Hände einer alten Frau mit Einmachglas voller Geldscheine

Neue Studie der DZ Bank Deutsche sparen so viel wie seit 1992 nicht mehr

Stand: 20.04.2020, 15:17 Uhr

Die allgemeinen Ausgangsbeschränkungen sowie die wochenlang geschlossenen Geschäfte haben den privaten Konsum einbrechen lassen. Umso mehr dürften die Deutschen auf die hohe Kante legen, glauben die Experten der DZ Bank.

Zwar dürfte es vielen Haushalten wegen der coronabedingten Einkommensausfälle schwerer fallen, etwas Geld beiseite zu legen, doch gerade die Furcht vor einem Verlust des Arbeitsplatzes sowie die unsicheren Einkommensperspektiven dürften viele Menschen dazu animieren, mehr zu sparen als in der Zeit vor der Pandemie, heißt es in einer Studie der DZ Bank unter Führung von Volkswirt Michael Stappel.

Michael Stappel, Volkswirt der DZ Bank

Michael Stappel, Volkswirt der DZ Bank. | Bildquelle: DZ Bank

Die daraus resultierende Kaufzurückhaltung sei besonders bei langlebigen Gütern wie Autos zu beobachten. Hinzu kämen Konsumeinschränkungen durch den allgemeinen "Lockdown“, sowohl bei Urlaubsreisen, Restaurantbesuchen, Freizeitaktivitäten als auch beim Kauf von Kleidung. Weil sich viele dieser Gewohnheiten später nur zum Teil nachholen ließen, dürfte der private Konsum in Deutschland in diesem Jahr um 2,8 Prozent sinken, mutmaßt die DZ Bank.

Sparquote könnte auf 12,5 Prozent steigen

"Das ist der stärkste nominale Einbruch seit der Wiedervereinigung", so die Bank-Experten. Dass auch die Inflationsrate angesichts niedriger Ölpreise auf Nahe Null fallen dürfte, sei in der Krise nur ein schwacher Trost.

Vor allem durch den erwarteten Einbruch des privaten Konsums dürfte der Anteil der Ersparnis am verfügbaren Einkommen von 10,9 Prozent im letzten Jahr auf 12,5 Prozent in diesem Jahr steigen, schreibt die DZ Bank. Das wäre die höchste private Sparquote seit 1992. Mit der wirtschaftlichen Erholung dürften privater Konsum und die verfügbaren Einkommen im nächsten Jahr dann wieder spürbar wachsen und die Sparquote auf 11,3 Prozent sinken.

Geldvermögensaufbau gebremst

Trotz der historisch sehr hohen Sparquote erwarten die Experten, dass die Geldvermögen der privaten Haushalte in diesem Jahr nur um 2,1 Prozent auf rund 6,8 Billionen Euro wachsen werden. Grund sind die extrem niedrigen Zinsen und Wertverluste bei Aktien und Fonds.

Weniger Ausgaben in der Bauwirtschaft

Arbeiter auf einer Einfamilienhaus-Baustelle

Hausbau. | Bildquelle: colourbox.de

Ausbremsen werde die Pandemie auch die Investitionsbereitschaft der privaten Haushalte, prophezeit die DZ Bank. Das bekomme vor allem die Bauwirtschaft zu spüren. Weil sich auch die Planungs- und Genehmigungsverfahren verzögerten, würden bereits begonnene Bauprojekte in der Regel zwar zu Ende geführt. "Der Wohnungsbau dürfte sich jedoch spürbar verlangsamen, weil ausländische Fachkräfte fehlen und Lieferketten beim Baumaterial zum Teil unterbrochen sind", so die DZ Bank. Dementsprechend werde es weniger Kreditabrufe geben.

Die kräftig wachsende Ersparnis der privaten Haushalte komme in diesem Jahr vor allem der Geldvermögensbildung zugute, die um knapp 19 Milliarden Euro auf 293 Milliarden Euro steigen dürfte. Mit der wirtschaftlichen Erholung kehre sich das Bild dann im nächsten Jahr wieder um, so dass die Ersparnisse auf 278 Milliarden Euro schrumpfen dürften.

Erneute Flucht aus Aktien

Dass sich die Deutschen in der Krise vermehrt dem Aktiensparen zuwenden, glauben die Autoren der Studie nicht. Im Gegenteil, habe der jüngste Kurseinbruch an den Aktienmärkten eine erneute Flucht der Privathaushalte aus Aktien und Fonds zur Folge gehabt.

Auch wenn die gesunkenen Kurse vieler Unternehmen eigentlich Einstiegsperspektiven eröffneten, dürfte die Vermögensbildung in Form von Aktien und Investmentfonds in diesem Jahr negativ ausfallen, erwartet die Bank. Gleichzeitig sei der Erlös aus dem Verkauf der Papiere meist auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto gelandet und habe dort den Geldanlagestau vergrößert. Folglich müsse damit gerechnet werden, dass der Anteil von Sichteinlagen und Bargeld bis Ende des Jahres auf rund 30 Prozent des gesamten privaten Geldvermögens steige.

lg