Social Trading

Wikifolio, Susan Levermann-Methode

Wikifolio-Strategie sammelt Millionen ein "Leise", der Trading-Star

Stand: 02.06.2017, 11:54 Uhr

Eine private Aktien-Strategie macht derzeit auf der Social-Trading-Plattform Wikifolio eine steile Karriere: Der Handelsansatz wählt allmonatlich aussichtsreiche Nebenwerte aus - mit verblüffendem Erfolg.

Da dürfte so mancher Fondsmanager neidisch werden: Das Wikifolio mit dem Titel "Qualität, angelehnt an Susan Levermann" hat allein im laufenden Jahr rund 20 Millionen Euro eingesammelt. Gelder, die Anleger auf das entsprechende Zertifikat setzen, das aus der privaten Handelsstrategie abgeleitet ist.

Alle Indizes abgehängt

Der Hauptgrund für den Zustrom an Mitteln ist die erstaunliche Performance der Strategie von Stefan Pflug, der unter dem Pseudonym "Leise" auf Wikifolio antritt. Allein seit Jahresbeginn hat die Strategie 38 Prozent an Rendite erreicht. Weit mehr als Dax, SDax oder TecDax. Seit dem Start im November 2012 hat die Strategie rund 320 Prozent Gewinn erzielt.

Insgesamt sind in das entsprechenden Zertifikat inzwischen knapp 38 Millionen Euro investiert, damit ist "Leise" der Star unter den zumeist privaten Tradern auf der Plattform, das nächstgrößere Wikifolio-Zertifikat ist mit etwa zehn Millionen Euro an "assets under management" bereits erheblich kleiner.

"Nicht viel Erfahrung im Aktienmarkt"

Der Erfolg des Wikifolios ist umso erstaunlicher, als der "Manager" in seiner Profilbeschreibung ganz offen zugibt: "Ich besitze nicht viel Erfahrung mit dem Aktienmarkt." Pflug setzt nach eigenen Angaben "nur die Gedanken um, die Susan Levermann in ihrem 2010 erschienenen Buch... dargelegt hat". Susan Levermann, einstige DWS-Fondsmanagerin, hat in ihrem im Jahr 2010 erschienen Buch ein Auswahlsystem für attraktive Aktien vorgestellt, das offenbar besser denn je funktioniert (s. unser Überblick: Das Levermann-Prinzip).

Dabei spielen fundamentale Kriterien wie Eigenkapitalrendite, Kurs-Gewinn-Verhältnis, aber auch die vergangene Kursentwicklung und nicht zuletzt die Analystenmeinungen zur jeweiligen Aktie eine entscheidende Rolle. Im Wikifolio von Pflug werden die Bewertungskriterien von Nebenwerten angewendet. Unter den derzeit 15 Titeln finden sich SDax-Werte wie die Deutsche Beteiligungs AG, der Wettanbieter Bet-at-home oder der Baufinanzierungs-Spezialist Hypoport. Aktien mit noch geringerer Marktkapitalisierung wie der Immobilienentwickler Eyemax oder Pferdewetten.de sind ebenfalls Bestandteil des Depots.

Small Caps mit eigenen Risiken

Die Fokussierung auf kleinere, marktengere Werte birgt naturgemäß eigene Risiken: Einerseits schwanken Small Caps erfahrungsgemäß in beide Richtungen stärker als die "Dickschiffe" aus Dax und MDax. Zum anderen könnte das Wikifolio irgendwann unter dem eigenen Erfolg leiden. Steigt der Wikifolio-Manager nämlich bei einem marktengen Wert aus, sorgt bereits dies bei entsprechendem Volumen für tendenziell fallende Kurse.

Umgekehrt sorgen die weiteren Zuflüsse in das Wikifolio gewissermaßen für einen "Kaufzwang" in den Aktien des Portfolios. Hier könnten allein weitere Käufe in eine Aktie für einen Kursschub in diesem Titel sorgen. Damit könnte die Performance des Wikifolios zu einem "Selbstläufer" werden, der die Kurse der zugrundeliegenden Titel mehr und mehr beeinflusst.

Dass es bei "Leise" alias Stefan Pflug einmal einen lauten Knall im Wikifolio geben wird, darauf deutet derzeit allerdings nichts hin. Der Trader kommuniziert in seinen Monatskommentaren genauso diszipliniert, wie er sein Depot umschichtet: gnadenlos, nach Levermann.

AB