Ein älterer Mann rechnet

Vorsorge Strategien fürs Ersparte

Stand: 04.05.2018, 16:00 Uhr

Wer im Alter seinen Vermögensstock zur Aufbesserung seiner Alterseinkünfte nutzen will, sollte sich an einigen Regeln orientieren. Wer wie viel seiner Mittel in welche Anlageformen steckt und wie diese in der "Entnahmephase" verwaltet werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Ein paar Jahre sind es noch bis zum Rentenantritt - und auf dem Konto und im Depot hat sich eine nennenswerte Summe gebildet, die das Leben in den kommenden Jahren angenehmer gestalten soll. Aber wie soll der liquide Vermögensstock nun sukzessive aufgebraucht werden? Wie gestaltet sich eine fortlaufende Entnahme, und wie groß kann der monatliche oder jährliche Entnahmebetrag sein? Und nicht zuletzt: Wie können die Mittel so angelegt werden, dass das Vermögen auf während der Rentenphase noch Rendite erzielt, allzu große Risiken aber vermieden werden?

Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock hat jüngst für mögliche Strategie vorgestellt, nach denen Ruheständler in spe grundsätzlich vorgehen können, wenn sie auf den "Tag X" zusteuern, an dem das Alterseinkommen durch erspartes Vermögen aufgestockt werden soll (s. unser Überblick: Fünf Entnahmevarianten). Sie stellen mögliche Varianten bei der Nutzung des Privatvermögens dar und können beliebig gemischt werden, um sie auf die individuelle Situation einzustellen.

Inflation, Rendite und Entnahme

Eine Reihe von Faktoren wirken auf die Höhe des Betrags ein, der zu Beginn des Ruhestands zur Verfügung steht. Das illustriert ein Beispiel, in dem ein Vermögensstock von 100.000 Euro zur Verfügung steht. Wer monatlich 500 Euro aus dieser Rücklage entnehmen will, hat nach knapp 17 Jahren die Summe aufgebraucht - wenn konstante Beträge entnommen werden und keine Rendite entsteht.

Da 500 Euro in fünf oder zehn Jahren deutlich weniger wert sind als heute, müsste die Entnahme aber eigentlich "dynamisiert" werden, also etwa jährlich um eine erwartete Inflation von beispielsweise zwei Prozent erhöht werden. Dann reichen die 100.000 Euro aber nur noch 14,5 Jahre bis zum kompletten Verzehr.

Mit einer Verzinsung des Kapitals während der Entnahmephase lassen sich Inflationseffekte nicht nur ausgleichen - je nach Anlageform kann sogar das Ersparte deutlich länger reichen. Bei einem aktienmarktüblichen Renditesatz von sechs Prozent würde der Kapitalstock etwa trotz der jährlich um zwei Prozent erhöhten Entnahme fast exakt 27 Jahre reichen. Wer also einen Ruhestand mit 65 Jahren anpeilt, verbraucht also erst im Alter von 92 Jahren den letzten Euro aus seinem 100.000-Euro-Bestand.

Die "Vier-Prozent-Regel"

Wer nicht zu Lebzeiten den gesamten Vermögensstock aufbrauchen, sondern nur zum Teil oder gar nicht verzehren will, braucht: Entweder eine deutlich größere Summe als Ausgangsbasis - oder deutlich mehr Rendite, die allerdings mit Risiken verbunden ist, die der Ruheständler nicht eingehen sollte. Konsequenz wäre dann bei der gegebenen Summe, die monatliche Entnahme zu verkleinern. Im Beispiel mit zwei Prozent Dynamik und sechs Prozent jährlicher Rendite hätte der Rentner etwa bei einer Entnahme von 400 Euro monatlich mit 92 Euro noch den kompletten Kapitalstock erhalten.

US-Forscher haben bereits vor Jahrzehnten eine "Vier-Prozent-Regel" ermittelt, die bei Entnahmen aus dem Vermögen nicht überschritten werden soll. Wer also vier Prozent seines Kapitalstocks jährlich "verbraucht", wird mit einer 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit nie sein Kapital zu Lebzeiten vollständig aufbrauchen. Allerdings bezieht die Regel Faktoren wie die aktuelle Inflationsrate oder eine längere Baissephase am Aktienmarkt nicht ein.

Drei Töpfchen fürs Alter

Sinnvoller erscheint eine strategische Aufteilung des Vermögens in mehrere Teile, auch als "Bucket"-Strategie bezeichnet: Dabei wird ein Teil des Vermögens in "Cash" gehalten, etwa in Form eines verzinsten Auszahlplans. Ein zweiter Teil wird ein festverzinslichen Papieren, also Anleihen, ein dritter in Aktien gehalten. Die beiden "Töpfe" mit Wertpapieren sollen durch ihre Erträge den Cash-Verbrauch möglichst ausgleichen. Im Idealfall spielt der Finanzmarkt dann langfristig genauso viel ein, wie das möglichst entspannte Leben im Ruhestand verbraucht (s. unser Überblick: Fünf Entnahmevarianten).

AB

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Fünf Entnahmevarianten Übersicht

Ein Mann zählt Fünfhunderteuroscheine

Fester Auszahlbetrag
Einfach umzusetzen und schlicht ist die Basisstrategie bei der Geldentnahme: Ein fester Betrag wird allmonatlich aufs Girokonto transferiert. Wer diese private Rente aus dem Vermögen automatiseren will, nutzt einen Auszahlplan, wie ihn einige Banken auch verzinst anbieten. Die Stiftung Warentest favorisiert hier die IKB Bank und die VTB Direktbank. Bei Laufzeiten ab fünf Jahren gibt es hier immerhin rund ein Prozent Verzinsung aufs Vermögen. Die Auszahlungsraten sind flexibel.