Schilder der amerikanischen und eurpäischen Zollbehörden

02.03.2018 Alle Zugbrücken hoch!

von von Stefan Wolff

Stand: 31.10.2018, 10:42 Uhr

Zölle sind Murks. Trotzdem plant die USA, Strafzölle zu erheben. Klar, dass die anderen da nachziehen - die EU und China werden zurückschlagen. Die Finanzmärkte haben es verstanden.

Als die Pfalz im Jahr 1829 in den bayerisch-württembergischen, beziehungsweise den preußisch-hessischen Zollverein eingegliedert und die bisherige Freihandelszone aufgehoben wurde, führte das zu massiven Problemen. In Bayern wurde Wein aus der Rheinpfalz, die damals zu Bayern gehörte, unerschwinglich teuer. Es mussten einfach zu viele Grenzen passiert werden. Zu oft langten die Zöllner zu. Es ist nur ein Beispiel von vielen, das zeigt: Zölle sind ganz großer Murks.

Trotzdem ist es en vogue, die Zugbrücken hochzuziehen. Die US-Regierung plant Strafzölle auf Importe von Stahl und Aluminium. Die EU droht mit höheren Zöllen für Harley-Davidson-Motorräder. Was erst einmal vor allem europäische Männer in der Midlife-Crisis trifft, könnte der Beginn einer Zollspirale sein. Strafzölle auf Import-Autos stehen in den USA im Raum. Denkbar ist auch, dass Trump die heimische Computerbranche vor billiger Fernost-Ware schützen möchte, falls sich das Silicon Valley mit ihm gut stellt.

Natürlich – und hier nähern sich alle der (Handels-)Kriegsrhetorik  – wetzen auch die anderen Seiten ihre Säbel. China wird Zölle auf Stahl nicht hinnehmen, sodass sich die perfekte Mischung ergibt, die eine Rezession auslösen kann. Die Unternehmen wissen das. Eine Umfrage der American Chamber Of Commerce (AmCham) unter deutschen und US-amerikanischen Firmen hat ergeben, dass eine satte Mehrheit nicht an den Nutzen von Strafzöllen glaubt. Auch befürchtet eine ebenso satte Mehrheit einen Handelskrieg.

Klar ist: Erst einmal werden Aluminium und Stahl in den USA teurer. Schließlich fällt die preisdrückende Konkurrenz weg. Alle, die etwas mit Stahl und Aluminium bauen, müssen tiefer in die Tasche greifen. Damit werden Autos, Flugzeuge, Maschinen teurer. Unternehmen werden ihre Investitionen auf die lange Bank schieben; Verbraucher werden den Autokauf hinauszögern, so lange es eben geht.

Und in Europa? Wer sich jetzt nicht schützt, bekommt das Überangebot billigen Stahls geliefert, das in den USA keiner haben will. Das kostet Arbeitsplätze. Und schon heißt es: Aufschwung adé. Vielleicht ziehen auch die Europäer die Zugbrücke hoch, um ihre Stahlkocher zu schützen. Alle schmoren dann im eigenen Saft, und die Erfolge einer langen Ära der Globalisierung (die auch Kehrseiten hat, ich weiß) ist im Schornstein.

An den Finanzmärkten hat man es kapiert. Deshalb gibt es diese Rücksetzer und nicht etwa wegen dieser vorgeschobenen Zinsdiskussion. Hier platzt die Trump-Blase. Die überhöhten Erwartungen der Wirtschaft an den US-Präsidenten werden sich nicht erfüllen. Für Wirtschaft und Börse bedeutet dies, dass der Aufenthalt in der Goldilocks-Zone endet. Ein bisschen höhere Zinsen spielen da überhaupt keine Rolle.