Branchen-Pionier Ayondo insolvent Social Trading: Der Markt sortiert sich

Stand: 16.08.2019, 09:33 Uhr

In der Community locken die schnellen Börsengewinne. Wer einem "Top-Trader" folgt, kann dessen Know-how nutzen. Ein Gedanke, der seit einigen Jahren durch die Trader-Szene wandert - und eine Reihe von Plattformen hervorgebracht hat. Auch bei denen gibt es inzwischen Gewinner und Verlierer.

Einer der Verlierer ist seit Mitte August der Frankfurter Social-Trading-Pionier Ayondo auch offiziell: Die Ayondo GmbH, Entwickler der Social Trading-Plattform, hat einen Insolvenzantrag gestellt. Nicht betroffen ist nach Angaben aus dem Unternehmen die Ayondo Portfolio Management GmbH, bei der die Kundengelder liegen. Auch der Broker-Partner mit Sitz in London wird seinen Betrieb aufrecht erhalten.

Regulierer greifen ein

Ayondos Geschäftszahlen fürs zweite Quartal 2019 zeigten bereits deutlich die Schlagseite des Unternehmens: Die Zahl der aktiven Nutzer, überwiegend in Deutschland, ging binnen eines Jahres um ein Drittel auf rund 20.000 zurück. Die Handelsumsätze sanken sogar um 70 Prozent auf 2,2 Millionen Schweizer Franken. Und trotz deutlich gedrosseltem Marketing-Budget machte Ayondo einen Quartalsverlust von 3,4 Millionen Franken. Für Ayondo dürfte die Verschärfung der Regularien im CFD-Handel durch die europäische Aufsichtsbehörde ESMA ein Grund für die Umsatzeinbrüche gewesen sein. Die ESMA hatte auch eine Reihe von Kundenwerbemaßnahmen wie Bonuszahlungen an Neukunden unterbunden.

Technologisch bleibt die Copy-Trading-Anwendung von Ayondo allerdings offenbar attraktiv. Der niederländische Trading-App-Anbieter Bux hat inzwischen den angeschlossenen Broker, Ayondo Markets, mit Sitz in London übernommen, der bislang nur Abwicklungspartner von Bux war. Die Niederländer bieten seit einigen Jahren den Börsenhandel über Differenzkontrakte an, haben seit 2019 aber auch echten Aktienhandel ohne Transaktionsgebühren im Angebot. Bux will vor allem der jüngeren Generation den Aktienhandel nahebringen, steigende Nutzerzahlen sprechen dafür. Bux hat nach eigenen Angaben rund 700.000 Nutzer, davon traden 50.000 mit echtem Geld. Eine Kopierfunktion hat die App nicht, dafür können sich die Hobby-Zocker auf der Plattform austauschen und auch Tipps geben.

Der Top-Trader lockt noch immer

Das Prinzip des Social Trading ist derweil noch immer präsent, wie der aktuelle TV-Werbespot von eToro zeigt: Felix und Alexander sind zwei ganz unterschiedliche Typen. Während Felix sehr erfolgreich am PC tradet, zockt Alexander lieber Videospiele - doch beide haben dieselbe Performance in ihren Depots: Weil Alexander einfach die Handelsaktivitäten von Felix kopiert! Und eToro macht's angeblich möglich. Das Werbevideo hat allein auf Youtube mehr als zwölf Millionen Abrufe - der Copy-Trading-Gedanke funktioniert weiterhin.

Die Realität auf vielen der Plattformen, die in den vergangenen Jahren auch in Deutschland Anleger angelockt haben, sah und sieht zum Teil weniger erfreulich aus. Viele der vermeintlichen Börsenprofis entfachten ein eher kurzfristiges Rendite-Strohfeuer, auf hohe und schnelle Gewinne folgten auf Verluste bis zum vollständigen "Verbrennen" von Depots - und die "Follower" oder "Kopierer" der Strategien wurden mit in die Miesen geführt.

Die Anleger und auch die Plattform-Betreiber haben viel Mühe, bei den Tradern, die Handelssignale anbieten, die Spreu vom Weizen zu trennen. Zum Teil geschieht dies über Verlustbegrenzungen auf Followerseite, auch der Ausweis von Risikokennziffern soll vor Verlusten schützen. Crashs bei Tradern und Anlegern bleiben aber weiterhin nicht ausgeschlossen. Social Trading, so die Botschaft der vergangenen Jahre, ist weniger für Privatanleger geeignet, die sich bequem zurücklehnen und ihre "Profis" Gewinne scheffeln lassen können, sondern erfordert ein regelmäßiges Beschäftigen mit der Strategie und dem Trader, dem man als Anleger folgt.

Wikifolio und eToro als Platzhirsche

Deutlich besser als Ayondo geht es den beiden Marktführern im deutschsprachigen Raum: Wikifolio mit Sitz und Wien und eToro, in Israel gegründet und mit Hauptsitz auf Zypern, haben hierzulande viele Tausend aktive Nutzer. Und beide Unternehmen sind über Finanzierungsrunden potenter Investoren weiterhin in der Lage, viel Geld in den Ausbau ihrer Plattformen und ihres Produktangebots und in Werbemaßnahmen zu stecken.

Auf Wikifolio tummeln sich inzwischen mehr als 8.000 "investierbare" Handelsstrategien. Das bedeutet, dass jede der Strategien als Zertifikat an der Börse gehandelt wird und die Performance des jeweiligen Traders exakt abbildet. Erfolgreiche Stockpicker sorgen hier dafür, dass in die Wikifolio-Zertifikate Millionen Euro fließen. Derzeit ganz oben im Ranking der Plattform liegt etwa Stefan Waldhauser, der sich auf US-Technologieaktien spezialisiert hat. Sein Wikifolio-Zertifikat hat in den vergangenen drei Jahren 111 Prozent Performance geschafft, erheblich mehr als etwa der US-Auswahlindex Nasdaq 100.

Auch eToro ist weiterhin auf Expansionskurs und zieht neue Nutzer an. Nach eigenen Angaben hat das Netzwerk mehr als neun Millionen Nutzer weltweit. An Mitteln, die Plattform weiter auszurollen, mangelt es ebenfalls nicht, allein im vergangenen Jahr wurde eine Finanzierungsrunde in Höhe von 100 Millionen Dollar gestemmt. Die Signalgeber bei eToro, die "Popular Investors", liefern zwar nur in seltenen Fällen konstante Erfolge, dafür hat die Plattform das Angebot an handelbaren Papieren bereits früh auf Kryptowährungen und Aktien ausgedehnt. Ob und wie das Unternehmen profitabel arbeitet, scheint erst einmal zweitrangig.

Naga auf Sparkurs

Mit der Profitabilität scheint ein Neueinsteiger in der Social-Trading-Branche Probleme zu haben: Der Naga Trader, eine App, auf der ebenfalls per CFDs gehandelt werden kann, erfreut sich angeblich wachsender Beliebtheit. Doch Naga hat im vergangenen Jahr seinen Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen auf vier Millionen Euro deutlich ausgeweitet. Das Unternehmen hat zudem seinen Hauptsitz nach Zypern verlagert und eine Reihe von Mitarbeitern entlassen, keine Zeichen eines schwungvollen Expansionskurses.

Der Markt für Social Trading scheint an seine Grenzen zu stoßen, und einige große Anbieter werden ihn wohl in den kommenden Jahren noch stärker dominieren (s.a. unsere Übersicht: Social-Trading-Anbieter im Überblick).

AB

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Social-Trading-Anbieter im Überblick Handeln mit der Community

Screenshot der Wikifolio-Website

Wikifolio
Das österreichische Social-Trading-Unternehmen bietet die Möglichkeit, Handelsstrategien in Form von Index-Zertifikaten zu kaufen, bei jedem Broker und jeder Bank. Kooperationen mit Medienpartnern wie der Verlagsgruppe Handelsblatt, die über eine Tochter auch an Wikifolio beteiligt ist, oder auch der Finanzplattform Onvista sorgen für Aufmerksamkeit für die Wikifolios, als Börsenplatz dient die Stuttgarter Börse. Für die Emission der Zertifikate zeichnet das Handelshaus Lang & Schwarz verantwortlich, das ebenfalls inzwischen eine Beteiligung an Wikifolio hält.

Inzwischen werden mit den Wikifolio-Zertifikaten mehrere Hundert Millionen Euro "verwaltet". Rund 8.000 verschiedene Handelsstrategien sind "investierbar", darunter auch einige Medien, Branchen und Vermögensverwalter-Strategien.