Vorsorge

Hohe Kosten, wenig Rendite Riester-Rente im Zwielicht

von von Andreas Braun

Stand: 05.07.2013, 16:16 Uhr

Der große Wurf in Sachen privater Altersvorsorge ist die staatlich geförderte Riester-Rente nicht geworden. Der Gesetzgeber versucht nun mehr Transparenz herzustellen und den Anbieterwechsel zu erleichtern. Die Grundprobleme bleiben aber.

Eine Hand hält Fünfzigeuro-Noten, die andere tippt auf einem Tischrechner

Rente berechnen. | Bildquelle: colourbox.de

Das "Altersvorsorgeverbesserungsgesetz", ein typisch deutsches Wortungetüm, ist in weiten Teilen seit Juli 2013 in Kraft getreten. Für Riester-Sparer ergeben sich daraus gleich mehrere Änderungen, die die Kritik aufgenommen haben, die dem Projekt "Riester-Rente" aus vielen Richtungen entgegenschlägt.

So sollen die Produktinformationsblätter der Riester-Anbieter, auch "Beipackzettel" genannt, künftig mehr Transparenz bieten. Produkte unterschiedlicher Ausgestaltung sollen besser vergleichbar gemacht werden. Dazu soll jedes Riester-Angebot zum Beispiel in einer Chance-Risiko-Klasse einsortiert werden. Auch Szenarien darüber, wie sich der Wert der angesparten Beiträge und Zulagen in den kommenden Jahren entwickeln könnte, sollen die Anbieter nun mitliefern.

Auch der Anbieterwechsel ist per Gesetz nun weiter vereinfacht. Die Bezugsgröße, nach der die Gebühren berechnet werden, wird auf die Hälfte des übertragenen geförderten Kapitals begrenzt. Stornokosten beim Beenden eines Vertrags liegen nun bei maximal 150 Euro.

Entnahme aus Wohn-Riester erleichtert

Und auch beim zuletzt immer populäreren "Wohn-Riester" gibt es weitere Veränderungen: Angespartes Riester-Vermögen kann nun jederzeit aus einem Vertrag entnommen werden, um damit eine selbstbewohnte Immobilie zu finanzieren, Sondertilgungen bei Hypothekenkrediten zu tätigen oder ein Haus oder eine Wohnung altersgerecht umzubauen. Bislang war dies nur zum Rentenantritt möglich, und dabei war eine bestimmte Entnahmequote aus dem Riester-Vermögen vorgeschrieben.

Am Ende des ersten Quartals 2013 gab es in Deutschland 15,6 Millionen Riester-Verträge. Der Löwenanteil davon, nämlich 10,9 Millionen, entfallen auf die Variante der Riester-Rentenversicherungen, 2,95 Millionen Fondssparpläne gibt es. Dazu kommen 0,8 Millionen Banksparpläne und knapp eine Million Wohn-Riester Verträge. Nur die letztgenannte Variante hat zuletzt noch ein kleines Wachstum verbucht. Die Zahl der anderen Riester-Formen ging im Vergleich zum vierten Quartal 2012 leicht zurück (siehe Grafik).

Chart Riester Riesterrente Riesterverträge riestern 1408. | Grafik: boerse.ARD.de / Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Abwärtsknick bei den Verträgen?

Der Zulauf zu Riester ist insgesamt abgeebbt. Das Jahr 2013 könnte das erste Jahr seit der Einführung der staatlich geförderten Zusatzrente sein, in dem die Gesamtzahl der Verträge zurückgeht. Darauf deutet auch eine alarmierende Zahl hin: Nach Schätzungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BAMS) wird der Anteil der "ruhend gestellten" Riester-Verträge, in die keine Beitragsleistungen mehr eingehen, auf knapp 20 Prozent geschätzt. Zehn Jahre nach ihrer Einführung verfügt nicht einmal die Hälfte der Berechtigten Bundesbürger über einen Riester-Vertrag. Dabei schießt der Staat für jeden Riester-Sparer jährlich 154 Euro Grundzulage und 185 Euro Kinderzulage (bei nach 2008 geborenen Kindern sogar 300 Euro) zu.