Lebensversicherung

Lebensversicherung im Wandel "Neue Klassik" bringt neue Unsicherheit

von von Robert Minde

Stand: 16.02.2018, 08:48 Uhr

Die anhaltenden Niedrigzinsen haben der jahrzehntelang verkauften Lebensversicherung mit Garantiezins den Garaus gemacht. Die Gesellschaften haben sich viel Neues einfallen lassen. Sind Anleger damit besser bedient als mit Aktienanlagen?

Denn mit einer Garantieverzinsung von aktuell nur noch 0,9 Prozent auf den Sparanteil einer solchen klassischen Police lässt sich nicht mehr viel Staat machen. Hinzu kommen die Kosten für die Verträge, die die Rendite schmälern.

Dieser Renditeverfall ist angesichts der anhaltend ultraniedrigen Zinsen im Euroraum schon seit Jahren zu beobachten und hat dazu geführt, dass zahlreiche Anbieter die klassischen Verträge gar nicht mehr anbieten oder Altbestände sogar loswerden wollen.

Kein Wunder, dass auch die jahrelang zusätzlich erwirtschaftete Überschussbeteiligung im Niedrigzinsumfeld kontinuierlich sinkt, wenn auch zuletzt nicht mehr so stark. Aktuell liegt die Verzinsung über alle Produkte mit klassischer Zinsgarantie nach Berechnungen der Ratingagentur Assekurata bei 2,83 Prozent, ein Rückgang von 0,05 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.

Hoffnungsträger "Neue Klassik"

In einem solchen Marktumfeld ist guter Rat teuer, wollen die Versicherungen ihre Kunden bei Laune und damit im Hause halten. Wenn das Zinsumfeld allerdings keine Rendite mehr bietet, liegt es nahe, auf Garantiezusagen gleich ganz zu verzichten.

Das hat zu einer Reihe neuer Produkte geführt, die unter dem Oberbegriff "Neue Klassik" derzeit die Hoffnungsträger der Gesellschaften sind. Diesen Verträgen ist in der Regel gemeinsam, dass den Kunden der Erhalt der eingezahlten Beträge nur noch zum Ende der Ansparphase garantiert wird. Begünstigt werden also die Kunden, die ihren Vertrag bis zum Ende durchhalten.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt

Die Kreativität der Produktmanager ist dabei groß. Neben interessanten neuen Namen wie "Perspektive", Maximo" oder "Alfonds" werden auch andere Formen von Policen ohne Garantiezins angebunden. Zum Beispiel solche, die an die Entwicklung eines Aktienindex gekoppelt sind.

Der Kunde kann seine Sparbeiträge alternativ auch in verschiedene Töpfe einzahlen, sogenannte Hybridprodukte. Dabei wird ein Teil der Beiträge der Versicherung zur Anlage überlassen (in den Deckungsstock), ein Teil der Beiträge aber auch in Fondsprodukte. Der Kunde kann dabei selber entscheiden, wie hoch sein Garantieniveau sein soll.

Überhaupt wird die Eigenverantwortung des Versicherungsnehmers in Nullzinszeiten für die Branche immer wichtiger. Denn damit wälzt diese das Marktrisiko auf ihre Kunden ab. Ein Produkt, das schon länger auf diesen Trend setzt, ist die Fondsgebundene Lebensversicherung.

Die Beiträge fließen hier komplett in ausgewählte Investmentfonds, müssen also von der Gesellschaft nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Sofern der Kunde nicht eine Garantieleistung vereinbart - deren Kosten dann aber wiederum die Rendite schmälern, versteht sich. Solche Policen konkurrieren aber auch mit Banken und deren Fondssparplänen, so dass ein Vergleich vor Abschluss ratsam ist.

Reine Aktienprodukte attraktiver?

Aber sind die neuen Produkte wirklich das Ei des Kolumbus? Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist da skeptisch. "Sie bieten die Chance, mehr Geld zu erwirtschaften, aber es bleibt eine hohe Unsicherheit, was am Ende herauskommt", sagte die Expertin gegenüber der "Ärzte-Zeitung". Sie rät, lieber einen Banksparplan oder individuelle Investments am Aktienmarkt zu tätigen, um für das Alter vorzusorgen. Eine Rentenversicherung könne man immer noch abschließen, so die Expertin.

Für den meist risikoaversen deutschen Sparer ist die Lage also nicht einfacher geworden. Nicht nur, dass die neuen Versicherungsprodukte zur Verwirrung beitragen. Die Kunden müssen sich auch mit neuen Formen der Geldanlage auseinandersetzen, die sie bisher eher gemieden haben.

Interessant sind etwa Aktiensparpläne, bei denen der Kunde mit kleinen Beträgen langfristig ein Vermögen aufbauen kann. Mit risikoreichem "Zocken an der Börse" hat das nichts zu tun. Auch der wachsende ETF-Markt bietet sich für einen solchen Vermögensaufbau an. Diese Variante hat zudem den Vorteil, dass sie recht kostengünstig ist. Teure Ausgabeaufschläge wie bei vielen Fonds fallen in der Regel nicht an.

Wie die Statistik zeigt, haben sich längerfristige Engagements im Aktienmarkt in aller Regel gelohnt, vor allem in der aktuellen Niedrigzinsphase. So hat der Dax allein im vergangenen Jahr zwölf Prozent zugelegt.