Fonds, Bulle und Bär

Investmentsteuergesetz ab 2018 in Kraft Großreinemachen bei Fondssteuern

Stand: 14.12.2017, 10:09 Uhr

Mit den neuen Besteuerungs-Regeln will der Gesetzgeber in erster Linie inländische und ausländische Fonds gleichbehandeln. Ab 2018 wird die Fondsbesteuerung einheitlicher, aber nicht unbedingt gerechter.

Die Umstellung der Fondsbesteuerung ab 1.1.2018 wirft ihre Schatten voraus. Viele Depotbesitzer dürften bereits Post von ihren Fondsgesellschaften bekommen haben. Betroffen von der Investmentsteuerreform (InvStRefG) sind eigentlich alle Fondseigner, denn die Vor- und Nachteile, die es etwa bei inländischen und ausländischen Fonds, aber auch bei verschiedenen Typen von Indexfonds (ETFs) bislang gab, fallen praktisch weg. Bei der Überprüfung es eigenen Fondsbestandes können Anleger, zumindest unter Steuergesichtspunkten, noch einmal neu nachdenken.

Vorrangige Absicht des Gesetzgebers war die Sicherstellung der Europarechtskonformität: Denn aktuell werden ausländische Fonds hinsichtlich deutscher Erträge steuerlich anders gestellt als deutsche Fonds. Dies verträgt sich nicht mit dem Europarecht und musste daher geändert werden. Außerdem sollte mit der Investmentsteuerreform auch ein Steuersystem geschaffen werden, das einfacher und verständlicher ist.

Zugriff auch auf Fondsebene

Die neue steuerliche Behandlung von Fonds, genauer gesagt von Erträgen, die Fonds erzielen, bedarf aber der Erläuterung. Grundsätzlich hat bei der neuen Fondsbesteuerung ab 2018 ein Gedanke den Impuls gegeben: Der Fiskus will gerenell schon auf der Fondsebene steuerlich zugreifen und nicht erst beim Verkauf auf Anlegerebene. Bislang konnten die Fondsmanager inländischer Fonds Erträge aus Ausschüttungen oder Verkäufen innerhalb des Fonds steuerfrei vereinnahmen, um sie dann wieder ins Fondsvermögen zu reinvestieren. Besteuert wurden nur Erträge, die an den Anleger flossen, also Ausschüttungen aus Dividenden, Zins- oder Mieterträgen und natürlich beim Verkauf der Anteile die Gewinne aus dieser Transaktion.

In der neuen Steuerära ab 2018 werden auf der Fondsebene - bei deutschen Fonds - 15 Prozent Körperschaftssteuer auf Erträge fällig. Damit sollen Fonds grundsätzlich bei der steuerlichen Belastung mit ausländischen Fonds gleichgestellt werden.

Steuerfreistellungen je nach Fondsart

Damit die Belastungen für den Anleger nicht höher ausfallen, werden im Gegenzug steuerliche Teilfreistellungen auf die Abgeltungssteuer gewährt, bei der ja auf Anlegerseite 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag (und ggf. Kirchensteuer) einbehalten werden. Je nach Art des Investmentfonds fallen diese unterschiedlich aus.

Bei reinen Aktienfonds liegt diese Freistellungsquote bei 30 Prozent der Erträge und auch der Verkaufsgewinne. Bei Mischfonds mit einem Aktienanteil von mindestens 25 Prozent liegt die Freistellungsquote bei 15 Prozent. Und bei Immobilienfonds erhält der Anleger einen Freibetrag von 60 Prozent der Erträge bei inländischen Fonds und sogar 80 Prozent bei ausländischen Fonds.

Vorabpauschale wird fällig

Schüttet der Fonds keine (Thesaurierung) oder nur geringer Erträge aus, greift eine sogenannte "Vorabpauschale". Sie beträgt 70 Prozent des sogenannten "Basiszinses" (für 2016 sind dies 1,1 Prozent), der offiziell veröffentlicht wird. Sie ist aber auf den Wertzuwachs im Kalenderjahr begrenzt – es wird also nicht etwas besteuert, was nicht erwirtschaftet wurde. Auf die Vorabpauschale wird am ersten Tag des folgenden Kalenderjahres von der depotführenden Stelle Abgeltungsteuer einbehalten.

Beim Verkauf der Fondsanteile verrechnen die depotführenden Stellen in Deutschland automatisch die bereits besteuerten Vorabpauschalen mit dem Veräußerungsgewinn, um eine Doppelbesteuerung beim Anleger zu vermeiden. Das ist vor allem für Anleger von ausländischen thesaurierenden Fonds eine starke Vereinfachung.

Steuerstundung ade

Damit fällt aber gerade bei ausländischen thesaurierenden Fonds ein Steuerstundungseffekt weg, hier griff der Fiskus bislang erst beim Verkauf der Fondsanteile zu. Das gilt auch bei "synthetischen" Indexfonds (ETFs). Bislang ergab sich auch hier eine Steuerstundung, wenn diese als thesaurierende ETFs ihre Erträge direkt wieder anlegten (s. unsere Übersicht: Was ändert sich mit der Fondssteuerreform?).

Riester bleibt sicher

Immerhin werden staatliche Altersvorsorge-Produkte, also Riester- und Rürup-Verträge, die auf Fonds basieren, steuerlich nicht angetastet. Hier ändert sich dank Sonderregeln nichts, die Erträge während der Ansparphase bleiben hier steuerfrei. Dafür greift die nachgelagerte Besteuerung der Auszahlungen im Alter.

Nachteile für Kleinanleger

Tendenziell benachteiligt bei der neuen Regelung werden Kleinsparer, die ihren Sparerpauschbetrag noch nicht ausgeschöpft haben. Bis zu 801 Euro (bzw. 1.602 Euro bei Verheirateten) wurden bislang nicht mit der Abgeltungssteuer belegt. Das bleibt auch künftig so - doch die Steuerbelastung auf Fondsebene trifft auch diese Anleger.

Abgeltungssteuer greift Altbeständen

Gewissermaßen "huckepack" mit der neuen Besteuerungslogik bei Fonds hat der Gesetzgeber gleich noch die Altfall-Regelung kassiert, die mit der Einführung der Abgeltungssteuer bestehende Fondsanteile vor der neuen Steuer schützen sollte. Diese Altfallregelung gilt ab dem 1.1.2018 nicht mehr. Das heißt, Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen, die vor 2009 gekauft wurden, unterliegen dann der Abgeltungssteuer. Allerdings hat der Gesetzgeber hier eine recht großzügige Freibetragsregelung eingebaut: Erst wenn die Erträge die Grenze von 100.000 Euro übersteigen, greift die neue Besteuerung. Verbraucherschützer empfehlen deshalb auch, Altbestände nicht aus steuerlichen Gründen vor dem Jahreswechsel zu verkaufen.

Altaktien besser als Altfonds

Besitzer von Altfällen bei Aktieninvestments bleiben übrigens weiterhin ungeschoren, hier bleibt die Altfallregelung bestehen. Wer also Aktien vor 2009 gekauft hat, kann auch neu entstehende Gewinne ab 2018 steuerfrei vereinnahmen. Der Fiskus unterscheidet damit quasi zwei Arten von "Alt"-Anlegern.

AB

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Was ändert sich mit der Fondssteuerreform? Fondsbesteuerung ab 2018

Illustration: Figur in Hängematte träumt von hohen Gewinnanteilen

Worauf wird Steuer bezahlt?
In Deutschland aufgelegte Fonds müssen erstmalig ab 2018 Steuern in Höhe von 15 Prozent auf deutsche Dividenden, deutsche Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf deutscher Immobilien bereits auf Fondsebene zahlen. Damit stellt der Gesetzgeber ihre steuerliche Belastung grundsätzlich mit der von ausländischen Fonds und deren Einkünften aus Deutschland gleich.