Riester-Versicherungen

Riester-Versicherungen Garantiertes Minusgeschäft?

von von Andreas Braun

Stand: 19.07.2013, 16:05 Uhr

Die Riester-Rente erscheint sicher. Doch im Fall von Versicherungslösungen sollte der Riester-Sparer nicht mit üppigen Erträgen im Alter rechnen. Zu stark belasten die Kosten und die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt besonders diese Riester-Variante.

Geld Riesterrente Euroscheine Mogelpackung . | Montage: boerse.ARD.de, colourbox

Rund 70 Prozent aller Riester-Verträge, fast elf Millionen an der Zahl, basieren auf einer klassischen Versicherungs-Lösung. Seit dem Start der neuen Form der privaten Altersvorsorge wurden sie massiv von den Versicherungs-Konzernen beworben – mit durchschlagendem Erfolg bei den vorsorgewilligen Deutschen, die sich gegen die "Rentenlücke" im Alter oder sogar gegen Altersarmut wappnen wollten.

Ob sie ihre Riester-Rente wirklich genießen können, darf als äußerst strittig bezeichnet werden. Nach Ansicht der Stiftung Warentest und unabhängigen Verbraucherschützern haben die Versicherungs-Lösungen vielfältige Nachteile und nur wenige Vorteile.

Zu diesen Vorteilen zählt immerhin die Berechenbarkeit des Ergebnisses in Form einer Mindestverzinsung der Beiträge. In der Regel erhält der Kunde bereits bei Vertragsabschluss Angaben über die garantierte Rente, die aus den eigenen Beiträgen und den staatlichen Zulagen bei Rentenantritt erwächst. Dazu kommen im Idealfall mögliche Überschüsse, die der Versicherer während der Vertragslaufzeit erzielt. Die sind allerdings schon nicht mehr sicher und können von Vertrag zu Vertrag und Anbieter zu Anbieter ganz unterschiedlich ausfallen.

Hohe Kosten = niedrige Rente

Die Stiftung Warentest empfiehlt, bereits bei der garantierten Mindestrente zwischen "günstigen" und weniger vorteilhaften Anbietern zu unterscheiden. Denn wer eine geringere Rentenzusage macht, knappst umgekehrt mehr von den Beiträgen als Kosten ab. In einem umfangreichen Test, in dem Ende vergangenen Jahres 29 Angebote verglichen wurden, waren Kostenbelastungen von zehn Prozent der eigenen Beiträge keine Seltenheit, der Spitzenwert lag bei 16,5 Prozent. Dazu bedienen sich die Anbieter – ebenfalls unterschiedlich stark – bei den staatlichen Zulagen (154 Euro Grundzulage und 185 bis 300 Euro Kinderzulage jährlich).  

Ob der Riester-Rentner angesichts der Kosten von den Vorteilen der Zulagen überhaupt noch profitieren kann, hängt letztlich vom Lebensalter ab, das er erreicht. Die Sterbetafeln der Versicherer, die Kalkulationsgrundlage der Konzerne sind, gehen bei einer 1961 geborenen Frau mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von mehr als 96 Jahren aus. Erst danach müssen sie das finanzielle Risiko schultern. In aller Regel aber dürften sie mit "Sterblichkeits-Gewinnen" rechnen.

Kostspielige Startphase

Da die Kosten der Versicherungsverträge in den ersten Jahren der Vertragslaufzeit belastet werden, kann ein Vertragswechsel aus einer Riester-Versicherung ein unangenehmes Unterfangen werden. Der Altersvorsorge-Sparer muss dann Verluste in seinem Riester-Konto in Kauf nehmen.

Aber auch dieser Schmerz könnte sinnvoll sein, meint Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Er rät vor allem Kunden von fondsgebundenen Riester-Versicherungen dazu, zu wechseln oder den Vertrag beitragsfrei zu stellen. Welche Kosten dies verursachen kann, das sollte sich der Kunde schon vor dem Neuabschluss genau erläutern lassen. Derzeit kostet ein Vertragswechsel 50 bis 150 Euro an Wechselgebühren.

Kleine Zinsen mit großer Wirkung

Wer im Jahr 2013 noch an den Neu-Abschluss eines Riester-Versicherungsvertrages denkt, muss sich nicht zuletzt darüber im Klaren sein, dass er dies in der Phase historisch niedriger Zinsen tut. Der Garantiezins liegt derzeit nur noch bei 1,75 Prozent bei Lebensversicherungen. Vor elf Jahren, als die Riester-Rente ihren Start feierte, lag das Niveau noch bei 3,25 Prozent. Zusammen mit der Einführung der Unisex-Tarife im Jahr 2006 und neuer Sterbetafeln hat dies beispielsweise für einen Mann, der heute eine Riester-Versicherung abschließt gravierende Auswirkungen: Die garantierte Riester-Rente liegt heute nur noch bei gut der Hälfte des Niveaus von 2002, werden alle genannten Faktoren berücksichtigt.

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Kein Wunder also, dass die Zahl der Versicherungs-Verträge per Riester inzwischen rückläufig ist: Im ersten Quartal 2013 ging sie um 31.000 zurück, erstmals in der elfjährigen Riester-Geschichte.