Älteres Paar im roten Cabrio
Video

Altersvorsorge Gegen die Rentenlücke

Stand: 09.11.2017, 14:33 Uhr

Wer seinen Lebensstandard im Alter halten will, sollte zusätzlich vorsorgen. Das geht mit privaten und betrieblichen Vorsorgen oder Sparplänen. Doch auch die gesetzliche Rente ist eine Geldanlage - und noch immer unterschätzt.

Älteres Paar am Strand

Best Ager. | Bildquelle: colourbox.de

Die einen tun’s, die anderen nicht. Während immerhin jeder Dritte monatlich bis zu 300 Euro für die Altersvorsorge spart, können 45 Prozent laut eigenen Angaben keinen Cent für das Alter zurücklegen, so das Verantwortungsbarometer 2018 der Fondsgesellschaft Fidelity International, durchgeführt von dem Befragungsinstituts Kantar EMNID unter 3.200 Personen. Auch wenn die Fondsgesellschaft Fidelity selbst Anbieter von Produkten ist, die der privaten Altersvorsorge dienen: Die Tendenz ist deutlich: Ein Großteil der Bevölkerung nimmt - ob freiwillig oder unfreiwillig - nicht an einer privaten Altersvorsorge teil.

Raus kommt immer weniger

Nur wenige werden im Alter ihren Lebensstandard mit der gesetzlichen Rente halten können. Das Rentenniveau liegt derzeit bei knapp 48 Prozent des letzten Bruttoeinkommens - die Quote zur Lebensstandardsicherung aber bei 60 Prozent. Die Zukunftsaussichten sind nicht besser: Bis 2030 soll das Niveau laut der Deutschen Rentenversicherung auf 44,3 Prozent sinken. Eine Untergrenze für das Rentenniveau gibt es bislang nicht.

Rentenniveau-Prognose

Rentenniveau-Prognose. | Bildquelle: Bundesregierung, Grafik: boerse.ARD.de

Die gesetzliche Rente kann mehr

Ratsam ist eine zusätzliche Vorsorge. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten - eine davon klingt exotisch, sollte man aber nicht vernachlässigen: Die gesetzliche Rente als Geldanlage.

Denn die gesetzliche Rente lässt sich durch Extrabeiträge oder Einmalzahlungen aufstocken. Möglich ist das seit 2017 ab dem 50. Lebensjahr - und es bringt mehrere Vorteile: Wer früher in Rente geht als das gesetzliche Rentenalter vorschreibt kann dadurch die Abschläge, die durch den verfrühter Renteneintritt abgezogen werden, ausgleichen. Wer ganz normal in den Ruhestand geht bekommt die zusätzlichen Beiträge auf seinen regulären Rentenbetrag obendrauf.

Plötzlich rentabel?

Ein älterer Mann rechnet

Rente berechnen. | Bildquelle: colourbox.de

Die gesetzliche Rente profitiert von der aktuellen guten Konjunktur, den niedrigen Zinsen und den steigenden Löhnen bei der gleichzeitig hohen Beschäftigungsrate. Das lässt sie mit privaten Vorsorgen wie einer Lebensversicherung konkurrieren - denn die aktuelle Rendite der gesetzlichen Rente ist vergleichweise beachtlich: Sie liegt zwischen zwei bis drei Prozent.

Zahlt man ab dem 55. Lebensjahr monatlich 200 Euro ein, kommen so 30.000 Euro zusammen. Das bringt ab Rentenbeginn mit 67 Jahren rund 126 Euro extra. Bei privaten Vorsorgen oder der Rürup-Rente sind es nur rund 95 Euro, ergab eine Analyse von "Plusminus" aus dem Januar 2016.

Gute Nachrichten gibt es außerdem für die jetzigen Rentner und diejenige, die bald in den Ruhestand eintreten: Ab dem ersten Juli 2018 soll die Rente um rund drei Prozent steigen, so der aktuelle Rentenversicherungsbericht. Bis 2031 soll sie dann jährlich um durchschnittlich rund zwei Prozent steigen. Zusätzlich sank zu Jahresbeginn der Rentenbeitragssatz um einen Prozentpunkt – er liegt nun bei 18,6 Prozent.

Vor- und Nachteile auf einen Blick:
ProContra
+ 2 bis 3 Prozent Rendite- steuerpflichtig: Wer 2018 in Rente geht, versteuert einen Anteil von 76 Prozent, bis 2040 wird sie zu 100 Prozent steuerpflichtig.
+ aufstocken durch Extra- und Einmalzahlungen- abhängig von Politik (z.B. das Rentenalter)
+ Anspruch auf Erwerbsminderungsrente, Rehaleistungen, Witwen- oder Waisenrente- abhängig von der demografischen Entwicklung
+ geringe Verwaltungskosten- Abzüge für die Kranken- und Pflegeversicherung
+ Umlageverfahren, also nicht abhängig von Zinsen am Kapitalmarkt- weniger flexibel: Was einmal eingezahlt ist, ist eingezahlt.
+ regelmäßige Anpassung an die Löhne- kann nicht verkauft oder gekündigt werden
+ Rentenbeiträge lassen sich von der Steuer absetzen, werden aber nach und nach steuerfrei- das Rentenniveau sinkt

Nicht nur was für Pflichtversicherte

Rentner sitzt auf einer Bank, davor eine Gehhilfe

Rentner. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auf Antrag können sich auch diejenigen freiwillig versichern, die nicht pflichtversichert in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Der Mindestbetrag liegt dabei aktuell bei 83,70 Euro im Monat - der Höchstbetrag bei 1.209 Euro. Doch nur wenige nutzen diese Möglichkeit bisher: 2015 waren es rund 5.045 Personen.

Die zusätzliche Vorsorge ist eine Typfrage

Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten. Neben einer privaten Rentenversicherung können unter anderem Spar- und Auszahlplänen als Altersvorsorge dienen.

Weitere Möglichkeiten bieten Aktien und Fondsprodukte wie ETFs: Im Idealfall sorgt der Zinses-Zins-Effekt für eine stetige Erhöhung der Anlagesumme. Außerdem sind die Renditeaussichten gut: Am Aktienmarkt gilt die historische durchschnittliche Rendite von rund neun Prozent jährlich.

jz

Zwei Rentner-Figuren auf einer Bank auf Geldscheinen
Video

Der Rentenreport