Lebensversicherung
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Lebensversicherungen Was tun mit dem LV-Vertrag?

Stand: 19.10.2017, 16:25 Uhr

Vertrauen schafft das nicht, wenn der eigene Versicherer die langjährig angesparte Lebensversicherung an eine andere Gesellschaft verkauft. Was ändert sich, was ist zu tun? Und welche Möglichkeiten eines Ausstiegs gibt es generell?

Muss ich als Kunde handeln, wenn mein Vertrag verkauft wurde?

Nein, der Verkauf des Altvertrages durch den bisherigen Anbieter hat keine unmittelbaren Konsequenzen. Insbesondere unterliegt der Vertrag auch weiterhin der deutschen Versicherungsaufsicht BaFin, gegebene Garantien müssen auch weiterhin erfüllt werden.

Es ist allerdings ratsam, die Standmitteilungen des Vertrages nach einem Eigentümerwechsel besonders aufmerksam zu verfolgen, besonders die Entwicklung der Überschussreserve. Hier ist trotz der Aufsicht durch die BaFin noch nicht klar, ob ein neuer Käufer sich unter Umständen ein größeres Stück vom Kuchen abschneidet. Allerdings kann es auch sein, dass ein Vertrag besser abschneidet, weil die neuen Besitzer anders kalkulieren können.

Was ist, wenn man raus will aus dem Vertrag?

Wer aus dem Vertrag aussteigen will, muss sich darüber im Klaren sein, dass bei vorzeitiger Kündigung Verluste drohen. Dabei gibt es verschiedene Szenarien, die unabhängig von einem Eigentümerwechsel bestehen.

a: Rückgabe zum Rückkaufswert:

Der aktuelle Rückkaufswert wird in der Regel mit der jährlichen Standmeldung des Vertragsverlaufs ausgewiesen. Er liegt meist deutlich unter dem Wert der eingezahlten Beiträge. Dies, weil in der Kalkulation über die Gesamtlaufzeit des Vertrages insbesondere die Kosten der Versicherungsgesellschaft berücksichtigt werden. Enttäuschungen sind hier vorprogrammiert, vor allem bei Verträgen, die noch nicht so lange laufen.

b: Den Vertrag ruhen lassen

Eigentlich kein klassischer Ausstieg im Sinne von „Geld zurück“. Bei ruhenden Verträgen werden keine weiteren Prämien mehr eingezahlt. Verluste, die aus der vorzeitigen Auflösung zum Rückkaufswert entstehen, fallen nicht an. Der Vertrag ruht bis zum Laufzeitende, die jährliche Standmeldung weist die Entwicklung weiterhin aus.

c: Rückabwicklung des Vertrages

Bei einer solchen Rückabwicklung erhalten die Kunden nicht nur ihre eingezahlten Beiträge, sondern auch noch Zinsen zurück. Dies kommt für diejenigen in Betracht, die einen Vertrag zwischen dem 29. Juli 1994 und dem 31. Dezember 2007 abgeschlossen haben und dabei nicht frist- und formgerecht über den Inhalt des Vertrages aufgeklärt wurden.

Betroffene Sparer haben nach der Rechtsprechung des BGH in diesem Fall ein "lebenslanges Widerspruchsrecht", was bedeutet, dass der Vertrag komplett rückabgewickelt wird. Allerdings kann es sein, dass zur Durchsetzung der Ansprüche ein Anwalt benötigt wird. Gesellschaften reagieren unterschiedlich auf die Geltendmachung solcher Ansprüche.

Windige Vermittler, die angeblich kostenlos eine Rückabwicklung prüfen und dann an einen Anwalt vermitteln, sollte man allerdings meiden, warnten Hamburger Verbraucherschützer erst im Januar. Diese halten nämlich im Erfolgsfall kräftig die Hand auf. Verbraucherschützer bieten für 85 Euro eine seriöse Vertrags- und Belehrungsprüfung an.

Verträge mit hohen Garantierenditen, beispielsweise von 3,25 bis sogar 4,00 Prozent, sollte der Kunde erst einmal weiterlaufen lassen. Sie bieten in Anbetracht des derzeitigen Zinsniveaus eine weiterhin gute Anlageform - zumal sie auch im Fall des Eigentümerwechsels weiter von der BaFin beaufsichtigt werden.

rm