Eine Hand voller 50-Euroscheine
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Global Wealth Report der Allianz Was die Deutschen falsch machen

Stand: 27.09.2017, 11:45 Uhr

Noch nie war die Menschheit so reich wie heute. Das globale Netto-Geldvermögen kletterte auf den neuen Rekordwert von 128,5 Billionen Euro. Doch die ungleiche Verteilung nimmt zu - und die Deutschen gehören zu den Verlierern.

Trotz Niedrigzinsen haben haben die Menschen in den Industrieländern seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 Jahr für Jahr durchschnittlich gut eine Billion Euro auf die hohe Kante gelegt. Dabei flossen zwei Drittel der Gelder den Banken zu, wie aus den Berechnungen der Allianz-Versicherung hervorgeht, die heute ihren achten "Global Wealth Report" vorgestellt hat.

Ein Paradox, urteilt Konzernchef Oliver Bäte, entpuppt sich doch die Treue zu Bankeinlagen für die Sparer als Verlustbringer. Tatsächlich sind den Anlegern dadurch 300 Milliarden Euro durch die Lappen gegangen, trotz der derzeit niedrigen Inflation.

Europäer scheuen das Risiko

Besonders ausgeprägt ist dieses risikoaverse Sparverhalten in Europa. Während die Amerikaner in den letzten fünf Jahren für insgesamt über 700 Milliarden Wertpapiere kauften, waren die Europäer durchgehend auf der Verkäuferseite und trennten sich von Wertpapieren in Höhe von rund 350 Milliarden Euro. Damit bestätigen zumindest die letzten Jahre das Klischee von den risikofreudigen Amerikanern und den ängstlichen Europäern, die den Märkten nicht (mehr) trauen.

Sparleistungen pro Kopf aus Arbeitseinkommen 2012-2016 kumuliert (in Euro)

Sparleistungen pro Kopf . | Bildquelle: Allianz Global Wealth Report 2017

Die Folgen für die Entwicklung der Vermögenslage zeigt die Statistik überdeutlich. In Nordamerika gehen etwa drei Viertel des Vermögenswachstums auf Wertveränderungen im Bestand (Wertpapiere und Immobilien) zurück; in Europa ist es gut die Hälfte - und in Deutschland nur ein Viertel.

Deutsche verlieren Geld

Während also die amerikanischen Haushalte ihr Geld für sich arbeiten lassen, ist es in Europa und vor allem in Deutschland eher umgekehrt: Im Land der "Sparweltmeister“ werde das Vermögenswachstum in erster Linie durch die Anlage frischer Spargelder hart "erarbeitet", betont die Allianz.

Eine von den Autoren der Allianz-Studie gemachte Rechnung zeigt, wie viel Geld die deutschen Haushalte dadurch verloren haben: Hätten die deutschen Haushalte in den letzten fünf Jahren nicht 40 Prozent ihres Geldvermögens bei den Banken geparkt – die reale Rendite dieser Anlage betrug im Durchschnitt dieser Jahre – 0,3 Prozent –, sondern 30 Prozent des Ersparten in Aktien gesteckt, wäre die Vermögensrendite in diesem Zeitraum um 1,2 Prozentpunkte höher ausgefallen. Die dadurch erzielten zusätzlichen Vermögenseinnahmen hätten bei knapp 60 Milliarden Euro pro Jahr gelegen. Das sind 290 Milliarden Euro in den letzten fünf Jahren.

Globale Rangliste nach Netto-Geldvermögen pro Kopf

Globale Rangliste nach Netto-Geldvermögen pro Kopf . | Bildquelle: Allianz Global Wealth Report 2017

China holt mächtig auf

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Börse 14.00 Uhr: Geldvermögen auf Rekordhoch - Deutsche Sparweltmeister

Es kann also nicht überraschen, dass das Geldvermögen in anderen Ländern und Regionen schneller gewachsen ist als in Deutschland. In den letzten zehn Jahren wuchsen die Brutto-Geldvermögen pro Kopf in Asien (außer Japan) real um knapp elf Prozent pro Jahr. Dabei entfielen gut 30 Prozent des Vermögenswachstums auf ein einziges Land: China. In Nordamerika legte das vorhandene Brutto-Vermögen zwischen 2006 und 2016 lediglich um 2,1 Prozent pro Jahr zu, in Westeuropa waren es bescheidene 1,4 Prozent.

Trotz des Aufholprozesses einiger Schwellenländer sind die regionalen Unterschiede immer noch gewaltig. So ist Nordamerika nach wie vor die reichste Region weltweit, das mittlere Pro-Kopf-Vermögen belief sich nach hier nach Abzug der Schulden Ende 2016 auf 168.130 Euro. In Westeuropa lag dieser Wert bei 58.910 Euro, in Osteuropa, der ärmsten Region, nur bei 4.150 Euro.

Vermögensmittelklasse nach Regionen

Vermögensmittelklasse. | Bildquelle: Allianz Global Wealth Report

Auch von einer "gerechten“ Vermögensverteilung ist die Welt noch weit entfernt. In den von der Allianz untersuchten Ländern vereinen die reichsten zehn Prozent der Welt 79 Prozent der Netto-Geldvermögen.

lg