Hände einer alten Frau mit Einmachglas voller Geldscheine

Abgeltungssteuer für Zinsen fällt weg Steuererhöhung für Sparer

Stand: 05.03.2018, 11:35 Uhr

Nun ist es offiziell: Nach dem SPD-Mitgliederentscheid kann die neue "Große Koalition" ihre Arbeit aufnehmen. Und damit steht auch fest, dass die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag in Sachen Abgeltungssteuer umgesetzt werden. Gut für Aktionäre, schlecht für Sparer.

"Die Abgeltungssteuer auf Zinserträge wird mit der Etablierung des automatischen Informationsaustausches abgeschafft; Umgehungstatbestände werden wir verhindern. An dem bisherigen Ziel der Einführung einer Finanztransaktionsteuer im europäischen Kontext halten wir fest."

Die recht kurz gehaltene Passage auf Seite 69 des Koalitionsvertrages lässt wenig Interpretationsspielraum zu. Einzig über den Zeitpunkt der steuerlichen Neujustierung bei Kapitalerträgen darf noch spekuliert werden. Statt der 2009 eingeführten Steuer auf "alle" Formen von Einkünften aus Kapitalanlagen gibt es zukünftig wieder eine Ungleichbehandlung.

25 zu 45 Prozent

So müssen Zinseinkünfte nach Ausschöpfung des Sparerfreibetrags wieder mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz versteuert werden - das können bis zu 45 Prozent (beim Spitzensteuersatz) sein. Dagegen gilt die Abgeltungssteuer nach wie vor für Einkünfte aus Dividenden und Kursgewinnen. Sie liegt bei pauschal 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Für viele Bundesbürger dürften damit die ohnehin traurig verzinsten Spargroschen auf Giro- und Tagesgeld oder auch Festgeld noch stärker mit Steuern belegt werden. Real steigen damit sogar die Verluste auf das Ersparte weiter. Denn zur mageren Verzinsung und der höheren Besteuerung kommt noch die anziehende Preisspirale. Im vergangenen Jahr lag die Inflation in Deutschland bei 1,8 Prozent.

Deutsche zögern bei der Aktienanlage

Weiterhin können die Deutschen als risikoavers und damit Aktien gegenüber wenig aufgeschlossen gelten. Nach einer aktuellen Studie der "Aktion pro Aktie" von mehreren Online-Brokern hält nicht einmal jeder dritte Deutsche Aktien für eine gute Geldanlage.

Vielleicht aber ist die noch stärkere Belastung von Zinsen ein wichtiger Impuls für die verstärkte Aktienanlage, auch bei den Deutschen. Dass sich der Kauf von Aktien auf langer Sicht praktisch immer lohnt, wird etwa das Deutsche Aktieninstitut nicht müde zu betonen. Laut dem "Renditedreieck", das das DAI regelmäßig veröffentlicht, gibt es bei langjährigen Investments praktisch keinen Einstiegszeitpunkt, bei dem man etwa bei einem Investment in den deutschen Aktienmarkt eine negative Rendite erzielt hat. Im Durchschnitt liefert der Aktienmarkt zwischen sechs und neun Prozent Plus pro Jahr (s. unsere Grafik und das vollständige Renditedreieck).

Renditedreieck

Renditedreieck Aktien (Ausschnitt). | Bildquelle: DAI

Soli-Wegfall - Noch ein Plus für Aktionäre

Und unter der Groko wird in den kommenden Jahren die "de facto"-Belastung durch die Abgeltungssteuer auf Dividenden und Kursgewinne sogar noch weiter reduziert. Denn der Abbau des Solidaritätszuschlages, der auf die Abgeltungssteuer aufgeschlagen wird, wird sich positiv auswirken, etwa 1,3 Prozentpunkte beträgt die Entlastung auf die Erträge ab 2021 - freilich nur für Aktionäre.

AB

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