Stempel mit Minuszinsen-Schriftzug

Kunden mit hohen Einlagen betroffen Commerzbank führt Strafzinsen ein

Stand: 07.11.2019, 11:40 Uhr

Wegen der ultralockeren Geldpolitik der EZB brechen immer mehr Banken das letzte Tabu: Strafzinsen. Nach mehreren Volks- und Raiffeisenbanken erhebt nun auch die Commerzbank Minuszinsen - für vermögende Kunden.

Deutschlands zweitgrößte Privatbank verlangt von immer mehr Kunden Strafzinsen. "Wir haben zahlreiche Privatkunden angesprochen", sagte Finanzchef Stephan Engels am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Man beginne jetzt, Maßnahmen umzusetzen. "Das Potenzial ist sehr groß." Bislang habe die Commerzbank so gut wie keinem Privatkunden Strafzinsen in Rechnung gestellt. "Wir fangen jetzt mit Kunden mit hohen Einlagen an." Engels ließ offen, ab welcher Einlagenhöhe Strafzinsen gelten sollen. Einfache Sparer würden weiter verschont.

Bei Firmenkunden erhebt die Commerzbank ab einer bestimmten Einlagenhöhe bereits seit langem Strafzinsen und passt diese nun an die gesunkenen Zinsen an. "Wir überprüfen auch die Freibeträge", sagte Engels. Zudem wolle die Commerzbank mit Preiserhöhungen und einer Anpassung des Produktangebots einem zu hohen Zufluss von Einlagen entgegenwirken.

Schon über 130 Banken verlangen Negativzinsen

In jüngster Zeit hat es eine Welle von Banken gegeben, die Negativzinsen einführten oder erwägen. So verlangt die Berliner Volksbank bei Neukunden schon ab Einlagen von 100.000 Euro einen Strafzins von 0,5 Prozent. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete unter Hinweis auf Erhebungen des Internetportals Biallo, dass es mittlerweile 134 Banken und Sparkassen in Deutschland gebe, die in irgendeiner Form Negativzinsen erheben. 40 von den Instituten tun dies auch bei Privatkunden.

Selbst die Deutsche Bank hat ihre Privatkunden auf mögliche Negativzinsen vorbereitet. Zwar erklärte Konzernvize Karl von Rohr gestern bei einer Konferenz, dass Deutschlands größtes Geldhaus die Kosten für negative Zinsen nicht an durchschnittliche Privatkunden weitergebe. Aber die Frage sei für sehr vermögende Privatkunden relevant. Fragt sich nur, ab wann ein Deutscher-Bank-Kunde als sehr vermögend gilt.

Weitere Geldinstitute werden folgen

Vermögensverwalter Bert Flossbach rechnet damit, dass künftig viele Banken nicht mehr um Negativzinsen herumkommen. "Wir stehen vor einem Permafrost beim Zins", warnte er unlängst. Das heißt: Der Zins ist tot. Das von einigen Politikern geforderte gesetzliche Verbot für die Erhebung von Negativzinsen für Privatkunden hält Flossbach für aberwitzig. Denn gerade die Bundesregierung profitiere bei der Ausgabe von neuen Anleihen von den Negativzinsen massiv.

Seit 2014 müssen Geldinstitute Strafzinsen zahlen, wenn sie Gelder bei der Europäische Zentralbank (EZB) parken. Diesen sogenannten Einlagesatz hatte die EZB zuletzt auf minus 0,5 Prozent gesenkt, zugleich aber einen Teil der Einlagen von dem Strafzins ausgenommen. Doch die Entlastung durch diesen Staffelzins sei geringer als die Belastung durch die niedrigeren Zinsen, sagte Engels. Da kein Ende der lockeren Geldpolitik der EZB absehbar ist, sind die Marktzinsen in den vergangenen Monaten weiter unter Druck geraten.

nb