Sparschwein
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Weltspartag als Mahnung Deutsche sparen mit Verlust

Stand: 30.10.2018, 06:45 Uhr

Im 94. Jahr seines Bestehens wirkt der Weltspartag immer weltfremder. Klassisches Sparen ist bei den derzeitigen Niedrigzinsen ein dramatisches Verlustgeschäft für eine ganze Sparergeneration. Doch den Deutschen fehlt der Mut und das Wissen, andere Wege einzuschlagen.

Als der Weltspartag 1924 vom Internationalen Sparkassenkongress eingeführt wurde, wollten die Verantwortlichen der Bevölkerung, aber auch der Politik einen Anstoß geben. Das Bewusstsein für die Bedeutung des Sparens für die Altersvorsorge, aber auch die Vorsorge für folgende Generationen sollte geweckt werden.

Ködern mit Kuscheltieren

Was ursprünglich eher eine pädagogische Maßnahme war, entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten eher zum Vermarktungsfeldzug für Finanzinstitute, die mit allerlei bunten Begrüßungsgeschenken vorwiegend junge Neukunden köderten. Auch anno 2018 rufen Volksbanken und Sparkassen wieder Kinder dazu auf, ihr Sparschwein zu schlachten und das Geld auf ein neu eröffnetes Sparkonto zu legen. Dafür gibt es zur Belohnung Buntstifte und Kuscheltiere.

Genau dorthin gehören die Spargroschen aber in unserer Zeit nicht mehr. Im derzeitigen Niedrigstzinsumfeld bedeutet klassisches Sparbuch-Sparen praktisch eine Selbstenteignung auf Zeit. Der "Anlageklassiker" der Sparkassen bietet derzeit eine jährliche Verzinsung von 0,01 Prozent. Im gleichen Jahr verliert der sauer verdiente Spargroschen des deutschen Sparers aber rund zwei Prozent an Kaufkraft. Der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes weist für September 2018 einen Anstieg der Verbraucherpreise um 2,3 Prozent aus. In Deutschland gibt es also durchaus wieder Inflation.

Millionen Sparbücher und Lebensversicherungen

Die Deutschen sind und bleiben dennoch fleißige Sparer mit Tendenz zu "konservativen" Sparformen mit Null- oder sogar Negativ-Rendite. Laut einer Studie der Commerzbank besitzen noch immer 45 Prozent der Bundesbürger eine Verlustmaschine namens Sparbuch. Auch in äußerst schwach rentierende Kapitallebensversicherungen fließen weitere Milliarden. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft werden alljährlich rund fünf Millionen Verträge neu abgeschlossen, insgesamt gibt es noch fast 84 Millionen Verträge in Deutschland, mehr als Einwohner.

Die Einstellung der Deutschen zum Thema Sparen und Vorsorge lässt weiterhin zu wünschen übrig, wie mehrere Untersuchungen zeigen. Angesichts der Nullzinsen haben viele Geringverdiener das Sparen komplett eingestellt, die Zahl der Sparer ist binnen eines Jahres von 80 auf 71 Prozent gesunken, wie der der Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) festgestellt hat.

Zu wenig Finanzbildung

Gleichzeitig ist das Bewusstsein, fürs Alter sparen zu müssen, bei den Deutschen weiterhin gering ausgeprägt. Während etwa laut der Unternehmensberatung Accenture mehr als 70 Prozent der Amerikaner, Australier oder Kanadier vor allem fürs Alter vorsorgen, tun dies nur 40 Prozent der Deutschen. Das Vertrauen in die gesetzliche Rente als wesentliches Alterseinkommen ist hierzulande immer noch weit verbreitet.

Zu denken gibt auch eine Untersuchung zur Spareinstellung der "Millennials", also der derzeit 20- bis 35-Jährigen: Sie orientieren sich beim Sparverhalten vor allem an ihren Eltern, haben Angst vor Altersarmut und besitzen nach eigenen Angaben nicht die nötige Finanzbildung, um ihr Geld sinnvoll anzulegen.

Ost-West- und Stadt-Land-Gefälle

Die Möglichkeiten, die der Kapitalmarkt für Sparer bietet, werden also weiterhin nur von einer Minderheit der Deutschen genutzt. Die Zahl der Besitzer von Aktien oder Aktienfonds liegt weiterhin unter zehn Millionen. Regional gibt es dabei eklatante Unterschiede: Während im Westen rund 15 Prozent der Bevölkerung Investmentfonds nutzen, tun dies in den Ostbundesländern (inklusive Berlin) nur 1,6 Prozent, wie eine Umfrage der Comdirect zeigt. Sowohl im Westen wie im Osten gibt es dazu noch ein drastisches Stadt-Land-Gefälle. Millionen Deutsche sparen also weiterhin fleißig, aber nur wenige von ihnen legen ihr Geld rentierlich an (s.a. unsere Übersicht: Sparen, aber richtig).

AB

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Sparen, aber richtig Überblick

Einhundert-Euro-Schein

Tages- und Festgeld
Bei Leitzinsen im Euro-Raum hart an der Nulllinie sind Verzinsungen auch auf Tages- oder Festgeldkonten naturgemäß kärglich. Wer einschlägige Vergleichsportale nutzt, stößt aber immer wieder auf zeitlich befristete Angebote, die zum Teil nur bis zu gewissen Einlagesummen oder auch nur für Neukunden erkleckliche Verzinsungen um ein Prozent ermöglichen. Festzinsangebote über mehrere Jahre sollte man meiden. Ebenso wie Anbieter ohne oder mit geringer Einlagensicherung.