Zehn Jahre Riester-Rente Bundesregierung will Riester aufpäppeln

Stand: 28.09.2012, 12:45 Uhr

Nachbessern, um zu retten. So könnte die neue Initiative der Bundesregierung in Sachen Riester umschrieben werden. Die vorgeschlagenen Änderungen betreffen die Informationen zu den Riester-Produkten, wirken sich aber für Riester-Sparer durchaus auch direkt finanziell aus.

Eine Hand hält Fünfzigeuro-Noten, die andere tippt auf einem Tischrechner

Rente berechnen. | Bildquelle: colourbox.de

Wenn der Gesetzentwurf Anfang 2013 von Bundestag und Bundesrat verabschiedet sein wird, geht die Riester-Rente bereits ins elfte Jahr ihres Bestehens. Die Dringlichkeit, Änderungen an der privaten Vorsorge vorzunehmen, die einst konzipiert wurde, um die Rentenlück zu schließen, schien groß zu sein. Kein Wunder, die Verunsicherung der Vorsorge-Sparer wächst weiter an, wie Verbraucherschützer aus ihrer Beratungspraxis zu berichten wissen."Neun von zehn Sparern wird an ihrem Bedarf vorbei ein Riester-Produkt" verkauft, so etwa Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg (s. dazu unser Bericht: Riester bleibt umstritten).

Nur Wohn-Riester wächst noch klar

Laut Statistik hatten Ende des zweiten Quartals 2012 mehr als 15 Millionen Deutsche einen Riester-Vertrag unterschrieben. Dank der Vertriebskraft der Versicherungskonzerne entfallen rund zehn Millionen Verträge auf die klassische Rentenversicherung per Riester. Die anhaltend kritische Berichterstattung über die Kostenstruktur vieler Versicherungslösungen hat allerdings seit zwei Jahren für eine Stagnation bei dieser Variante geführt. Leichte Zuwächse verbuchen noch fondsbasierte Riester-Produkte (derzeit knapp drei Millionen) und die klassischen Banksparpläne, die inzwischen 770.000 Vorsorges-Sparer nutzen.

Einzig der erst 2008 geschaffene Wohn-Riester erfreut sich deutlich steigender Beliebtheit. Allein in den vergangenen sechs Monaten schlossen mehr als 130.000 Sparer einen Riester-Vertrag, der ihnen etwa über einen Bausparvertrag günstige Hypotheken-Darlehen verspricht und mit einer staatlichen Förderung versehen ist.

Nicht umsonst richten sich einige der substanziellen Neuerungen, die die Bundesregierung gesetzlich verankern will, auf den Wohn-Riester. So sollen bestehende Verträge aller Riester-Produkte jederzeit genutzt werden, um selbst bewohntes Wohneigentum mitfinanzieren zu können. Bislang war dies nur bei Rentenantritt oder unmittelbar beim Kauf einer Immobilie möglich.

Auch die Anhebung der Betragsgrenze, bis zu der Beiträge steuerlich geltend gemacht werden können, ist eine Nachbesserung, die Riester-Sparer direkt betreffen wird. Bislang konnten maximal 20.000 Euro zur so genannten "Basisversorgung fürs Alter" steuermindernd angesetzt werden. Dieser Betrag soll nach dem Willen der Regierung auf 24.000 Euro steigen.

Beipackzettel kritisch gesehen

Die als "Beipackzettel" bezeichneten Produktinformationsblätter sollen Verbrauchern bereits vor Abschluss eines Vertrages eine Orientierung geben. Anfallende Abschluss- oder Verwaltungskosten sollen darauf ebenso aufgeführt sein, wie die Angabe der Risiken der Produkte. Auch Berechnungen zur erwartbaren Rentenzahlung aus den Verträgen sollen die Vergleichbarkeit der Riester-Angebote am Markt erhöhen. Kritiker halten besonders dies für schwer möglich. Zu unwägbar seien die Schwankungen an den Kapitalmärkten zu unterschiedlich die Vertragskonstruktionen.

Anbieterwechsel wird erleichtert

Immerhin bieten die neuen Regelungen, so sie denn im kommenden Jahr verabschiedet werden, auch unzufriedenen Kunden günstigere Möglichkeiten, den Anbieter zu wechseln. Bei einem künftigen Wechsel sollen maximal 50 Prozent des übertragenen Kapitals bei der Berechnung von Gebühren herangezogen werden. Wenn ein Kunde seinen Riester-Vertrag ersatzlich kündigt sollen die Kosten ebenfalls gedeckelt werden.