Wohn-Riester

Ein Mann mauert

Wohn-Riester Bauen auf Riester?

von Andreas Braun

Stand: 20.09.2013, 16:15 Uhr

Die staatlich geförderte Altersvorsorge kann statt in eine Zusatzrente auch ins Eigenheim fließen. Wohn-Riester-Verträge finden derzeit reißenden Absatz, die Vorteile sind indes schwer zu ermitteln.

Der Wunsch nach eigenen vier Wänden ist bei den Bundesbürgern größer denn je. Steigende Mieten und niedrige Bauzinsen machen das Häuschen oder die Eigentums-Wohnung scheinbar überaus attraktiv. Kletternde Immobilienpreise vor allem in Ballungsräumen sind die Folge.

Wohn-Riester mit viel Zulauf

Für Altersvorsorge-Sparer hat der Gesetzgeber mit einiger Verspätung eine Riester-Variante eingeführt, die Sparen in den selbstgenutzten Wohnraum unterstützt: Erst seit 2008 ist der "Wohn-Riester" im Angebot. Und rettet inzwischen die Bilanz der Riester-Verträge insgesamt. Während die Versicherungs- und Fonds-Lösungen weniger gefragt sind, stieg die Zahl der Wohn-Riester-Verträge bis zum ersten Quartal 2013 nach Angaben des Bundessozialministeriums um 26.000 auf 979.000. Allein die Zahl der kostengünstigen Riester-Banksparpläne konnte in diesem Zeitraum noch zulegen – um 14.000 auf 795.000. Insgesamt verliert Riester als Vorsorge-Konzept inzwischen an Zulauf. Im genannten Zeitraum sank die Zahl der Verträge erstmals seit Bestehen des Systems um 27.000 auf 15,65 Millionen.

Grund- und Kinderzulage

Für Wohn-Riester gelten dieselben Grundvoraussetzungen wie für die anderen Spielarten der geförderten Vorsorge: Um in den Genuss der vollen Förderung zu kommen, müssen mindestens vier Prozent des Bruttoeinkommens in den Riester-Vertrag gesteckt werden – maximal 2.100 jährlich.

Die Zulagen sind – wie üblich – 154 Euro jährlich als Grundzulage und 185 beziehungsweise 300 Euro (für nach 2007 Geborene) Kinderzulage. Die Vorsorgebeiträge können zusätzlich steuerlich geltend gemacht werden.

Bauspar-Vertrag oder Darlehen

Im Fall der Wohn-Riester-Verträge werden diese Beträge aber nicht per Versicherung, Fonds- oder Banksparplan auf die hohe Kante gelegt, sondern gespart, um die eigene Immobilie zu finanzieren und zu entschulden. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Varianten: Zum einen ein riester-gefördertes Immobilien-Darlehen, bei dem die staatlichen Zulagen in Zins und Tilgung fließen. Zum anderen eine Bausparvariante, bei der zunächst riester-gefördert gespart und dann nach der Zuteilung einer Bausparsumme ein Darlehen abgetragen wird, gleichfalls unter Einsatz der Riester-Zulagen (s. dazu unsere Übersicht: Drei Riester-Wege ins Eigenheim).

Im Alter droht der Fiskus

Im Unterschied zur üblichen Riester-Ansparstrategie gilt hier die selbst bewohnte Immobilie als das Ziel der Förderung, nicht eine private Zusatzrente. Auch wenn die Zulagen ins Eigenheim fließen, entbindet das den Sparer per Wohn-Riester nicht von der Versteuerung im Alter. Zwar erhält er keine Riester-Rente, die zu versteuern wäre, die Sparleistungen, Zulagen und Tilgungen werden aber auf einem "Wohnförder-Konto" verbucht, das bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvorsorge eingerichtet wird. Die Sparraten werden dort "fiktiv" eingebucht und mit zwei Prozent jährlich verzinst.

Beim Rentenantritt wird diese Summe dann mit dem persönlichen Steuersatz belastet, genau wie bei einer realen Riester-Rente, die durch das Besparen von Fonds, Versicherungs-Verträgen oder Bankguthaben geschieht. Genau wie dort kann auch der "Wohn-Riester-Rentner" seine Steuerschuld mit einem Nachlass von 30 Prozent auf einen Schlag begleichen oder er tilgt die Summe bis spätestens zum 85. Lebensjahr. Seit kurzem ist es auch möglich, zunächst regulär zu versteuern und dann zu einem späteren Zeitpunkt eine Komplettzahlung zu leisten.

Nicht zuletzt der vergleichsweise hohe Zinssatz auf die Sparbeträge im Wohnförder-Konto hat dem Wohn-Riester auch Kritik eingebracht.