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DAI-Studie Braucht Deutschland eine Altersvorsorge mit Aktien?

von Notker Blechner

Stand: 26.06.2019, 15:52 Uhr

Experten schlagen Alarm: Für künftige Rentner wird die gesetzliche Rente nicht mehr reichen, den Lebensstandard zu halten. Eine kapitalgedeckte Altersvorsorge könnte hier helfen. Eine Studie zeigt, was Deutschland von anderen Ländern lernen kann.

In Schweden lebt's sich in hohem Alter relativ gut - dank Aktienerträgen. Die kapitalgedeckte Altersvorsorge sorgt dafür, dass den Rentnern mehr Geld zur Verfügung steht. In den vergangenen zehn Jahren hat die dortige Aktienorientierung in der Altersvorsorge dazu beigetragen, dass das Geldvermögen um gut 80 Prozent gestiegen ist. Denn die Ersparnisse wurden im Rahmen der Altersvorsorge vor allem in Aktien angelegt und warfen überdurchschnittlich hohe Erträge ab.

Vorbild Schweden?

Schwedische Flagge

Schwedische Flagge. | Bildquelle: colourbox.de

Der Anteil von Aktien in der Standard-Prämienrente (AP7 Safa) liegt bei 92 Prozent. Die hohe Aktienquote hat den schwedischen Rentnern nicht geschadet. Im Gegenteil: Die ausgezahlten Renten sanken bisher noch nie unter die eingezahlten Beiträge - selbst in der Finanzkrise 2008 nicht.

Was in Schweden klappt, könnte eines Tages auch in Deutschland möglich sein. Darauf hofft das Deutsche Aktieninstitut (DAI), das für die Förderung der Aktie eintritt. Der Interessenverband der Akteure am deutschen Kapitalmarkt hat am Mittwoch eine Studie veröffentlicht, die zeigt, wie im Ausland Altersvorsorge mit Aktien funktioniert und was Deutschland von diesen Ländern lernen kann.

Deutschland hinkt bei der kapitalgedeckten Vorsorge hinterher

Ob in Großbritannien, Kanada, Australien, Schweden, Dänemark, den USA, den Niederlanden oder der Schweiz - "Aktien sind dort fest etablierter und politisch geförderter Bestandteil der Altersvorsorge", sagt Christine Bortenlänger, Chefin des Aktieninstituts. Sie setzen viel stärker als Deutschland auf eine Kapitaldeckung mit Aktien, das so genannte Ansparverfahren. Während in Deutschland nur 25 Prozent der Rendite über das Ansparverfahren finanziert wird, liegt es in Dänemark bei 83 Prozent, in den Niederlanden bei 70 Prozent und in Großbritannien bei 58 Prozent. In Australien macht das Ansparverfahren sogar 100 Prozent aus.

Zusammensetzung der Bruttorente eines Durchschnittsverdieners. | Bildquelle: OECE, DAI, Grafki: boerse.ARD.de

"Andere Länder haben vorgemacht, wie man mit Aktien die Altersvorsorge zukunftsfest machen kann", sagt Bortenlänger. Sie erzielen damit Erträge von bis zu zehn Prozent jährlich.

Das deutsche Rentensystem verlässt sich bisher vor allem auf das Umlageverfahren. Das heißt: Die Last der Alterssicherung ruht mehr als in anderen Ländern auf der gesetzlichen Rentenversicherung. Dieses System stößt aber immer mehr an seine Grenzen. Spätestens der Renteneintritt der "Baby Boomer" nach 2030 wird das gesetzliche Rentensystem überfordern, prophezeit das Aktieninstitut in seiner Studie. Das Rentenniveau werde kontinuierlich sinken, während die Beiträge weiter steigen.

Vermögen im Ansparverfahren des BIP

Vermögen im Ansparverfahren des BIP. | Bildquelle: OECE, DAI, Grafik: boerse.ARD.de

DAI empfiehlt deutsches Ansparverfahren mit Opt-Out

Christine Bortenlänger

Christine Bortenlänger, DAI. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Als Möglichkeit, die Rentenlücke zu schließen, sieht das Aktieninstitut die verstärkte Kapitaldeckung in der Altersvorsorge. "Um das Potenzial von Aktien auch für zukünftige Rentnergenerationen auszuschöpfen, muss Deutschland zeitnah ein Ansparverfahren mit Aktien einführen", fordert Aktien-Lobbyistin Bortenlänger. Sie verweist auf die OECD, die in ihrem Pensions Outlook 2018 eine ausgewogene Mischung aus Anspar- und Umlageverfahren empfiehlt.

Bei der Länder-Analyse der haben die Autoren der Studie festgestellt, dass diejenigen Altersvorsorge-Modelle am besten funktionierten, die auf Kapitalgarantien verzichteten und die auf Freiwilligkeit (Opt-Out) beruhten. Folglich befürwortet das Deutsche Aktieninstitut hierzulande eine kapitalgedeckte Altersvorsorge, das einer Opt-Out-Regelung und eine kostengünstige privatwirtschaftlich organisierte Standardlösung enthalten soll. Der Opt-Out stelle sicher, dass die Einbezogenen der Teilnahme widersprechen können. Zudem gewährleiste eine Standardlösung bei den Arbeitnehmern eine hohe Akzeptanz des Ansparverfahrens.