Die Abgeltungssteuer wird abgeschafft Video

Was eine neuerliche Groko für Sparer bedeutet Abgeltungssteuer wird abgeschafft

Stand: 08.02.2018, 11:56 Uhr

Es ist nur ein kurzer Satz auf Seite 69 des Koalitionsvertrages - aber er hat es in sich, sollte er tatsächlich so umgesetzt werden. Denn er wird vielen Sparern saftige Steuererhöhungen bescheren.

Wer gehofft hatte mit der neuen GroKo werde der ohnehin geschröpfte Mittelstand endlich steuerlich entlastet, dürfte die Lektüre des Koalitionsvertrags bitter enttäuschen. Denn statt der Entlastung deutet Vieles auf eine weitere Belastung hin. Vor allem Sparer müssen sich auf höhere Abgaben einstellen. Dabei haben die Politiker ihre Ankündigung freundlich verpackt.

"Die Abgeltungsteuer auf Zinserträge wird mit der Etablierung des automatischen Informationsaustausches abgeschafft", und weiter "Umgehungstatbestände werden wir verhindern". Was zunächst ganz harmlos klingt, hat es in sich.

Mehrbelastung befürchtet

Bedeutet doch die Abschaffung der Abgeltungssteuer, dass Zinseinkünfte demnächst wieder dem Einkommensteuersatz unterliegen. Und der ist in der Regel höher als die pauschal auf 25 Prozent begrenzte Abgeltungssteuer, die seit 2009 auf alle Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden oder Kursgewinne gezahlt werden müssen.

Geld zählen

Dividende. | Bildquelle: colourbox.de

Die Politik befürchtete damals, dass Anleger Kapital aus Deutschland abziehen könnten, wenn die steuerliche Belastung im Vergleich zum Ausland zu hoch wäre. Aus dieser Zeit stammt auch die Aussage des damaligen SPD-Finanzministers Peer Steinbrück: "Besser 25 Prozent von x als 42 Prozent von nix.“ Inzwischen haben viele Staaten jedoch einen automatischen Austausch von Steuerdaten vereinbart. Damit ist es schwieriger geworden, Kapitaleinkünfte im Ausland zu verstecken.

Private Vorsorge bestraft

Betroffen vom möglichen Wegfall der Abgeltungssteuer sind vor allem die traditionellen Sparer. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die Freibeträge von 801 Euro für Ledige und 1.602 Euro für Verheiratete offenbar weiter bestehen sollen. Zumindest werden sie im Koaltionsvertrag nicht erwähnt - was auf einen Fortbestand hindeutet.

Die Krux ist allerdings, dass im Fall steigender Zinsen - der ja gerade in Deutschland immer wieder gefordert wird, gerade die zahlreichen Zinssparer mit einer höheren Besteuerung rechnen müssen. Bestraft wird also die private Vorsorge der breiten deutschen Mittelschicht. Denn die hält trotz extrem niedriger Zinsen an ihrem alten Sparverhalten fest und weigert sich standhaft, zumindest einen Teil des Geldvermögens am Kapitalmarkt anzulegen.

Modellfiguren von Anlegern stehen auf Zeitungen und Listen mit Aktienkursen

Aktionäre. | Bildquelle: colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Dividenden sind ausgenommen

Dabei sind gerade Aktienanleger von der Abschaffung der Abgeltungssteuer ausgenommen. Denn Dividenden sind Kapitalerträge und keine Zinsen. Die von Fachleuten befürchtete Doppelbesteuerung von Zinserträgen und Dividenden wird es also nicht geben.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es auch für die Zinssparer: die Steuerbeamten weisen schon seit Monaten darauf hin, dass die Besteuerung wieder so kompliziert werde wie früher – ohne damit wesentlich mehr Einnahmen zu generieren. Somit stehen die Chancen gut, dass die Abschaffung der Abgeltungsteuer vor allem Symbolcharakter haben wird.

lg

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