Stefan Wolff

Kommentar Der kalte Krieg wird heiß

von Stefan Wolff

Stand: 20.05.2019, 19:10 Uhr

Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt ist klar: Das kleine Dekret von Donald Trump ist eine Kriegserklärung. Und China hat anders als die Europäer ein paar Asse im Ärmel.

Erst nach ein paar Tagen stellt sich heraus: Das kleine Dekret von Donald Trump entfaltet eine ungeahnte Wirkung.  Der US-Präsident hatte US-Konzernen verboten, ohne Rücksprache mit der Regierung Geschäfte mit dem chinesischen Telekomausrüster Huawei und mit 70 anderen Firmen zu machen. Ob mit der Regierung abgestimmt oder nicht, sei dahingestellt. Als erster Konzern folgt Google dem Aufruf und stellt die Zusammenarbeit mit Huawei ein.

Ausgerechnet Google. Ein Unternehmen aus dem Silicon Valley, das doch als Ganzes dem Republikaner Trump nicht eben wohlgesonnen gegenüberstand. The times, they are a’changing. Trump hat aus Drohgebilden einen realen Konflikt geschaffen. Der kalte Krieg ist jetzt heiß. Trumps Dekret war eine Kriegserklärung. Und unterm Strich kennen Kriege - auch Handelskriege - nur Verlierer. Deshalb die Reaktion an den Aktienmärkten.

Die Frage ist doch, wie China auf dieses Schritt reagieren wird. Werden die chinesischen Verhandlungsführer auf den nächsten Tweet des US-Präsidenten warten, in dem er das größte und allerbeste, in der Geschichte bislang unerreichte Handelsabkommen aller Zeiten verspricht? Wohl kaum.

Europa zwischen den Fronten

Wie schon beim Autostreit droht Europa in diesem Handelskrieg zwischen den Fronten zermahlen zu werden. Für US-amerikanische Verbraucher ist der Schritt Googles weitgehend folgenlos. Der Marktanteil von Huawei liegt in den USA bei unter einem Prozent. Ganz anders in Europa: Da haben die Chinesen einen Anteil von fast 24 Prozent, legen immense Wachstumsraten vor, während die beiden anderen Platzhirsche Samsung und Apple Marktanteile abgeben mussten.

Trump hat also einen Weg gefunden, einen unliebsamen Konkurrenten US-amerikanischer Firmen plattzumachen, ohne, dass das in den USA eine auch nur klitzekleine Folge hätte. Außer natürlich, die weitgehend in Asien gefertigten iPhones würden in den USA zollbedingt teurer werden. Ähnlich verhält es sich mit den Autozöllen: Die meisten Autos aus US-Fertigung für den chinesischen Markt sind von deutschen Herstellern.

Dennoch wird der Handelskrieg zum Bumerang werden. Selbst wenn vor allem deutsche Hersteller unter dem Zollstreit leiden, so trifft es unterm Strich US-amerikanische Arbeiter. Auf der Technologie-Ebene wird internationale Zusammenarbeit immer wichtiger. Angesichts der Verflechtungen sieht der Branchenverband Bitkom existenzielle Bedrohungen für Unternehmen. In der Tech-Welt drohe ein Flächenbrand.

China hat noch Asse im Ärmel

Es ist unwahrscheinlich, dass der US-Präsident solche Sorgen teilt. ‘“America First” bleibt ihm oberste Maxime. In der Konsequenz kann das auch “America alone” bedeuten, denn bei aller Bedeutung des US-amerikanischen Marktes müssen sich Europa und Asien irgendwann mal Gedanken darüber machen, wie lange man sich Handelsbedingungen oktroyieren lassen kann und will.

China hat dabei die meisten Asse im Ärmel. Das Land kann mit Handelsbeschränkungen die Warenströme mit den USA komplett lahmlegen. Mehr noch: China ist größter Anleihegläubiger der USA. Sollte Peking die Käufe einschränken oder sogar zum Verkauf der Bestände übergehen, kann das die USA in eine Finanzkrise stürzen. Allerdings würde Chinas Regierung damit auch Verluste erleiden. Ein solcher Schritt dürfte also nur erfolgen, wenn es nur noch darum geht, dem Gegner ohne Rücksicht auf eigene Verluste maximal zu schaden.

Mit seinem Dekret könnte Trump einen Drachen geweckt haben.