Vorsorge

Warnschild mit fallenden Prozentzeichen

Garantiezins wird eingedampft Rendite-Dürre bei Lebensversicherungen

Stand: 02.05.2016, 15:37 Uhr

Eine Lebensversicherung abzuschließen wird für Neukunden immer unattraktiver. Laut Medienberichten will das Bundesfinanzministerium eine Absenkung des Garantiezinses auf unter ein Prozent durchsetzen.

Eine weitere Absenkung des Garantiezinses (auch Höchstrechnungszins genannt) war allgemein erwartet worden. Der Zins, der nun im Raum steht, ist aber noch eine kleine Überraschung: Auf 0,9 Prozent soll der Zins nach dem Willen des Bundesfinanzministeriums ab dem Jahr 2017 sinken.

Unter einem Prozent

Für neu abgeschlossene Verträge gilt seit 2015 ein Garantiezins von 1,25 Prozent. Dies ist aus Sicht eines Lebensversicherungs-Kunden der höchste Zins, den ein Versicherungs-Unternehmen jährlich garantieren darf. In der Regel kommt zu diesem Zins noch eine Überschussbeteiligung hinzu, mit der zusammen dann die Gesamtverzinsung einer Lebensversicherung erreicht wird. Diese lag nach Angaben der Versicherungswirtschaft bei rund zwei Prozent.

Der niedrigere Garantiezins, der nun im Raum steht, spiegelt die Niedrigzinssituation wider, in der sich der gesamt Euro-Raum seit Jahren befindet. Das Bundesfinanzministerium legt die Zinshöhe per Verordnung fest. Dabei werden Berechnungen der Deutschen Aktuar-Vereinigung (DAV) und Empfehlungen der Banken- und Versicherungsaufsicht BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht) berücktsichtigt.

DAV und BaFin im Clinch?

Während die DAV sich dafür ausgesprochen hatte, den Zins für 2017 noch auf 1,25 Prozent zu belassen und ihn 2018 auf 1,0 Prozent zu senken, hatte sich BaFin-Präsident Felix Hufeld für eine härtere Gangart ausgesprochen. Dem "Handelsblatt" gegenüber hatte Hufeld im April gesagt: "Ich persönlich hätte eine gewisse Sympathie" für einen deutlicheren Schritt.

Der Branchenverband GDV äußerte sich in einer ersten Stellungnahme wenig begeistert von dem Vorstoß des Finanzministeriums: "Die vom BMF zur Diskussion gestellte Absenkung des Höchstrechnungszinses von 1,25 Prozent auf 0,9 Prozent ist zu weitgehend", so ein Sprecher am Montag in Berlin. Eine Senkung zum 1. Januar 2017 zu kurzfristig, da die Versicherer ihre Produkte neu kalkulieren müssten.

Lebensversicherung in der Zinsfalle

Der Neu-Abschluss einer Lebensversicherung würde durch einen weiter sinkenden Garantiezins für Kunden noch unattraktiver. Altverträge bleiben freilich von Zinsänderungen nach dem Abschluss unberührt. Allein der Garantiezins für Lebensversicherungen lag einmal bei 4,0 Prozent, das war allerdings Ende der 1990er Jahre, als die Zinslandschaft noch unberührt von der ultralockeren Geldpolitik der EZB war.

AB