Lebensversicherung

Schuld ist Zinsflaute am Kapitalmarkt Garantiezins für Lebensversicherungen dürfte weiter sinken

Stand: 10.12.2019, 10:05 Uhr

Kunden, die künftig eine Lebensversicherung abschließen wollen, müssen sich auf einen noch niedrigeren Garantiezins einstellen. Ab 2021 könnte der Höchstrechnungszins bei Neuverträgen deutlich niedriger ausfallen als bislang.

Hintergrund des Vorschlags der Versicherungsmathematiker der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) ist die anhaltende Zinsflaute am Kapitalmarkt. "Niedrigzinsen treffen alle Finanzprodukte - ob Fondssparer, Spareinlagen oder private Lebens- und Rentenversicherungen", sagte der DAV-Vorstandsvorsitzende Guido Bader der Deutschen Presse-Agentur. Die Verzinsung von Lebensversicherungen, des Altersvorsorgeklassikers, sei im Vergleich zu anderen Geldanlagen aber dennoch gut.

Noch ist nichts entschieden

Seit 2017 liegt der Garantiezins - auch Höchstrechnungszins genannt - für Lebensversicherungen bei 0,9 Prozent, die DAV schlägt dem Bundesfinanzministerium nun vor, "den Höchstrechnungszins ab 1. Januar 2021 für Neuverträge auf 0,5 Prozent festzulegen", erklärte Bader. Vor einiger Zeit noch lag der Garantiezins bei 4,00 Prozent. Die endgültige Entscheidung über die Zinssenkung trifft das Bundesfinanzministerium auf Grundlage der DAV-Berechnungen und Empfehlungen der BaFin.

Höchstrechnungzins ist obere Grenze

Versicherer dürfen weniger als den Höchstrechnungszins bieten, aber nicht mehr. Damit soll verhindert werden, dass sich die Unternehmen übernehmen. Sie sollen ihre Versprechen auch in Zukunft erfüllen können.

Der Garantiezins ist Teil der für Kunden wichtigen laufenden Verzinsung. Hinzu kommt die Überschussbeteiligung. Über deren Höhe entscheiden die Versicherer je nach Wirtschaftslage und Erfolg ihrer Anlagestrategie jedes Jahr neu. Auch diese sinkt wegen der Zinsflaute seit geraumer Zeit.

Für Versicherungen wird es schwerer

Den Versicherern fällt es zunehmend schwer, die hohen Zusagen der Vergangenheit zu erwirtschaften. Viele Unternehmen bieten mittlerweile Produkte ohne klassischen Garantiezins an. Sie setzen im Neugeschäft auf Verträge, die lediglich den Erhalt der eingezahlten Beiträge ganz oder teilweise zusagen. Dafür sollen sie eine etwas höhere Rendite abwerfen. "Grob geschätzt bietet noch etwa ein Drittel der Unternehmen klassische Produkte mit jährlicher Zinsgarantie in Höhe des Rechnungszinses an", sagte Bader. Der Höchstrechnungszins spiele allerdings für jedes Produkt eine Rolle, das eine feste Zusage enthalte.

Die ersten der rund 80 Lebensversicherer haben ihre Daten für 2020 veröffentlicht. So senkt unter anderem die Allianz Leben, die laufende Verzinsung. Das gilt auch für die Alte Leipziger und die Nürnberger Leben. Andere Versicherer wie Axa und die Ideal Lebensversicherung halten sie stabil. Die laufende Verzinsung bezieht sich auf den Sparanteil, den der Versicherer nach Abzug von Abschluss- und Verwaltungskosten sowie dem Beitrag für einen Todesfallschutz anlegt.

ms/dpa-AFX