payment) entfremden den Kunden von seiner Bank. Wer mit der Smartwatch zahlt, zückt nicht die EC-Karte und blickt damit seltener auf das Logo der Hausbank. 

Bei Überweisungen ist das ähnlich. Bezahldienstleister wie Papal treiben die Entfremdung weiter voran. Google und Facebook werden mittelfristig die Chat-Funktion um eine Überweisungsmöglichkeit erweitern. In der Zukunft liegt das Geld in der Cloud, und Kredite vergibt die Crowd. Mit einem Klick ist die Rechnung bezahlt. “Instant payment” wird auch im Firmengeschäft Einzug halten. Die Blockchain macht es möglich, dass Rechnungen untereinander blitzschnell ausgeglichen werden können. Und die Bank schaut zu.

Die Digitalisierung steckt noch in den Kinderschuhen. Die Banken – groß wie klein – müssen sich ranhalten, sich zur Not auch neu erfinden. Fintechs knabbern an ihren Geschäftsmodellen. Kooperationen sollen den Schaden begrenzen. Nach der Finanzkrise liegt hier (zehn Jahre nach der Lehman-Pleite) die große Herausforderung.