Social Trading

Aus Strategien werden Zertifikate Wikifolio findet immer mehr Anhänger

Stand: 04.10.2013, 15:37 Uhr

Erst seit rund einem Jahr ist die "Wikifolio-Idee" auf dem Markt – und hat inzwischen hat eine große Zahl von Anhängern gefunden. Hunderte Anleger schnüren eigene Investment-Produkte auf der Plattform – Millionen Euro werden in sie investiert.

Eine Gruppe Läufer folgt einem Teamleader

Wikifolio Anleger. | Montage: boerse.ARD.de, colourbox

Die Stars von Wikifolio sind inzwischen schon eine Art alternative Fondsmanager geworden. Ralf Werner etwa, der das Wikifolio "Antizyklische Chancen" betreut, kommt auf rund fünf Millionen Euro "assets under management". So viel Geld ist in das Zertifikat investiert, das seine Transaktionen abbildet. Werner hat derzeit mit Apple, dem deutschen Immobilien-Unternehmen Patrizia und dem Frankiermaschinen-Hersteller Francotyp-Postalia nur drei Titel im Depot. Seit dem Start seines Wikifolios im Juli 2012 steht eine Performance von 96 Prozent zu Buche.

Unterschiedlichste Handelsansätze

Insgesamt sieben der Trader auf der Plattform haben Beträge von mehr als einer Million Euro angelockt. Über 61 Millionen Euro sind seit dem Start von Wikifolio bereits in die Zertifikate geflossen, die vom Emittenten Lang & Schwarz begeben werden. Ein Großteil dieser Summe schlummert noch immer in den Papieren.

Die unterschiedlichsten Trading-Stile und Investment-Schwerpunkte finden sich unter den bislang fast 900 verbrieften Zertifikaten. Mal liegt der Schwerpunkt auf Aktien von familiengeführten Unternehmen, mal werden charttechnische Kennziffern genutzt, mal werden regionale Schwerpunkte bei der Aktienauswahl gesetzt.

Mehr Transparenz als die Banken- und Fondswelt

Die Plattform hat sich dem Social Trading, also dem Anlegen innerhalb einer Investoren-"Gemeinde" verschrieben. Der Gründer und Chef des Unternehmens mit Sitz in Wien, Andreas Kern, sieht in der Transparenz der vielen verschiedenen Herangehensweisen an den Aktienmarkt einen der größten Vorteile dieser neuen Art der Geldanlage. Offen einsehbar sind zum Beispiel die Depots der Trader, genauso wie die Transaktionen innerhalb der Mini-Portfolios.

Die Trader selbst müssen Aufschluss über ihre Strategie, die Auswahl ihrer Basiswerte und ihre Renditeerwartung geben. Wer will, kann auch einzelne Transaktionen kommentieren oder seine Einschätzung zum Markt oder Einzelaktien in seinem Wikifolio kundtun.

Auch, ob die Trader mit eigenem Geld in ihrem Musterdepot investiert sind, wird öffentlich kenntlich gemacht. Wer sein eigenes Wikifolio kauft, muss dies in regelmäßigen Abständen per Depotauszug dokumentieren. Damit man auf Wikifolio als "Real Money Trader" kenntlich gemacht wird, müssen mindestens 5.000 Euro eigene Mittel investiert sein.

Zertifikate-Gebühr und Performance-Fee

Das Geschäftsmodell Wikifolio basiert auf Einnahmen aus mehreren Quellen. Vor allem erhält das Unternehmen einen Teil der Zertifikate-Gebühr, die 0,95 Prozent pro Jahr beträgt. Diese teilen sich die Betreiber mit dem Emittenten Lang & Schwarz. Eine Performance-Gebühr teilt sich Wikifolio mit dem jeweiligen Trader. Sie wird von diesem festgelegt und beträgt zwischen fünf und 30 Prozent der Gewinne pro Jahr. Der Anteil, den die Parteien letztlich erhalten, richtet sich auch nach der Höhe der Summe, die Anleger in das Produkt investiert haben.

Die Basiswerte, die innerhalb des Wikifolios eingesetzt werden, können ohne Transaktionsgebühr gehandelt werden, Umschichtungen finden also ohne Kostenbelastung statt. Allerdings fällt stets ein "Spread", also die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis einer Aktie oder eines ETFs an. Laut Lang & Schwarz sind diese Spreads während der Börsenhandelszeiten "marktnah". Gehandelt werden die Anteile aber stets mit dem Emittenten selbst und nicht an einer Börse.

Das Handelsuniversum expandiert

Ein Jahr nach seinem Start steht Wikifolio kurz vor einer deutlichen Ausweitung der handelbaren Produkte. Sind bislang nur Aktien und börsengehandelte Indexfonds (ETF) im Angebot, können Trader künftig auf Hebel-, Bonus- oder Discount-Zertifikate zugreifen, um ihr Wikifolio zu bestücken. Dazu ist das Unternehmen eine Partnerschaft zu einem weiteren Emittenten eingegangen (s. unser Interview).

Wikifolio hat bei seiner medienwirksamen Expansion in den vergangenen Monaten auf Unterstützung aus vielen Richtungen erfahren. Die Verlagsgruppe Handelsblatt ist an dem Unternehmen bereits seit 2011 beteiligt, über eine Kapitalerhöhung holte Wikifolio im Frühjahr 2013 den österreichischen Business Angel Speedinvest an Bord. Dabei erwarb auch der Zertifikate-Partner Lang & Schwarz einen Anteil am Unternehmen.

Die erfolgreiche mediale Vermarktung verschafft dem Unternehmen zunehmend prominente Trader. So haben mehrere Medienunternehmen inzwischen eigene Musterdepots in die Form eines Wikifolios gegossen. Ehemalige Fondsmanager, Analysten und Investmentbanker finden sich unter den Anbietern genauso wieder wie Hobby-Trader, die einfach einmal ihre eigene Handelsstrategie in der "Community" vorstellen wollen.

AB