Studenten in einer Seminargruppe

Umfrage der Comdirect Junge Leute haben große Lücken in der Finanzbildung

Stand: 25.09.2019, 11:43 Uhr

Seit langem werben Banken und Verbände für mehr Wirtschaftsthemen in der Schule. Zu Recht, zeigt eine aktuelle Studie der Comdirect Bank. Junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren haben erhebliche Schwächen in der Finanzbildung.

"Ich bin fast 18 und hab’ keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtanalyse schreiben. In vier Sprachen." Vor einigen Jahren ging dieser Tweet einer Schülerin aus Köln quer durch das Internet und entfachte eine Debatte über die Finanz- und Wirtschaftsbildung in der Schule. Doch bis heute hat sich wenig geändert.

Auch in einer aktuellen Umfrage der Bank Comdirect wird die "Bildungslücke" wieder deutlich. Die Mehrheit der 1.600 Befragten zwischen 16 und 25 Jahren könne Grundbegriffe wie Dax, Rendite und Liquidität nicht erklären, ergab das am Mittwoch veröffentlichte Papier. Zwar wüssten die allermeisten jungen Menschen, was sich hinter Zinsen oder Aktien verberge. Doch schon mehr als ein Drittel könne nicht erklären, was Inflation bedeute und gut 40 Prozent nicht, was ein Sparplan ist.

Befragte wünschen sich Schulfach

Dass viele junge Erwachsene Wörter, die zum Allgemeinwissen gehörten, nicht verstünden, zeige die Schwäche in der Finanzbildung, sagte Comdirect-Chef Arno Walter. Dabei seien viele Jugendliche offen für Wirtschaft und Finanzen in der Schule, sagte er mit Blick auf weitere Studienergebnisse. Demnach wünschten sich 92 Prozent der Befragten ein Fach Finanzen in der Schule, 49 Prozent sogar als Pflichtfach.

Viele junge Menschen seien sich außerdem ihrer Wissenslücken in der Finanzwelt bewusst. Im Schnitt hätten sie sich die Schulnote 3,3 gegeben. Die Mehrheit informiere sich aber selbst über Finanzthemen in den Medien.

Die Comdirect-Studie ist nicht die erste, die vielen Bundesbürgern Wissenslücken in Wirtschaft und Finanzen bescheinigt - längst nicht nur bei jungen Menschen. Banken und Wirtschaftsverbände machen sich seit längerem für mehr Wirtschaft in der Schule stark.

Verbände und Blogs wollen etwas ändern

Die Finanzbildung in Deutschland lässt zu wünschen übrig, fand auch vor einigen Monaten das Deutsche Institut für Altersvorsorge in einer Umfrage heraus. Ihr Fazit: Die Finanzbildung, die von den Schulen in Deutschland vermittelt werde, erhalte die Note mangelhaft.

"Zu wenig, schlechte Qualität und auch zu geringes Interesse der Jugendlichen und junger Erwachsene" gebe es,  konstatierte das Institut. Gut drei Viertel der Befragten beklagten sich über eine schlechte Finanzbildung in der Schule. Nur 13 Prozent hatten eine gegenteilige Meinung und halten die Finanzbildung für gut.

Hoffnung geben einige Institutionen, die an der Situation etwas ändern wollen. So bietet zum Beispiel der Bundesverband der Börsenvereine an deutschen Hochschulen (BVH) Seminare und Vorträge an. Und auch verschiedene Blogs wie mein-kohleeinstieg.de wollen junge Menschen an Finanzen und die Geldanlage mit Aktien heranführen.

tb

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Aktien? Kenn ich nicht.