Stefan Wolff

Kommentar Die Apple-Dämmerung

von Stefan Wolff

Stand: 04.01.2019, 14:54 Uhr

Das noch junge Börsenjahr hat sein erstes Beben. Apple erschütterte die Börsenwelt mit einer Warnung. Das schwache China-Geschäft habe die Bilanz verhagelt. Doch hinter dem Kursrutsch steckt sehr viel mehr.

Vor ein paar Wochen noch war Apple das teuerste Unternehmen der Welt. Inzwischen hat sich Microsoft die Krone zurück erobert. Ausgerechnet. Der einstige Erzrivale sitzt auf dem Thron, und der Stern von Apple sinkt.

Der US-Konzern beklagt ein schwaches Weihnachtsgeschäft. Vor allem die chinesische Kunden hätten sich beim iPhone-Kauf zurückgehalten. Sollte sich im kommenden März die Zollspirale weiter drehen, dann würde Apple ganz sicher zu den Opfern Trump'scher Handelspolitik gehören. Sonderzölle auf Waren und Güter aus China würden dann auch in China gefertigte Apple-Produkte in den USA verteuern.

Preise über der Schmerzgrenze

Davon und vom teuren Dollar abgesehen, sind die Probleme bei Apple weitgehend hausgemacht. Zuallererst ist da mal der Preis. Offensichtlich hat Apple mit seinen jüngsten Produkten bei den Verbrauchern eine allgemeine Schmerzgrenze überschritten. Die Konkurrenz bietet technisch hochwertige Produkte zu deutlich günstigeren Preisen an.

Und das mit wachsendem Erfolg. Bereits vor einiger Zeit hat der chinesische Hersteller Huawei Apple als Nummer zwei der Mobiltelefonhersteller abgelöst. Marktführer bleibt Samsung aus Südkorea, Hinter Apple folgen mit Xiaomi und Oppo zwei weitere Chinesen. Letztere sind zwar in unseren Breiten fast gänzlich unbekannt, in Asien aber ungeheuer erfolgreich.

Wo ist das "one more thing"?

Zweitens sind Apple die Innovationen ausgegangen. Es fehlt das von Firmengründer Steve Jobs stets zelebrierte “one more thing”, der Kracher am Schluss, der die Menschen in die Läden stürmen ließ. Große technische Würfe hat es in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr gegeben. Jedenfalls gab es nichts, was viele Verbraucher veranlasst hätte, ihr noch funktionierendes Smartphone gegen ein neues zu tauschen.

Das liegt allerdings auch an den Mobilfunkanbietern, die weltweit ihre Subventionen zurückgefahren haben. Das neueste Modell für einen Euro gibt es immer seltener, was es nicht leichter macht, neue Modelle loszuschlagen. Schließlich halten Smartphones auch länger als in ihren Anfangszeiten. Bei höheren Einstandspreisen rechnet sich zudem auch die eine oder Reparatur.

Alles in allem scheint es so, als neige sich die goldene Zeit für die Smartphone-Hersteller dem Ende entgegen. Apple bekommt das Phänomen zuerst zu spüren, weil sich das Unternehmen eigentlich eine kleine Gruppe von Hightech- und Design-Aficionados als Kunden gesucht hat und darüber zum Massenhersteller wurde.

Dass einstige Innovationstreiber unter die Räder kommen, ist keine Seltenheit. Nokia ist da ein prominentes Beispiel. Die Finnen gingen baden, weil sie als unangefochtener Weltmarktführer erst den Trend zum Klapphandy verschliefen und dann später viel zu spät ein eigenes Smartphone entwickelten. Eines ist sicher: Es wird wieder ein “just one more thing” geben, das die Welt elektrisieren wird. Nur muss es nicht zwingend von Apple sein.