Stefan Wolff

Kommentar Trumps Bumerang

von von Stefan Wolff

Stand: 27.11.2018, 16:28 Uhr

General Motors legt die Axt an. Der einst größte Autohersteller der Welt verordnet sich ein heftiges Sparprogramm, das 15.000 Jobs kosten wird. Außerdem droht bis zu fünf Werken das Aus. Stefan Wolff ist sich sicher: Das hat Folgen - für die gesamte Autoindustrie und die US-Wirtschaft.

Trump tobt.

Der US-Präsident meint, GM müsse eben Autos bauen, die die Menschen auch fahren wollen. Und man müsse sie in den USA bauen. Ersteres ist eine Binsenweisheit, zweiteres völliger Quatsch. Gerade haben die Japaner einer Studie zufolge den Deutschen den Rang in Sachen Absatz, Profitabilität  und Effizienz abgelaufen. Und für den immer wichtiger werdenden chinesischen Markt produzieren die meisten Hersteller vor Ort.

Bumerang im Garten

Mit den Streichplänen von GM hat Trump einen Bumerang im Garten gefunden, den er selbst geworfen hat. Ein Teil der Probleme ist das Resultat der Zollpolitik des Präsdenten. Höhere Zölle auf Aluminium und Stahl haben die Produktionskosten deutlich erhöht. Vor ein paar Wochen erst hatte Ford den Rotstift angesetzt. Eigenen Angaben zufolge haben die Zölle den Konzern bereits eine Milliarde Dollar Dollar gekostet.

GM hat unter einer ähnlichen Last zu leiden, Fiat Chrysler ebenso. Auch die in den USA produzierenden deutschen und japanischen Hersteller leiden unter der Handelspolitik. Das kostet à la longue Jobs.

Noch mehr Arbeitsplätze werden verloren gehen

Es steht zu erwarten, dass noch mehr Arbeitsplätze verloren gehen werden. Die großen Automobilfabriken sind eng mit den Standorten verwoben. An den GM-Jobs hängen Supermarktverkäufer, Friseure, Handwerker und -innen. Wachsende Zölle auf chinesische Waren und Güter bedeuten, dass US-Verbraucher höhere Preise für chinesische Waren und Güter zahlen müssen. Das schwächt Kaufkraft und Konsumfreude gleichermaßen. Die “America First”-Politik ist ein klassisches Eigentor.

Aber es ist nicht nur Trump.

Die Umwälzungen in der Autoindustrie werden generell bei Herstellern und Zulieferern Arbeitsplätze kosten. Verbrennungsmotoren sind komplizierter und aufwändiger herzustellen als ihre elektronischen Pendants. Am Ende wird in der Industrie kaum ein Stein auf dem anderen bleiben.

Die falsche Antwort

Daran kann auch die Politik wenig ändern. Sie hat mit Kaufanreizen versucht, Nachfrage für eine noch nicht ausgereifte Technologie gesetzt. Die Justiz setzt derweil mit Fahrverboten und anderen Restriktionen zumindest dem Diesel ein Ende, ohne dass es adäquaten Ersatz für ihn gäbe. In Sachen Reichweiten und Preis ist das “Alte” immer noch meilenweit vor dem “Neuen”.

In der Zeit des Umbruchs sind aber Handelsrestriktionen die falsche Antwort. Richtig wären mehr Handel, mehr Technologietransfer. Mit Trump kaum zu machen.