Reiche Schweizerinnen

Global Wealth Report Trotz Corona: Mehr Millionäre in Deutschland

Stand: 22.10.2020, 16:28 Uhr

Das Vermögen privater Haushalte ist im ersten Halbjahr erneut gestiegen - wenn auch nur moderat wegen der Corona-Krise. Die Reichen profitierten von höheren Immobilienpreisen, der Börsenerholung und den Konjunkturpaketen der Regierungen.

Relativ unbeschadet sind die Vermögenden durch die Corona-Krise gekommen. Das geht aus dem heute veröffentlichten Global Wealth Report (Wohlstandsbericht) der Credit Suisse hervor. Das globale Gesamtvermögen privater Haushalte stieg in den ersten sechs Monaten leicht um eine Billion Dollar auf über 37 Billionen Dollar. Das weltweite Durchschnittsvermögen sank allerdings um 0,4 Prozent auf 76.984 Dollar.

Vermögen pro Erwachsener in Deutschland gestiegen

In Deutschland erhöhte sich das Vermögen pro Erwachsenem im ersten Halbjahr um 1,8 Prozent gestiegen. Im Gesamtjahr 2020 dürfte es um 3,9 Prozent zulegen – trotz Corona-Krise.

Die Zahl der Millionäre hierzulande stieg um 58.000. Bisher gibt es 2,1 Millionen Deutsche, die eine Million an Vermögen oder mehr besitzen. In China gab es 365.000 neue Millionäre. Damit gibt es über sechs Millionen Chinesen, die als Millionäre gelten. Weltweit blieb die Zahl der Millionäre bei knapp 52 Millionen konstant.

Corona bremst Anstieg

Es habe zwar von Januar bis März mit den Geschäftsschließungen zunächst einen starken Einbruch gegeben, doch sei die Erholung markant gewesen, schreibt die Credit Suisse. Im vergangenen Jahr war das Vermögen insgesamt um zehn Prozent oder 36,5 Billionen Dollar auf 399,2 Billionen gewachsen. Die Deutschen kamen der Studie zufolge Ende 2019 auf ein Vermögen von 14,8 Billionen Dollar.

Die Schweizer Großbank Credit Suisse geht davon aus, dass die Einkommensschere in vielen Ländern weiter auseinandergegangen ist, weil Arbeiterinnen und Arbeiter mit geringen Einkommen und unsicheren Arbeitsplätzen in der Corona-Krise am ehesten ihren Job oder Einkommen verloren haben. In Deutschland sei der Vermögensunterschied besonders ausgeprägt: Das eine Prozent der reichsten Leute besitze 29 Prozent der Vermögen, verglichen mit 22 Prozent in Frankreich und Großbritannien. Die Zahl der Menschen mit mehr als 100.000 Dollar Vermögenswerten liege bei 40 Prozent - vier Mal so hoch wie im weltweiten Durchschnitt.

Regierungen pumpen noch mehr Geld in die Haushalte

Die Vermögenden hierzulande profitieren seit langem vom Immobilien-Boom. Die Preise für Häuser und Wohnungen sind in vielen Regionen deutlich gestiegen. Dass die Haushaltsvermögen im Juni höher lagen als Ende 2019, liege unter anderem daran, dass der Konsum eingeschränkt war und dass Regierungen mit großen Konjunkturpaketen Geld in den Privatsektor und damit auch in Haushalte gepumpt hätten. Auch die Kurserholung an den Börsen machte sich positiv bemerkbar.

Die Aussichten auf weitere Wohlstandsvermehrung seien aber nicht so rosig, unter anderem, weil Regierungen ihre Ausgaben wohl später durch Steuererhöhungen wieder hereinholen müssten und weil Zinsen steigen würden, meinen die Autoren des Wealth Report. Im Unterschied zu anderen Vermögensstudien etwa der Deutschen Bundesbank, die Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere sowie Ansprüche gegenüber Versicherungen summieren, berücksichtigt die Credit Suisse in ihren Berechnungen auch Immobilien. 57 Prozent des Bruttovermögens der deutschen Privathaushalte entfällt nach Credit-Suisse-Berechnungen auf Sachwerte wie Immobilien.

nb