Stefan Wolff

Kommentar Irgendwas ist ja immer

von Stefan Wolff

Stand: 28.12.2018, 17:36 Uhr

Das Börsenjahr 2018 war ein Desaster. 2019 gibt es wenig Anlass zur Entwarnung. Vor allem der März könnte ganz schlimm werden. Brexit und Trump lassen grüßen!

Am Ende des Jahres 2018 wird der US-Präsident zum Anlageberater. Donald Trump empfiehlt seinem (Wahl-) Volk, Aktien zu kaufen, und das Volk folgt - wenn auch nur für einen Tag. Der Präsident unternimmt in diesen Shutdown-Tagen viel, um davon abzulenken, dass seine Wirtschaftspolitik vor allem von Placebo-Effekten lebt. An der Börse hat man das kapiert. Es regiert die Vorsicht.

Blättert man dieser Tage durch die Jahresausblicke, dann herrscht vor allem vorsichtiger Optimismus. Nach dem Börsengewitter der vergangenen Monate sehen Aktien wieder günstiger aus. So mancher wittert da ein Schnäppchen. Das kann klappen. Muss aber nicht.

Noch läuft die Wirtschaft gut

Na klar; der Wirtschaftsaufschwung ist in die Jahre gekommen und zeigt langsam Zeichen der Altersschwäche. Ebenso klar ist aber auch, dass es immer noch gut läuft. Das spiegeln die deutschen Wirtschaftsverbände, die mehrheitlich von steigenden Produktionszahlen ausgehen. Die daraus resultierenden Unternehmensgewinne dürften sich durchaus in steigenden Aktienkursen niederschlagen können.

Auf der anderen Seite schleppt diese Welt fast alle Probleme des Jahres 2018 ungelöst ins neue Jahr. Irgendwas ist ja immer. Niemals zuvor hat die Politik solchen Einfluss auf die Finanzmärkte gehabt, wie aktuell. Und dabei ist Trumps Kaufempfehlung nur die Spitze des Eisbergs.

Schicksalsmonat März

Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass Trump und May die wohl bestimmenden Personen der kommenden Monate an der Börse sein werden. Schon im Januar wird das britische Parlament über die mit der EU getroffene Austrittsvereinbarung abstimmen. Im März wird dann klar sein, zu welcher Art Brexit es kommt und, ob die britische Premierministerin Theresa May sich hat durchsetzen können oder eben nicht.

Ebenfalls im März endet die Pause, die sich die USA und China in ihrem Zollstreit gegönnt haben. Alles ist möglich, neue Zölle, wie eine Einigung. Im März werden maßgebliche Weichen für das Börsenjahr gestellt werden. Brexit und Handelsstreit sind dabei essentiell.

Was ist mit Italien?

Nicht gelöst ist auch der Schuldenstreit in der EU. Italien hat zwar im Zwist um den Staatshaushalt eingelenkt, doch dürfte die Diskussion um die Schulden wieder hochkochen. Frankreich hat gerade neue Schulden aufgenommen, um die Zugeständnisse an die Gelbwesten finanzieren zu können.

Sollten also im März die großen Probleme tatsächlich gelöst worden sein, stehen neue ins Haus. 2019 macht es Anlegern nicht eben leicht. 2018 kannte dagegen wenige Überraschungen. Es war allen klar gewesen, dass die USA “America First” fahren werden, der Brexit war beschlossen, der Diesel-Skandal bekannt. Nun muss sich zeigen, ob die benannten Probleme das Zeug dazu haben, die “reale” Wirtschaft zu treffen oder eben nicht.

Angst vor dem nächsten schwarzen Schwan

Die Stimmungsindikatoren und Wirtschaftsdaten deuten auf Bremsspuren hin. Trumps Zölle haben ebenso gewirkt, wie die Angst vor einem ungeordneten Brexit. An vieles haben sich die Märkte gewöhnt, an manches nicht. Und an dieser und jener Ecke wird bestimmt noch ein schwarzer Schwan auftauchen. Sicher ist dabei nur eines: Es wird nicht langweilig werden.