Vorsorge-Schriftzug auf Euro-Scheinen und-Münzen

Vorsorgemodelle Aktienkauf mit staatlichem Segen

von Andreas Braun

Stand: 25.01.2019, 16:17 Uhr

Die Deutschen sparen zu renditearm - und sorgen zu wenig mit Aktien vor. Darin sind sich die meisten Experten und Politiker einig. Wie der Weg zur einer aktienlastigeren Altersvorsorge allerdings in Deutschland ausfallen kann, darüber herrscht weiterhin eine sehr vertraute Uneinigkeit.

Die Diskussion, die Friedrich Merz als Kandidat für den CDU-Vorsitz vor wenigen Wochen wiederbelebt hat, zeigt es: Sparen und Vorsorgen mit dem "Spekulationsinstrument" Aktie ist hierzulande immer noch verpönt, in weiten Teilen der Bevölkerung, aber auch der politisch Verantwortlichen. Merz jedenfalls hatte mit seinem Vorschlag einer staatlich geförderten Altersvorsorge per Aktie einen schweren Stand, nicht zuletzt deshalb, weil er als Aufsichtsrat des US-Vermögensverwalters BlackRock in Deutschland vielfach als Teil des Finanz-Establishments gesehen wurde.

"Deutschlandrente" als Vorstoß

Dabei ziehen sich Konzepte zur rentierlicheren Anlage der Bundesbürger fürs Alter längst durch die meisten Parteien. Im vergangenen Jahr gab es unter dem Titel "Deutschlandrente" gar eine schwarz-grüne Konzept-Koalition, bei der Aktien als Mittel der Altersvorsorge ausdrücklich gefordert wurden. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek al Wazir (Grüne) stellte eine entsprechende Forderung demonstrativ an der Seite seines Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) in den Raum.

In der schwarz-roten großen Koalition wurde vor allem das dabei geforderte "zwangsweise" staatliche Vorsorgeprodukt mit Aktien kritisch gesehen. In ihren Koalitionsvertrag haben die Regierenden immerhin den Passus aufgenommen, dass man "die private Altersvorsorge weiterentwickeln und gerechter gestalten" will. Dazu solle ein "Dialogprozess mit der Versicherungswirtschaft" angestoßen werden, um ein "standardisiertes Riester-Produkt" zu schaffen.

Mehr Risiko, weniger Kosten

An den Problemen, die die Riester-Förderung mit sich bringt, dürfte diese eher schwammige Absichtsbekundung freilich wenig ändern: Viel zu wenige Bundesbürger nutzen die Riester-Förderung überhaupt, die Versicherungswirtschaft verdient an den zumeist renditeschwachen Produkten (zu) gut; und der bei Riester verpflichtende Erhalt der eingezahlten Beiträge zum Rentenantritt lässt größere und längere Engagements im Aktienmarkt nicht zu.

Ein aktuelles Gutachten der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung versucht, das Riester-Konzept mit einigen Änderungen attraktiver zu machen. So soll eine aktienbasierte staatliche Vorsorge als Angebot der Sozialversicherung, und nicht der privaten Versicherungswirtschaft etabliert werden. Kosten sollen durch den Einsatz von Indexfonds (ETFs) gering gehalten werden (s. auch unser Überblick: Gefördertes Aktiensparen - aber wie?).

Aktionäre als Paradiesvögel

Bis zu einer Aktienkultur in deutschen Parteien und in der Bevölkerung bleibt es aber ein weiter Weg, das beklagt etwa auch regelmäßig das Deutsche Aktieninstitut. Das Verbandsorgan wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass 84 Prozent der Bundesbürger keine Aktien im Depot haben - und dass viele Deutsche gar nicht um die Renditechancen der Aktie wissen.

Der Blick über den Tellerrand zeigt, dass aktienbasierte Altersvorsorge, die staatlich angeleitet wird, durchaus funktioniert. In den USA, aber auch in europäischen Ländern wie Schweden sorgt eine entsprechende Förderung für erheblich höhere Aktionärsquoten in der Bevölkerung, und auch für eine bessere Rendite der Vorsorge-Sparbeträge.

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Geförderte Aktienanlage - aber wie? Überblick

Rentner-Figur sitzt auf Riester-Schriftzug aus Scrabble-Würfeln

Riester-Rente
Die Riester-Rente ist der Stein des Anstoßes für die derzeitige Debatte über private Altersvorsorge mit Aktien in Deutschland. „Riestern“ ist für die Bundesbürger offenbar nicht mehr attraktiv, die Zahl der abgeschlossenen Verträge stagniert, immer mehr davon „ruhen“, werden also nicht mehr bespart. Allein der Wohn-Riester verzeichnet noch Zuwächse. Die Nachteile wiegen schwer: Geringverdiener können sich Riester kaum leisten, die Renditen sind durch die hohen Kosten und die Kapitalgarantie niedrig, und nur die Versicherungswirtschaft verdient kräftig.