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Geförderte Aktienanlage - aber wie? Überblick

Rentner-Figur sitzt auf Riester-Schriftzug aus Scrabble-Würfeln

Riester-Rente
Die Riester-Rente ist der Stein des Anstoßes für die derzeitige Debatte über private Altersvorsorge mit Aktien in Deutschland. „Riestern“ ist für die Bundesbürger offenbar nicht mehr attraktiv, die Zahl der abgeschlossenen Verträge stagniert, immer mehr davon „ruhen“, werden also nicht mehr bespart. Allein der Wohn-Riester verzeichnet noch Zuwächse. Die Nachteile wiegen schwer: Geringverdiener können sich Riester kaum leisten, die Renditen sind durch die hohen Kosten und die Kapitalgarantie niedrig, und nur die Versicherungswirtschaft verdient kräftig.

Geförderte Aktienanlage - aber wie? Überblick

Rentner-Figur sitzt auf Riester-Schriftzug aus Scrabble-Würfeln

Riester-Rente
Die Riester-Rente ist der Stein des Anstoßes für die derzeitige Debatte über private Altersvorsorge mit Aktien in Deutschland. „Riestern“ ist für die Bundesbürger offenbar nicht mehr attraktiv, die Zahl der abgeschlossenen Verträge stagniert, immer mehr davon „ruhen“, werden also nicht mehr bespart. Allein der Wohn-Riester verzeichnet noch Zuwächse. Die Nachteile wiegen schwer: Geringverdiener können sich Riester kaum leisten, die Renditen sind durch die hohen Kosten und die Kapitalgarantie niedrig, und nur die Versicherungswirtschaft verdient kräftig.

Friedrich Merz

Merz-Konzept
Friedrich Merz hat die staatlich geförderte Aktienanlage zum Thema in seinem Wahlkampf um den CDU-Vorsitz gemacht. Was schwebte Merz vor? Recht einfach seine Forderungen. „Denkbar wäre ein jährlicher Freibetrag, unter dem man einen auf Aktien basierten Spar- oder Vorsorgeplan aufbaut“, sagte Merz in einem Statement. Die Deutschen wüssten, dass die staatliche Rente bald nicht mehr als eine Grundsicherung sein könne, und müssten deshalb stärker selbst vorsorgen. Laut Merz müsste der Steuervorteil an den Zweck des Aktienpakets gekoppelt werden – nämlich die Alterssicherung. Laut seinen Berechnungen müsste dafür jährlich ein „kleiner einstelliger Milliardenbetrag“ von der öffentlichen Hand beigesteuert werden.

Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister

Vorsorgekonto
Koalitionspartner SPD ist in der Frage Aktien für die Altersvorsorge auch nicht stumm: Die parteinahe Friedrich-Ebert-Stiftung etwa fordert ein von der öffentlichen Hand organisiertes Standardprodukt, das allerdings nicht verpflichtend für die Bundesbürger ist. Zweiter vermeintlicher Schönheitsfehler: Wie bei Riester soll das eingezahlte Kapital garantiert sein. Immerhin soll bei dem Vorsorgekonto in kostengünstige Indexfonds investiert werden. Und nicht hauptsächlich die Versicherungswirtschaft, sondern die Sozialversicherungsträger sollen das Anlageprodukt betreiben.

Deutschlandfahne

Deutschlandrente
Viel Beifall von Experten gab es bereits im vergangenen Jahr für den Vorschlag einer "Deutschlandrente". Bei diesem Konzept der schwarz-grünen Regierung in Hessen würde jeder Bürger, der nicht aktiv widerspricht (Opt-out) in eine private Altersvorsorge einbezogen. Hier kann er zwischen "staatlich lizenzierten" Anlageprodukten auswählen, bei denen Aktien eine wichtige Rolle spielen sollen. Wer hier keine Auswahl trifft, erhält ein "Standardprodukt". Zentrale Forderung auch hier: Die Verantwortung für die Vorsorgeprodukte stärker in staatliche Hand verlagern und die Kosten dafür deutlich senken.

Landkarte von Norwegen

Norwegen: Ölfonds zur Aktienanlage
Ein Blick über den Tellerrand zeigt, wie stark und rentierlich die staatlich gelenkte Bürgervorsorge per Aktie betrieben werden kann. Der staatliche Pensionsfonds des Königreichs Norwegen ist der größte Staatsfonds der Welt (Stand Mai 2018). Das verwaltete Vermögen liegt bei rund 900 Milliarden Euro. Der Fonds investiert seit 1998 auch in Aktien und hat in den 20 Jahren seither im Schnitt eine höhere jährliche Rendite als der Dax erzielt. Aktien als Rücklage für die Altersvorsorge der Bürger – das funktioniert. Allerdings müssen sich die Norweger um die Finanzierung des Fonds keine Sorgen machen. Er verwendet die Öleinnahmen des Landes – zum Wohl der Bürger.

Schwedische Flagge

Schweden: Mehr Rendite, mehr Risiko
Anders die Situation im Nachbarland Schweden. Jeder Schwede zahlt als Teil der Altersvorsorge von seinen Rentenversicherungsbeiträgen grundsätzlich 2,5 Prozent seines Einkommens in Anlagefonds ein. Über achthundert staatlich zugelassene Fonds stehen dafür zur Auswahl, bis zu fünf können ausgewählt werden. Knapp ein Drittel aller Schweden tut das allerdings gar nicht, sondern zahlt stattdessen in einen staatlich verwalteten Fonds ein. Dieser Fonds agiert als Dachfonds. Er mischt riskantere Aktien- und vermeintlich sicherere Rentenfonds miteinander. Dabei wird die Mischung für jeden Einzahler individuell berechnet: Je älter die einzahlende Person ist, desto stärker verteilt der Fonds das Geld in Richtung der Rentenfonds, damit im Alter eine möglichst sichere Rücklage zur Verfügung steht.

Menschen gehen mit Einkaufstüten über eine amerikanische Flagge

USA: Aktie als Kernelement
In den USA gehört die Aktienanlage zur Alterssicherung zur Kultur und Mentalität. Zwei staatlich geförderte Programme sorgen dafür, dass rund 70 Prozent der US-Bürgen Aktien als zentralen Bestandteil ihrer privaten Vorsorge betrachten. Eines davon ist der 401(K)Plan, benannt nach einem Steuerparagrafen. Die private Rente gibt es ab 67 und nach zehn Jahren Einzahlung. Arbeitnehmer können steuerfrei bis zu 19.000 Dollar jährlich einzahlen. Die zweite Grundform nennt sich Individual Retirement Account (IRA), von der es elf Typen mit verschiedenen Fördervarianten und Konditionen gibt. Jeweils gleich ist dabei: Aus versteuertem Einkommen wird mit jährlichen Höchstgrenzen Vermögen gebildet. Kapitalerträge, Dividenden sowie Zinsen sind nach fünf Jahren steuerfrei.