Stefan Wolff

Kommentar Die Schnapsidee

von Stefan Wolff

Stand: 19.03.2019, 08:35 Uhr

Was brächte eine Fusion, abgesehen vom Verlust tausender Arbeitsplätze im Finanzwesen? Fragt Stefan Wolff. Immerhin wäre das neue Institut groß genug, um erneut vom Steuerzahler gerettet werden zu müssen, falls die Sache schiefgeht.

Jetzt verhandeln sie doch. Fast schon widerwillig, aber sie verhandeln. Am Ende soll die Fusion zwischen Deutscher und Commerzbank stehen. Ein nationaler Champion, wie es heißt. Oder ein Scheinriese, der im internationalen Vergleich eher als Zwerg daher kommt. Trotzdem scheint es erklärter politischer Wille zu sein, die Fusion durchzuziehen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz soll Berichten zufolge 24-mal Vertreter beider Häuser getroffen haben. Das ist sein gutes Recht, falls tatsächlich ein Zusammenschluss anstehen sollte. Schließlich ist der Bund Großaktionär bei der Commerzbank.

Selten eine gute Idee

Die Frage nach dem Sinn ist damit allerdings noch nicht beantwortet. Was brächte eine Fusion, abgesehen vom Verlust tausender Arbeitsplätze im Finanzwesen? Wenig, so steht zu befürchten. Dafür sind Deutsche Bank und Commerzbank auch zusammengenommen zu klein, jedoch groß genug, um erneut vom Steuerzahler gerettet werden zu müssen, falls die Sache schiefgeht.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 5 Jahre
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Aus der Not heraus zu fusionieren, ist selten eine gute Idee. Die Zahlen der Deutschen Bank zeigen deutlich, dass es noch nicht wirklich rund läuft. Zwar hat es erstmals nach drei verlustreichen Jahren im Jahr 2018 wieder einen kleinen Gewinn eingefahren. Doch dieser Gewinn ist ein Muster ohne Wert. Zum einen ist die Vorsorge für Rechtsstreitigkeiten deutlich gekappt worden. Außerdem rutschte die Deutsche Bank im vierten Quartal 2018 wieder in die roten Zahlen. Vor allem das Investment-Banking fuhr Verluste ein. Das ist unter anderem der Handel mit Aktien und anderen Wertpapieren und der mit Abstand wichtigste Geschäftszweig der Deutschen Bank.

Dazu kommen jede Menge andere Probleme. Die lange Liste der Skandale ist noch lange nicht abgearbeitet. Der viel beschworene Kulturwandel hat schlicht nicht stattgefunden. Die Integration der Postbank bleibt eine Mammutaufgabe.

Zusammenprall der Kulturen

Mit dem Kauf der Postbank wollte die Deutsche Bank ihr Privatkundengeschäft stärken. Ähnliche Effekte würde auch die Fusion mit der Commerzbank bringen. Die “Gelben” setzen stark auf den Mittelstand und die Privatkunden. Der Zusammenschluss hätte aber auch zur Folge, dass erneut zwei Unternehmenskulturen aufeinanderprallen würden.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 5 Jahre
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Das war schon bei der Vermählung der Dresdner Bank mit der Commerzbank der Fall. Auch zehn Jahre danach gestaltet sich dieser Prozess noch schwierig. Viele ehemalige Mitarbeiter der Dresdner Bank trauern den alten Zeiten hinterher, wahrscheinlich umso mehr, falls sie dem Rotstift zum Opfer gefallen sind. Die Fusion hat tausende Arbeitsplätze gekostet. Mit der Dresdner unterm Dach ist die Commerzbank inzwischen kleiner als allein vor Ausbruch der Finanzkrise. Das gilt auch für den Kundenstamm und mehr noch an der Börse. Aus zwei Dax-Konzernen wurde ein MDax-Unternehmen.

Die Commerzbank ist ebenso Baustelle wie die Deutsche Bank. Mehr als drastische Sparmaßnahmen sind bei einem Zusammenschluss kaum vorstellbar. Ein europäischer Champion würde dadurch ohnehin nicht entstehen. Der lässt sich nur länderübergreifend bilden. Der Wunschkandidat wäre dabei die französische BNP Paribas. Allerdings wird die an der Börse mehr als doppelt so hoch bewertet wie die Deutsche. Ein Zusammenschluss auf Augenhöhe ist da kaum vorstellbar.

Insgesamt ist diese Fusion eine Schnapsidee. Den Weg zu alter Größe muss die Deutsche Bank wohl allein beschreiten und aus eigener Kraft schaffen. Das kann noch Jahre dauern. Bis dahin werden europäische Championate ohne deutsche Beteiligung ausgetragen.