Social Trading

Sharewise Top-Anleger besser als Analysten

von von Andreas Braun

Stand: 27.09.2013, 15:29 Uhr

Den Aktienmarkt beurteilen, das kann der "Schwarm" vielleicht besser als Börsen-Experten aus Bankentürmen und Fondsgesellschaften. Die Internet-Plattform Sharewise tritt nach eigener Aussage den Beweis dafür an.

Social trading Social Media Anlage. | Quelle: colourbox

Auf mehr als 220.000 Empfehlungen und Aktienanalysen privater Anleger ist die Datenbank des Unternehmens angewachsen, das seit 2007 am Markt ist. Derzeit verfügt Sharewise über 155.000 registrierte Nutzer, jeden Monat kommen 1.000 neue Tippgeber dazu.

Und die besten unter den Hobby-"Börsianern" müssen den Vergleich mit den Profis tatsächlich nicht scheuen. Sharewise vergleicht die Aktienempfehlungen der Gemeinde stets mit denen der Profi-Analysten. "Unter den besten 100 finden sich nach unserem Ranking derzeit nur fünf institutionelle Analysehäuser", so Michael Mellinghoff, Geschäftsführer von Sharewise (s. dazu unser Interview).

Wie wertvoll die Analysen privater Anleger aus der Crowd sind, dafür kann Mellinghoff inzwischen sogar einen wissenschaftlichen Nachweis anführen. Wissenschaftler der TU Darmstadt haben die Genauigkeit von Anlageempfehlungen auf Sharewise zwischen 2007 und 2011 mit denen ausgewiesener Banken- und Finanzanalysten verglichen. Verblüffendes Ergebnis: "Crowd-Analysten" erzielen bessere Ergebnisse, selbst wenn man die eingegangenen Risiken und die allgemeinen Marktbedingungen berücksichtigt.

Nur liquide Aktien

Sharewise hat ein Ranking-System entwickelt, in das allerdings nur Kaufs- und Verkaufs-Empfehlungen für Aktien eingehen, deren Handelsvolumen im Schnitt über 500.000 Euro pro Tag liegt. Damit soll eine mögliche Marktmanipulation bei kleinen, marktengen Werten von vornherein ausgeschlossen werden.

Für Sharewise-Mitglieder, die mindestens fünf Empfehlungen abgeben müssen, um ins interne Ranking zu kommen, führt die Plattform virtuelle Depots ein. Deren Performance wird mit dem marktbreiten europäischen Auswahlindex EuroStoxx 600 verglichen. Je mehr die Performance im Vergleich zur Benchmark, desto höher die Reputation des Empfehlungsgebers in der "Community" und umso höher sein "Skill Level". Dieser wird im öffentlichen Profil des Mitgliedes stets aktuell ausgewiesen.

Silberbarren als Prämie

Innerhalb der Nutzergemeinde ruft Sharewise in regelmäßigen Abständen zu Wettbewerben auf, bei der sich die Tippgeber mit ihren Empfehlungen in bestimmten Zeiträumen miteinander messen können. Die Sieger werden mit kostenlosen Börsenbriefen oder kleinen Silberbarren prämiert. Für das Sharewise-Team um Mellinghoff ist die Tatsache, dass es keine echte Bezahlung für die Besten unter den Hobby-Analysten gibt, eine wichtige Voraussetzung für deren Unabhängigkeit und Reputation.  

Diese Reputation tritt immer wieder in wichtigen aktuellen Marktsituationen zu Tage. Zum Beispiel bei der dramatischen Entwicklung des ehemaligen Handy-Weltmarktführers Nokia. "Die Community war hier schon lange vor den institutionellen Analysten sehr bullish für die Aktie", berichtet Michael Mellinghoff. Als dann der Verkauf der Handy-Sparte an Microsoft unter Dach und Fach war, und die Nokia-Aktie einen Sturmlauf aufs Parkett legte, waren die Sharewise-Mitglieder bereits mehrheitlich auf der richtigen Seite, wenn sie den Empfehlungen aus der "Crowd" auch im eigenen Depot gefolgt waren.

Unabhängig vom direkten Wertpapierhandel ist auch das eigentliche Geschäftsmodell von Sharewise. Das Unternehmen verdient als IT-Dienstleister in Sachen Community-Management Geld und lizenziert seine Technologie zum Beispiel an die Direkt-Bank CortalConsors. Darüber hinaus werden Börsenbriefe und Analysen zum Teil kostenpflichtig vertrieben, die sich zum Großteil aus dem Know-how des "Schwarms" speisen.

Sharewise Community Fonds

Die Selektion der besten Sharewise-Mitglieder hat aber seit knapp einem Jahr noch eine besondere Komponente. Deren Empfehlungen fließen in einen eigenen Community-Fonds ein, so werden aus Tipps und Marktmeinungen Investment-Entscheidungen.

Investmentprozess des Community Fonds Sharewise. | Quelle: Unternehmen

Nach einem leicht enttäuschenden Start im Frühjahr 2012 hat der H&A Sharewise Community Fonds in den vergangenen Monaten gleich mehrerer Gänge hochgeschaltet. Seit seinem Start im Dezember 2012 konnte der Fonds mehr als 16 Prozent Wertzuwachs verbuchen. Die selbst gesetzte Benchmark, den EuroStoxx 600, konnte der Fonds damit vor allem in den vergangenen sechs Monaten deutlich hinter sich lassen.

Der Fonds macht aus den Empfehlungen der besten Tippgeber im Top100-Club Kauf- und Verkaufsentscheidungen auf Fondsebene. Auf monatlicher Basis werden die Aktien mit den 25 meisten Kaufempfehlungen in den Fonds aufgenommen. Die Aktien werden stets im Fondsportfolio gleich gewichtet, damit wird – ebenfalls im Monatsrhythmus ein "Rebalancing" statt.

Short-Komponente

Nicht nur Kauf-, sondern auch Verkaufsempfehlungen gehen in den Fonds ein. Die meisten Verkaufsempfehlungen sorgen für eine Short-Position im Fonds. Dafür werden über Derivate die entsprechenden Transaktionen abgewickelt. Das Gewicht dieser auf fallende Kurse setzenden Positionen darf allerdings nie mehr als 20 Prozent des gesamten Fonds-Volumens erreichen.

Anfang September 2013 wurde erstmals der Erfolg des Fonds in Form einer Ausschüttung honoriert. 15 Prozent, der Überrendite, die der Fonds gegenüber dem EuroStoxx 600 erreicht, werden als Performance Fee fällig. Konkret betrug die Ausschüttung 16 Cents je Fondsanteil. Neben der erfolgsbezogenen Vergütung müssen Anleger eine Verwaltungsgebühr von 1,5 Prozent jährlich zahlen.

Der Fonds ist über die Fondsgesellschaft Hauck & Aufhäuser bei allen Banken und Brokern erhältlich. Als Fondsmanager agiert die Baader Bank, Sharewise selbst hat dabei formal nur die Rolle des "Fondsinitiators". Die eigentlichen Entscheidungen über die Aufnahme oder den Rausschmiss einer Aktie trifft aber die Sharewise-Gemeinde.