Fonds-Kaufvertrag

Fondsbesteuerung: Böse Überraschung zu Jahresbeginn Was Anleger über die Vorabpauschale wissen müssen

Stand: 20.12.2018, 14:24 Uhr

Nach Silvester könnten viele Fondsanleger beim Blick auf ihr Depot verwundert reagieren - denn das Finanzamt hat mal wieder angeklopft. Ab Anfang Januar greift erstmals die neue Vorabpauschale. Wir klären, welche Anleger sich vor der Steuer fürchten müssen, was für Kosten entstehen und wie sie vermieden werden kann.

Was ist die Vorabpauschale?

Die Vorabpauschale ist eine vorweggenommene Besteuerung zukünftiger Wertsteigerungen, erklärt der Deutsche Fondsverband BVI. Letztlich ist sie ein Steuerabzug auf die Gewinne von Fonds, die ihre Erträge gar nicht oder nur zum Teil an die Anleger ausschütten, sondern einbehalten und direkt wieder investieren (unbare Erträge). Der Abschlag wird am ersten Werktag im Folgejahr eingezogen - für 2018 also am 2. Januar 2019.

Für welche Anleger gilt die Steuer?

Bisher mussten in der Regel nur Fondsanleger, die die Gewinne der Kursentwicklung des Fonds direkt auf ihr Depot ausgeschüttet bekamen, laufende Steuern automatisch zahlen. Von Erträgen der ausländischen thesaurierenden Fonds beispielsweise erfuhr das Finanzamt nur, wenn die Anleger es selbst in ihrer Steuererklärung angaben.

Dieses Schlupfloch wurde geschlossen: Nun will der Gesetzgeber auf Grundlage des seit 2018 geltenden Investmentsteuerrechts sicherstellen, dass auch Anleger von nicht ausschüttenden Fonds einen jährlichen Mindestbetrag versteuern müssen, den die Depotbanken ermitteln.

Betroffen sind daher diejenigen, die Anteile an einem thesaurierenden oder teilausschüttenden Fonds haben. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" trifft das auf jeden zweiten Fonds zu. Besonders die passiven Indexfonds, die sogenannten Exchange Traded Funds (ETF), seien oft thesaurierend aufgebaut, legen also ihren Gewinn automatisch wieder an. "Bei uns sind etwa zwei Drittel aller Fonds thesaurierend und damit von der neuen Steuerregelung betroffen", sagt auch Michael Gott von der Sutor Bank.

Ausnahmen sind Fondsanteile in Riester- oder Rürup-Verträgen. Dort bleibt es bei der normalen Besteuerung nach Verkauf.

Wie hoch ist der Abschlag?

In der Regel dürfte die Vorabpauschale niedriger ausfallen als die Steuer bei komplett ausschüttenden Fonds. Zunächst berechnen die Depotbanken den sogenannten Basisertrag des Fonds. Dabei werden 70 Prozent des jährlichen risikolosen Marktzinses für Staatsanleihen mit dem Rücknahmepreis vom 1. Januar 2018 multipliziert. Davon ziehen sie bei teilausschüttenden Fonds die Höhe der Ausschüttung aus 2018 ab und erhalten den Steuerabschlag.

Bei thesaurierenden Fonds, die eben nichts ausschütten, ist die Vorabpauschale gleich dem Basisertrag. Mit dem tatsächlich angefallenen Ertrag des Fonds hat die Pauschale in dem Fall wenig zu tun. Ein Beispiel: Am ersten Börsentag 2018 betrug der Basiszins laut Bundesbank 0,87 Prozent. Hätte ein Anleger für seinen Fonds im Januar 50 Euro erhalten, multipliziert er diese 50 Euro mit 0,61 Prozent. Der Steuerabschlag beträgt rund 30 Cent.

Sollten Anleger ihre Fondsanteile verkaufen, wird die Vorabpauschale vom Veräußerungsgewinn abgezogen, um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden.

Worauf sollten Anleger achten?

Die Depotbank muss das Geld einziehen, auch wenn keins mehr auf dem jeweiligen Konto vorhanden ist. Daher sollten Anleger prüfen, ob ihr Konto ausreichend gedeckt ist. Andernfalls darf die Bank den Dispokredit nutzen.

Können Fondsanleger der Steuer aus dem Weg gehen?

Zum einen haben laut der "FAZ" bereits einige Depotbanken wie die Comstage von der Commerzbank ihre ETF-Produkte auf ausschüttend umgestellt, um die neue Steuer zu vermeiden. Aber auch die Anleger selbst haben eine Möglichkeit, die Vorabpauschale zu umgehen. Ledige Sparer und Ehepaare, deren Erträge unter dem Jahresfreibetrag von 801 Euro beziehungsweise 1.602 Euro bleiben, müssen nämlich keine Steuern zahlen. Aber: Anleger müssen das bei ihrer Depotbank beauftragen.

"Das Entscheidende ist, dass die Vorabpauschale dem Depot des Anlegers automatisch entnommen wird - um das zu vermeiden, muss ein ausreichender Freistellungsauftrag vorliegen", erklärt Michael Gott. Zwar könne der Abzug auch sonst über die Steuererklärung wieder ausgeglichen werden, doch bis zum Rückfluss des Geldes vergehe Zeit. Das koste den Anleger Rendite.

tb