Realzinsentwicklung Q1 2016 bis Q4 2018

Folge der Nullzinspolitik Deutsche Sparer 2018 mit Rekordverlust

Stand: 16.01.2019, 11:36 Uhr

Die anhaltende Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat die deutschen Sparer 2018 so hart getroffen wie nie zuvor, berichtet die Comdirect Bank. Laut Bundesbank ist das Geldvermögen der Deutschen dennoch weiter gestiegen.

Die deutschen Sparer haben 2018 insgesamt 38,9 Milliarden Euro durch niedrig verzinste Geldeinlagen verloren – das sind 470 Euro pro Bundesbürger. Allein im vierten Quartal dieses Jahres betrug der Wertverlust 11,2 Milliarden Euro. Zu diesen Ergebnissen kommt der quartalsweise erscheinende Comdirect Realzins-Radar, der gemeinsam mit Barkow Consulting ermittelt wird.

Der Grund für den Wertverlust sind Sparzinsen unterhalb der Inflationsrate. Bei einem Einlagenzins von durchschnittlich 0,19 Prozent und einer Inflationsrate von 1,93 Prozent betrug der sogenannte Realzins im abgelaufenen Jahr minus 1,74 Prozent. Der Realzins ist der tatsächliche Zins nach Abzug der Inflation – also der Zins, den die Sparer unter Berücksichtigung des Kaufkraftverlustes erzielen.

Hohes Minus im vierten Quartal

Warnschild mit fallenden Prozentzeichen

Fallende Zinsen. | Bildquelle: colourbox.de

Besonders hoch fiel der Realzins-Verlust im vierten Quartal aus. Hauptsächlich getrieben wurde dies durch eine im vierten Quartal auf 2,15 Prozent gestiegene Inflation. Bei einem Einlagenzins von 0,17 Prozent ergibt sich daraus ein Realzins von minus 1,98 Prozent – ein neuer Negativrekord.

"Die anhaltende Nullzinsphase und eine steigende Inflation führen zu einem schleichenden Wertverlust der Ersparnisse“, sagt Arno Walter, Vorstandschef der Comdirect Bank. Deutlich wird dies an einem Rechenbeispiel: Wer 10.000 Euro zu einem jährlichen Nominalzins von 0,17 Prozent anlegt, erhält nach zehn Jahren zwar 10.173 Euro.

Gravierender Wertverlust

Bei einer jährlichen Inflation von 2,15 Prozent wäre dieses Geld allerdings – nach heutiger Sicht – nur 8.010 Euro wert. "Das Fatale ist, dass die Sparer nicht sehen, wie ihr Erspartes an Geld verliert: Sie haben zwar mehr Geld auf ihrem Konto als vorher, aufgrund der Inflation können sie sich aber mit diesem Geld weniger leisten", sagt Walter.

Rotes Prozentzeichen mit Minzsvorzeichen

Negativzinsen. | Bildquelle: colourbox.de

Wie gravierend der Wertverlust ist, zeigt sich vor allem in der langfristigen Betrachtung: Seit Ende 2010 haben die deutschen Sparer dank Niedrigzins und Inflation bereits 113,3 Milliarden Euro verloren. Sparer sollten sich daher genau überlegen, welchen Teil sie kurzfristig verfügbar halten wollen, meint die Comdirect - und empfiehlt, den Rest in Wertpapiere zu investieren.

Vermögen von über sechs Billionen

Trotz der Zinsflaute und eines falschen Sparverhaltens sind die Deutschen in der Summe vermögender geworden. So ist das Geldvermögen der Privathaushalte im dritten Quartal 2018 erstmals über die Marke von 6,0 Billionen Euro gestiegen, wie die Bundesbank mitteilte. Gegenüber dem zweiten Quartal erhöhte sich die Summe um 76 Milliarden Euro auf den Rekordwert von 6.053 Milliarden Euro.

Dabei setzten die Deutschen vor allem auf Bargeld und Bankeinlagen, auf die sie schnell zugreifen können. Auch die Ansprüche gegenüber Versicherungen zur Altersvorsorge stiegen. Die Bundesbank berücksichtigt bei der Berechnung des Geldvermögens Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Ansprüche an Versicherungen - nicht jedoch Immobilien. Wie das Vermögen verteilt ist, geht aus den Daten nicht hervor.

lg