Aktien zeichnen

Aktienanteil im Portfolio mehr als verdoppelt Deutsche Anleger sind risikobereiter geworden

Stand: 19.10.2018, 11:59 Uhr

Man könnte glatt von einer kleinen Revolution sprechen: Bisher war das Verhältnis der Deutschen zum Aktienmarkt eher schwierig. Mittlerweile besteht das Portfolio deutscher Investoren zu fast einem Drittel aus Aktien, zeigt eine aktuelle Umfrage des Fondshauses Legg Mason.

Rund 1.000 Anleger wurden in Deutschland für die Studie "Global Investment Survey 2018" befragt. Die Ergebnisse überraschen: Die Deutschen entdecken Aktien. 27 Prozent ihres Portfolios haben die sonst so konservativen Anleger in Aktien gesteckt - im vergangenen Jahr ergab die Umfrage lediglich eine Aktienquote von knapp zehn Prozent. Damit liegt die Anlage in Aktien auf Rang zwei in der Portfoliozusammenstellung.

Bargeldbestand von Anlegern reduziert

Besonders beliebt bei allen Deutschen nach wie vor: Das Horten von Bargeld oder das niedrig bis gar nicht verzinste Parken auf Giro- und Tagesgeldkonten. Ende Juni steckten 2.371 Milliarden Euro in Bargeld und Bankeinlagen, teilte die Deutsche Bundesbank in dieser Woche mit - das sind fast 40 Prozent des gesamten Geldvermögens der Privathaushalte in Europas größter Volkswirtschaft.

"Unsere diesjährige Global Investment Survey zeigt deutlich, dass sich deutsche Anleger verstärkt den Chancen des Aktienmarkts öffnen. Das uns natürlich, auch wenn die immer noch hohen Cash-Bestände ein gewisser Wermutstropfen sind. Hier wird de facto kontinuierlich Geld verloren", sagte Stephan Bannier, Deutschland-Chef von Legg Mason.

Vergleich Portfoliozusammenstellung deutscher Anleger 2017, 2018

Vergleich Portfoliozusammenstellung deutscher Anleger. | Bildquelle: Global Investment Survey 2018, Legg Mason, Grafik: boerse.ARD.de

Auch in der Rangliste der deutschen Anleger liegt die Bargeldhaltung auf Platz eins. Zwar halten deutsche Investoren immer noch knapp 28 Prozent Cash, 2017 waren es aber noch zehn Prozentpunkte mehr. Immobilien und Immobilienfonds belegen mit 16 Prozent fast unverändert den dritten Rang.

Ältere Anleger mutiger

Besonders auf Aktien setzen vor allem ältere Anleger ab 71 Jahren. Sie haben mit einer Quote von 37 Prozent den höchsten Aktienanteil im Portfolio. Durchaus überraschend, dass bei den Millennials, auch Generation Y genannt, der Anteil lediglich bei 21 Prozent liegt - trotz des viel längeren Anlagehorizonts.

Finanzberater sorgen laut der Umfrage für weniger Risikobereitschaft in Bezug auf Aktien. Wer bei der Zusammenstellung seines Portfolios auf einen Berater setzt, investiert knapp ein Viertel in Aktien. Anleger, die auf eigene Faust agieren, haben dagegen im Schnitt eine Aktienquote von 36 Prozent.

Aktienrally noch nicht vorbei?

Ein Großteil der Befragten prophezeit den Aktienmärkten eine rosige Zukunft. 39 Prozent der deutschen Anleger sehen dabei die größten Chancen an den internationalen Märkten, aber auch der heimische Aktienmarkt werde in den nächsten zwölf Monaten gute Chancen haben (27 Prozent). Insgesamt fühlen sich die Deutschen mit ihren Investitionsentscheidungen wohl und sind für das kommende Jahr "sehr zuversichtlich" (17 Prozent) oder "ziemlich zuversichtlich" (45 Prozent).

Vorurteile gegenüber Aktien

Im März hatte bereits die "Aktion pro Aktie", hinter der die Direktbanken Comdirect, Consorsbank und ING-DiBa stehen, bei den Deutschen nachgefragt, wie sie es mit Aktien halten.

Dabei hatten 48 Prozent der befragten 2.000 Teilnehmer Aktien als "Spekulationsobjekt" bezeichnet, 14 Prozent als "Zockerpapier", sieben Prozent als "Anlage ohne konkreten Wert dahinter" und zwei Prozent "Urkunde, die man sich an die Wand hängt". Zwölf Prozent hatten die Aussage getroffen, Aktien seien ein "Kredit, den man einem Unternehmen gibt".

tb