Eltern mit Baby packen Weihnachtsgeschenk aus
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Ein Aktien-Sparplan für kleine Investoren Das Last-Minute-Geschenk

Stand: 21.12.2017, 13:54 Uhr

Noch auf der Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk in letzter Minute für Ihre Kinder? Der Nachwuchs hat doch meist schon alles. Wie wäre es mit einem Aktien-Sparplan? Eine Investition für die Zukunft - und eine Chance, Kinder an die Welt der Finanzen heranzuführen.

Geld investieren ist nicht unbedingt ein Thema, auf das Kinder und Jugendliche fliegen. Und an der Schule kommt ökonomische Bildung oft zu kurz. Viele Eltern fragen sich daher, wie sie ihre Kinder am besten für Wirtschaft und Finanzen begeistern können, damit sie später selbst Verantwortung übernehmen können für ihre finanziellen Angelegenheiten. Eine Möglichkeit ist, ihnen Aktien zu schenken - mit kleinen Summen geht das über einen Aktien-Sparplan, sei es nun über einen Sparplan für Fonds, ETFs, Zertifikate, über die man in den breiten Aktienmarkt investiert oder über einen Sparplan für Einzelaktien.

"Was Hänschen nicht lernt, ..."

Es lohnt sich, früh anzufangen, getreu dem Motto "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr". Mit Aktien können Kinder ganz konkret an die Wirtschaftswelt herangeführt werden, vielleicht mit Aktien von Unternehmen, die sie aus ihrem Alltag kennen. Über einen Sparplan lernen sie zudem, dass regelmäßiges Sparen diszipliniert.

Früh anzufangen lohnt sich bei der Geldanlage am Aktienmarkt auch unter Rendite-Gesichtspunkten. Was gerade konservative Anleger gern hören werden: Mit einem langem Anlagehorizont sind Aktien alles andere als Zockerpapiere. Gerade in jungen Jahren bieten Aktien ein attraktives Risiko-Rendite-Verhältnis.

Kein Vergleich zu Anleihen

Sie schneiden deutlich besser ab als Anleihen. Je länger der Anlagehorizont, desto mehr werfen sie ab und desto geringer ist das Risiko. Die Rendite kann recht ansehnlich sein, wie etwa das Online-Magazin "Marketwatch" anhand der Finanzdaten von Factset vorrechnet. Demnach kam der amerikanische Aktienindex S&P 500 in den vergangenen 25 Jahren auf eine durchschnittliche jährliche Gesamtrendite von 9,7 Prozent - und das trotz Finanzkrisen und Bärenmärkten.

Auch das Deutsche Aktieninstitut DAI weist immer wieder darauf hin, dass Aktien bei der langfristigen Anlage ein viel größeres Gewicht haben sollten. "Von 1900 bis 2014 ist der Wert der Aktien deutscher Unternehmen um den Faktor 38 gestiegen", stellte das DAI im Rahmen einer Studie fest. Dies entspricht einer realen Durchschnittsrendite von 3,2 Prozent jährlich. Für ein weltweit diversifiziertes Aktienportfolio hat die Studie den Faktor 325 beziehungsweise eine Rendite von 5,2 Prozent pro Jahr errechnet.

Kleine Sparbeträge, große Wirkung

Sparpläne gibt es mit kleinen Beträgen, ab 25 Euro pro Monat. Manche Verträge können auch quartalsweise bespart werden. Dabei kommt mehr rum, als man denkt. Wer etwa 30 Jahre lang 100 Euro monatlich in den Aktienmarkt investiert, kann am Ende dieser Sparphase eine sechsstellige Summe sein eigen nennen, unterstellt man langjährige Wertsteigerungen bei Aktien von sieben Prozent jährlich (siehe Grafik).

Aktiensparen per Sparplan

Aktiensparen per Sparplan: Aus 100 Euro pro Monat werden in 30 Jahren knapp 118.000 Euro. | Bildquelle: Deutsches Institut für Altersvorsorge

Ganz nebenbei legen Sie so ein finanzielles Polster für anstehende künftige Ausgaben an, etwa für den Führerschein, die Ausbildung oder vielleicht auch für das spätere Eigenheim des Kindes.

Je länger, desto risikoärmer

Die Risiken sind dabei überschaubar, wie das DAI immer wieder betont. Zwar erwirtschaften bei einem Anlagezeitraum von einem Jahr lediglich 70 Prozent der Sparpläne einen positiven Ertrag - doch mit jedem Jahr mehr sieht es besser aus. Bei Anlagezeiträumen von 20 und mehr Jahren hatten alle Sparpläne auf den Dax eine positive Rendite.

Sparplan auf den Dax 30 - Historische Wahrscheinlichleit, dass ein nominaler Gewinn erwirtschaftet wird

Sparplan auf den Dax 30 - Historische Wahrscheinlichleit, dass ein nominaler Gewinn erwirtschaftet wird. | Bildquelle: Deka, DAI, Metzler, Union Investment, Grafik: boerse.ARD.de

Ein Sparplan bietet noch eine ganze Reihe von weiteren Vorteilen. Hervorzuheben ist hier der so genannte Cost-Average-Effekt, der die Rendite aufbessert. Das geschieht einfach dadurch, dass eine feste monatliche Summe angelegt wird. Es werden dadurch keine "ganzen" Aktien oder eine bestimmte Anzahl von Fondsanteilen gekauft, sondern Bruchteile des jeweiligen Produktes. Bei einem niedrigen Fonds- oder Aktienkurs werden automatisch mehr Anteile geordert, bei einem hohen Kurs entsprechend weniger Anteile. Das wirkt sich positiv auf den durchschnittlichen Kaufpreis aus - ist also gut für die Rendite. Daher ist ein Sparplan selbst für konservative Anleger eine sinnvolle Anlageform.

Niedrige Kosten, große Flexibilität

Ein weiterer Vorteil des Sparplans: Er ist sehr flexibel. Ein Sparplan kann jederzeit gestoppt und die Anteile können verkauft werden. Manche Anbieter gewähren auch die Möglichkeit, den Vertrag zeitweise auszusetzen, die Ratenhöhe herabzusetzen oder auch zu erhöhen. Neben den regelmäßigen Sparraten können häufig auch zusätzliche Beträge eingezahlt werden, zum Beispiel wenn Oma, Opa oder die Pateneltern zu Weihnachten oder zum Geburtstag etwas schenken wollen.

Für einen solchen Sparplan wird in der Regel zugleich ein Depot eröffnet. Bei einer Direktbank oder einem Online-Broker ist das meist günstiger als bei einer Filialbank. Es lohnt sich, über Ratgeber und Plattformen einen kostengünstigen Anbieter zu suchen. Relevantes Kriterium für die Wahl des geeigneten Finanzinstituts ist auch, wie viele Wertpapiere und welche der Broker oder die Bank für einen Sparplan überhaupt zur Auswahl stellt. Hat man einen bestimmten Fonds oder ETF im Auge, funktioniert das unter Umständen nur über ein bestimmtes Institut.

Testsieger von DISQ

Das in Hamburg ansässige Deutsche Institut für Service-Qualität, DISQ, hat diverse Sparpläne von Finanzinsitituten untersucht. Testsieger in der Kategorie Fonds-Sparplan wurde Wüstenrot direct. Die Direktbank verfügt über das mit Abstand größte Angebot an aktiv gemanagten Fonds ohne Ausgabeaufschlag. Rang eins im Bereich ETF-Sparplan belegt Flatex mit einem umfangreichen Angebot (rund 600 Produkte) und niedrigen Gebühren.

Generell sind Sparpläne auf Fonds und ETFs wegen der größeren Risikostreuung eher etwas für konservative Anleger. Und die Gebühren bei ETFs sind geringer als bei aktiv gemanagten Fonds.

Seltener gefragt, aber für risikobewusste Anleger durchaus interessant sind Sparpläne, mit denen direkt in Einzelaktien investiert werden kann. Auch diese hat DISQ unter die Lupe genommen. In dieser Kategorie errang die Consorsbank Platz eins, unter anderem aufgrund ihres großen Produktportfolios und wegen Sparraten schon ab 25 Euro. Generell muss man bei den Sparplänen auf Einzelaktien beachten: Hier ist das Risiko höher, die Auswahl der Wertpapiere wird anspruchsvoller.

Ein Minderjährigen-Depot?

Die Anlage des Sparplans und Eröffnung des Depots läuft meist recht unkompliziert. Bei einem Online-Broker können die Eröffnungsunterlagen zum Beispiel online ausgefüllt werden oder man lässt sie sich per Post zuschicken. Die Identität wird dann meist per PostIdent-Verfahren geprüft oder über eine Geschäftsstelle der Post.

Bleibt noch die Frage, ob man das Depot beziehungsweise den Sparplan selbst führt oder auf den Namen des Kindes. Sind die Großeltern oder Patenonkel und Patentante die Schenkenden, müssen in der Regel die Eltern des begünstigten Kindes dafür unterschreiben, und die Geburtsurkunde muss vorgelegt werden. Damit wird also nichts aus einem Überraschungsgeschenk.

Eltern wird oft geraten, das Konto im Namen des Kindes zu eröffnen. Das hat den Vorteil, dass Steuerfreibeträge für das Kind voll genutzt werden können. Was dagegen spricht: Man verliert die Verfügungsgewalt über das Geld. Das kann in mehrfacher Hinsicht problematisch sein. Etwa wenn das Kind das Geld mit 18 verpulvern will, die Eltern aber für die Ausbildung vorsorgen wollten. Es kommt hinzu: Sollte der Schenkende in finanzielle Not geraten und das Geld selbst abheben wollen, gilt das als Betrug und er müsste das Geld nachversteuern. Auch für den Jugendliche kann das Minderjährigen-Depot Nachteile bringen. Sollte er später Geld bei der Ausbildungsbeihilfe BaFög beantragen, werden seine Ersparnisse angerechnet. Das Konto müsste erst bis auf 5.200 Euro reduziert werden, bevor der Staat BaFög zahlt.

Schlaftabletten-Strategie?

Wie lange lässt man den Sparplan laufen? Geld anlegen und liegen lassen - die Kostolany-Schlaftabletten-Strategie ist generell zwar kein schlechter Ratschlag - nicht aber empfehlenswert bei einem Sparplan. Gerade wenn das Geld pünktlich zum 18. Geburtstag etwa für Führerschein oder Beginn des Studiums zur Verfügung stehen soll, ist das so eine Sache mit den Aktienkursen. Niemand weiß, ob die gute Aktienphase bis dahin anhält oder der Markt kurz vorher einbricht. Daher sollten Eltern spätestens, wenn ihr Nachwuchs 14 wird, die Kurse regelmäßig checken - und die Wertpapiere gegebenenfalls nach einer guten Aktienphase verkaufen, um das Ersparte auf einem Tagesgeldkonto zu sichern.

bs