Stefan Wolff

Kommentar Die Goldenen 10er

von Stefan Wolff

Stand: 02.01.2020, 10:41 Uhr

Die 2010er Jahre werden wirtschaftlich als goldenes Jahrzehnt in die Geschichte eingehen. Welthandel, Arbeitsmärkte und die Börse erlebten einen wahren Boom. In den kommenden Jahren werden wir wohl kleinere Brötchen backen.

Ende 2009 war alles mau. Deutschland steckte in der tiefsten Rezession der Nachkriegszeit und am Horizont war bereits die Euro-Schuldenkrise erkennbar. Die sollte Wirtschaft, Politik und Börsen auf absehbare Zeit beschäftigen. Doch wenn die Nacht am dunkelsten ist, ist der Tag am nächsten. Wer vor zehn Jahren Mut bewiesen hat, konnte ordentlich Geld verdienen.

Mit der Finanzkrise waren Politik, Notenbanken und Wirtschaft eine Allianz eingegangen. “Banken gehen nicht pleite”, so lautete die Botschaft nach dem Schock der Lehman-Pleite. Einige Staaten verhoben sich dabei. Irland zum Beispiel gab so viel Geld für die Rettung seines Bankensektors aus, dass das Land selbst an den Rand des Abgrunds geriet. 

Doch was für Banken recht ist, kann für Staaten nur billig sein. Rettungsschirme wurden gebastelt, Kreditpakete geschnürt. Und wenn noch überhaupt ein Zweifel an der Entschlossenheit bestanden hatte, so wurde der am 26. Juli 2012 beiseite gewischt. Das “whatever it takes” von EZB-Chef Mario Draghi rettete nicht nur den Euro sondern darf mit Fug und Recht auch als Endpunkt der Finanzkrise gesehen werden. Es wird alles unternommen, um den Finanzmarkt zu stabilisieren. Punkt.

Diese Sicherheit hat viel zum Aufschwung beigetragen. Doch sie hat ihren Preis. Die Nullzinspolitik scheint in Stein gemeißelt zu sein. Sparer zahlen mit dem negativen Realzins bis heute die Kosten der Finanzkrise. Dafür aber boomten die Börsen. Nullzins ist der beste Treibstoff.

Das Zeitalter von Social Media brach an. In der arabischen Welt half Facebook dabei, Regime zu stürzen. Wehte der “Wind of Change” Anfang der 90er Jahre durch den Osten Europas, so traf er dieses Mal Tunesien, Libyen, Ägypten und Syrien - wenngleich auch ungleich kürzer und mit völlig anderen Konsequenzen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre
Kurs
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Die Facebook-Revolution zeigte aber auch, dass das Internet in den 10er Jahren all die Versprechen der New Economy erfüllte, die diese in den Nullerjahren gebrochen hatte. Weil inzwischen das Internet schnell und verfügbar wurde, waren Techniken wie Streaming kein Problem mehr. Die Erfindung des Smartphones und die Vorstellung des ersten iPhones im Jahr 2007 hatte den Weg für eine technische Revolution geebnet. Die 10er Jahre waren an der Börse die Ära der FAANG. Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google gehörten zu den erfolgreichsten Aktien dieses Jahrzehnts. Sie stehen für den Siegeszug der New Economy.

Dagegen erlebte eine andere Branche einen beispiellosen Niedergang. Die Atomkatastrophe von Fukushima beendete - zumindest in Deutschland die Ära der Atomkraft und läutete die Energiewende ein. Hatten Aktien von Energieversorgern bis dato noch den Status von Witwen- und Waisenpapieren, so wurden sie nun an der Börse atomisiert. Erst der umfassende Umbau der Versorger und ein grüner Anstrich von RWE stoppten diesen Trend.

Was da die 20er Jahre wohl bringen werden? Die Prognosen sehen die Bäume nicht mehr gen Himmel wachsen. Nach einer Ära politischer Börsen sollte nun die Konjunktur wieder in den Vordergrund rücken. Hier endet gerade ein sehr langer und ausgedehnter Wachstumszyklus. Es warten riesige Herausforderungen, wie der Umbau in Richtung Elektromobilität, die Industrialisierung 4.0, der demografische Faktor und, und, und.

Diese Herausforderungen werden auch die Anlagetrends der Zukunft bestimmen. Demografie und Nachhaltigkeit werden in den Vordergrund rücken. Und im Hintergrund lauert auch schon das nächste große Ding.