Stefan Wolff

Kommentar Lagardes Stil-Guide

von Stefan Wolff

Stand: 12.12.2019, 18:00 Uhr

So umfangreich hat wohl noch nie ein Notenbank-Oberhaupt die Presse auf sich selbst vorbereitet. Die erste Pressekonferenz von Christine Lagarde als Chefin der EZB war erfrischend. In der Sache wird sich nichts ändern.

“Ich werde meinen eigenen Stil haben. Also nicht überinterpretieren, nicht mutmaßen und nicht vergleichen. Ich werde ich sein und deshalb vielleicht anders.” Einen solchen Satz hätte man weder von Wim Duisenberg, von Jean-Claude Trichet und ganz bestimmt nicht von Mario Draghi zu hören bekommen - zumindest nicht bei einer EZB-Pressekonferenz. Christine Lagarde ist so nach ihrem Eingangs-Statement in die Fragerunde gestartet. Sie lieferte quasi die Gebrauchsanleitung für den medialen Umgang mit ihr.

Geldpolitisch sagt das wenig aus und trotzdem bedeutet es eine Menge. Lagarde machte klar, dass sie sich nicht auf Spielchen einlassen werde. “Wenn ich etwas nicht weiß, dann sage ich das”, so Lagarde. Das klingt so ganz anders als das Mantra des ehemaligen US-Notenbankchefs  Alan Greenspan, der einst der Presse beschied: “Wenn Sie glauben, mich verstanden zu haben, dann habe ich mich falsch ausgedrückt.”

Diese Zeiten sind vorbei. die Zeichen stehen auf Klarheit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit der geldpolitischen Maßnahmen. Obwohl: Richtig viel gesagt hat Lagarde auch nicht. Weder zu den Nöten der Sparer, noch zu dem Green Deal der EU-Kommission (außer der Betonung der Unabhängigkeit der EZB). Warum das so ist, ist klar. Lagarde wurde schlicht nicht danach gefragt. Oder sie hat die Fragen nicht zugelassen. Die mussten vorher eingereicht werden.

Die Zurückhaltung ist aber auch verständlich. Christine Lagarde hat sich von Anfang an Zeit ausbedungen. Das ist an sich kein Problem. Ihr Vorgänger Mario Draghi hat ein bestelltes Feld hinterlassen. Die Zinsen liegen bei Null, es gibt Parkgebühren für Einlagen der Banken bei der EZB, und das Anleiheaufkaufprogramm wurde wieder aufgenommen. Das hält den Druck klein und gibt der neuen EZB-Chefin die Zeit, die sie braucht.   

Das war das besondere an dieser Sitzung: Die EZB unter Lagarde stellt ihre gesamte Strategie auf den Prüfstand. Am Ende dieses Prozesses soll klar sein, ob die angewandten Mittel noch adäquat sind und ob nicht eine ganz andere Geldpolitik die Herausforderungen dieser Zeit meistern muss. Ob am Ende höhere Zinsen stehen werden, ist völlig offen. Erst einmal - soviel ist sicher - wird die zinslose Zeit andauern.