Fiskus greift bei Derivaten zu Verlustverrechnung als Stolperfalle

Stand: 04.08.2020, 14:24 Uhr

Eine Gesetzesänderung, die noch schnell im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht wurde, wird Anlegern ab 2021 Kopfzerbrechen bereiten. Kurzfristiges "Traden" mit Derviaten wird damit zum heiklen Risiko, aber auch Absicherungs-Strategien können zum Bumerang werden.

Bereits seit Anfang 2020 hat sich die Besteuerung von Verlusten aus Termingeschäften verändert. Wer wertlos verfallene Anteile oder Anleihen von Unternehmen oder verfallene Finanzderivate wie etwa Optionen gehandelt hat, kann daraus entstehende Verluste beim Verkauf innerhalb eines Jahres nur noch bis zu einer Höhe von 10.000 Euro mit Gewinnen aus Kapitalgeschäften verrechnen.

Dass Verluste aus wertlos verfallenen Finanzderivaten wie Optionen, Optionsscheinen oder Zertifikaten überhaupt steuerlich geltend gemacht werden konnten, war lange umstritten. Einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums, wonach eine solche Anrechnung nicht möglich sei, widersprach der Bundesfinanzhof (BFH) in mehreren Urteilen Anfang 2016.

Drei Töpfe zur Verrechnung

Seit 2020 ist nun für solche Finanzgeschäfte eine Obergrenze bei der Verlustverrechnung eingezogen. Die Regelung trifft auch Anleger, die etwa in Crowdfunding-Projekte, Sachwerte oder Anleihen investiert haben, die ebenfalls einen Totalverlust erleiden können. Verluste über die Obergrenze hinaus können ins nächste Jahr vorgetragen werden, wo aber ebenfalls die Deckelung bei 10.000 Euro greift.

Noch drastischer wird für einige Anleger aber die zweite Stufe der Gesetzesänderung, die ab 2021 greift: Denn dann können Verluste aus dem Handel mit Finanzprodukten, deren Wertentwicklung von Termingeschäften beeinflusst wird, steuerlich nur noch mit Gewinnen aus genau diesen Produkten (oder mit Gewinnen aus Stillhaltergeschäften) verrechnet werden. Die Deckelung der anrechenbaren Verlusthöhe liegt ebenfalls bei 10.000 Euro, ebenso besteht die Möglichkeit eines Vortrages ins Folgejahr. Damit sieht der Gesetzgeber drei Verlusttöpfe vor: Aktien, Termingeschäfte und andere Anlagen, etwa Anleihen und Fonds. Nur innerhalb der jeweiligen Töpfe können Verluste dann überhaupt noch verrechnet werden.

Möglich: Mehr Steuern als Gewinne

Die Regelungen haben gravierende Folgen: Wer hohe Gewinne und hohe Verluste durch intensive Handelstätigkeit erzielt hat, kann dadurch ab 2021 sogar mehr Steuern zahlen, als er Gewinne auf der Habenseite hat.

Eine Folge der neuen Regelung ist auch die direkte Versteuerung von Gewinnen aus Termingeschäften, eine direkte Verrechnung mit Verlusten ist nicht mehr vorgesehen. Die Anleger können sich die entsprechende Rückerstattung erst mit der Steuererklärung für das jeweilige Jahr wieder zurückholen - natürlich gedeckelt bis 10.000 Euro.

Nicht nur "heavy trader", bei denen hohe Gewinne aus Termingeschäften oft hohen Verlusten gegenüber stehen, stehen damit vor einem Problem. Sie müssen Gewinne voll versteuern, können aber Verluste nur bis 10.000 Euro pro Kalenderjahr anrechnen. Auch wer ein klassisches Aktien- oder Fondsdepot mit Derivaten absichern will, hat bei der Verrechnung entstehender Verluste eine neue Problemstellung. Nämlich dann, wenn den Verlusten aus der Absicherung keine Gewinne aus derselben Produktkategorie gegenüber stehen. So kann er nicht mehr die Absicherungsverluste etwa aus Optionsschein-Geschäften mit den Gewinnen seines Aktienportfolios steuerlich verrechnen.

AB