Rentnerfiguren vor Eurostapeln

Mangelnde Altersvorsorge Junger Generation droht gigantische Rentenlücke

von Angela Göpfert

Stand: 10.10.2017, 11:15 Uhr

Keine Angst vor der Rente? Oh doch! Laut dem neuen Vorsorgeatlas Deutschland müssen vor allen die heute 20- bis 34-Jährigen um ihren Lebensstandard im Alter bangen. Wenn, ja wenn sie nicht gegensteuern.

Für die jüngeren Generationen kommt die Lektüre des aktuellen "Vorsorgeatlas Deutschland" einer kalten Dusche gleich: Wer heute 20 bis 34 Jahre alt ist und nur über die gesetzliche Rentenversicherung fürs Alter vorsorgt, verfügt zu Rentenbeginn lediglich über 38,6 Prozent seines letzten Bruttoeinkommens. Die heute 35- bis 49-Jährigen erreichen eine durchschnittliche Quote von 43,2 Prozent.

Hohe Versorgungslücken bei den Jungen

»Die daraus resultierenden durchschnittlichen Versorgungslücken in der jüngsten und mittleren Altersgruppe betragen 801 Euro beziehungsweise 771 Euro monatlich.«

Zu diesem Schluss kommt der neue Vorsorgeatlas Deutschland, den das Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg unter Leitung von Professor Bernd Raffelhüschen im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment erstellt hat.

Ersatzquote aus der Gesetzlichen Rentenversicherung

Die heute 20- bis 34-Jährigen erreichen mit der gesetzlichen Rente allein nur 38,6 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens. | Bildquelle: Universität Freiburg / Union Investment, Grafik: boerse.ARD.de

Den Älteren reicht die gesetzliche Rente

Ganz anders sieht es bei den heute 50- bis 65-Jährigen aus: Sie können mit einer Ersatzquote von 64,1 Prozent rechnen und so ihren Lebensstandard im Alter sichern.

Die 60 als Gradmesser

Als Gradmesser für die Frage, ob das jeweilige Alterseinkommen ausreicht, um den Lebensstandard aufrechtzuerhalten, wurde im Rahmen der Studie der Wert von 60 Prozent des letzten Bruttoeinkommens verwendet.

Über alle Generationen hinweg erhalten die Versicherten im Durchschnitt eine monatliche Rente von 1.070 Euro, was einer Ersatzquote von rund 48 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens entspricht.

Zusätzliche Vorsorge tut not

Wer seinen Lebensstand im Alter sichern möchte, muss also zusätzliche Vorsorge betreiben. Die Menschen, die die Möglichkeiten der Riester-Rente, der betrieblichen Altersversorgung oder der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes nutzen, können ihre Ersatzquote auf 61,8 Prozent steigern.

Union Investment

Entsprechend gelagerte Interessen

Der Auftraggeber der Studie, Union Investment, ist Teil der "Genossenschaftlichen FinanzGruppe", zu der neben den Volks- und Raiffeisenbanken auch die R&V-Versicherung sowie der Bauspar-Anbieter "Schwäbisch Hall" gehören. Union Investment bietet diverse Produkte zur privaten Altersvorsorge an und verdient damit Geld.

Wer darüber hinaus auch noch private Vorsorge über angesparte Geld- und Immobilienvermögen betreibt, erreicht im Schnitt eine Quote von ansehnlichen 83 Prozent des letzten Einkommens. Das ist deutlich mehr als die zur Lebensstandardsicherung erforderlichen 60 Prozent.

Zwei Paare auf einer Jacht

Wer seinen Lebensabend genießen möchte, sollte jetzt besser vorsorgen. | Bildquelle: colourbox.de

Riester alleine reicht nicht

Vor allem die junge Generation der heute 20- bis 34-Jährigen ist hier gefordert. Will sie im Alter keine allzu großen Abstriche an ihrem Lebensstandard machen, muss sie zusätzlich zur gesetzlichen und betrieblichen Altersversorgung/Riester-Rente auch private Vorsorge betreiben: Nur dann kommt sie auf eine Ersatzquote von rund 69 Prozent.

Ohne Geld- und Immobilienvermögen, nur mit gesetzlicher Rente und Riester oder betriebliche Altersversorgung reicht es nur für 55 Prozent.

Auch hohe Einkommen bedroht?

Es gibt allerdings noch eine Bevölkerungsgruppe jenseits der jungen Generation, der im Alter eine hohe Rentenlücke droht, sollte sie nicht z usätzliche Vorsorge betreiben: die Gruppe der "hohen Einkommen". Die Bezieher von Netto-Einkommen über 2.000 Euro monatlich können mit der gesetzlichen Rente allein nur 38,5 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens ersetzen.

Die Beitragsbemessungsgrenze bewirkt, dass hohe Einkommen nicht im gleichen Umfang abgesichert werden können wie Einkommen unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze. Hinzu kommt: Diese Schicht hat häufiger ein langes Studium hinter sich und beginnt daher erst verspätet mit der Einzahlung in die gesetzlichen Rentenversicherung.

Wichtige Botschaft

Die Rentenlücke bei den hohen Einkommen spiegelt sich denn auch in der regionalen Verteilung wider: Während die Menschen in den östlichen Bundesländern im Schnitt 53,4 Prozent ihres letzten Einkommens mit der gesetzlichen Rentenversicherung ersetzen können, sind es in Süddeutschland weniger als 48 Prozent.

Ersatzquote aus der GRV – Übersicht

Vor allem in Süddeutschland droht vielen im Alter eine Rentenlücke - wenn sie nicht zusätzlich vorsorgen.

Auch wenn die meisten künftigen Rentner die Kernbotschaft des Altersvorsorgeatlas Deutschland nicht gerne hören mögen, so ist sie doch wichtig: Ohne private Altersvorsorge dürften es viele Bevölkerungsgruppen nicht schaffen, ihren Lebensstandard im Alter zu sichern.

1/8

Fragen zur Riester-Rente Sicherheit, Rendite, Kosten

Ist die Riester-Rente sicher?
Riester bietet gleich zwei Sicherheiten, die unabhängig von der aktuellen Diskussion sind: Die eingezahlten Beiträge, staatlichen Zulagen und Erträge sind zum Rentenbeginn garantiert. Und eine lebenslange Rente wird ausgezahlt, selbst wenn das Kapital verbraucht ist.