Kollektiv

Trader machen Verluste Hektik in der Anlegergemeinde

Stand: 02.11.2018, 15:51 Uhr

Wenn die Börsen in Schieflage geraten, schlägt die Stunde der Wahrheit in den privaten Trading-Zirkeln. Welche Strategie ist krisenresistent, wer behält die Nerven oder kann sich sogar fallende Kurse zunutze machen?

Der Börsenmonat Oktober hat Aktienanleger in Deutschland arg gerupft. Der Dax markierte zum Herbstbeginn ein neues Jahrestief, hatte einen harten Kampf mit der Marke von 11.000 Punkten zu überstehen und schloss den Monat mit einem Verlust von 6,3 Prozent ab.

Was so manchem Börsenprofi und Fondsmanager Kopfzerbrechen bereitete, hat auch in den Communities und Trading-Plattformen Spuren hinterlassen. Öffentliche "Track Records" kann der interessierte private Investor zum Beispiel auf den wichtigsten Social-Trading-Plattformen einsehen (s.a. unsere Übersicht: Wo sich die Börsen-Community tummelt).

Wikifolios mit und ohne Schlagseite

Marktführer in Deutschland ist in Sachen Social Trading seit einigen Jahren Wikifolio. Mehrere Tausend Trading-Strategien sind hier für Anleger einsehbar. Und über die Anlage-Zertifikate, die die Plattform zusammen mit dem Handelshaus Lang & Schwarz aufgelegt hat, können Investoren direkt an den Erfolgen der "Vorturner" partizipieren. Im Oktober haben allerdings viele der Trader Schlagseite erlitten. Das derzeit populärste Wikifolio, das rund 17 Millionen Euro "verwaltet", hat im Oktober rund zwölf Prozent an Wert verloren, also noch deutlich stärker als der Dax. Stephan Pflug, Initiator der Trading-Strategie, setzt auf eine überschaubare Auswahl von zehn bis 15 Aktien, darunter überwiegend Papiere von kleinen und mittleren Unternehmen. Und die haben im vergangenen Monat deutlich gelitten.

Dass auch mit Nebenwerten im schwachen Oktober Rendite zu erzielen war, zeigt Wikifolio-Trader Carsten Schorn mit seiner "Abacus"-Strategie. Schorn tradet sehr kurzfristig und hat in den vergangenen Wochen mit Chip-Aktien wie Infineon und Siltronic, vor allem aber mit richtigem Timing seine Performance im Oktober sogar um 2,5 Prozent gesteigert.

Top-Trader floppen

Auf der Plattform der Frankfurter Ayondo wird überwiegend mit gehebelten CFDs (contracts for difference) auf steigende und fallende Kurse gesetzt. Der Monat Oktober hat bei vielen der "Top Trader" für heftige Schwankungen gesorgt, überwiegend allerdings abwärts. Unter den fünf Tradern mit den meisten Followern gab es im abgelaufenen Monat ausschließlich Verluste.

Den heftigen Rückschlag von 39 Prozent hat ausgerechnet der Trader mit den meisten Followern erlitten. "Smartietrader" hat massiv und stark gehebelt auf eine Erholung im Dax gesetzt - eine Strategie, die zuletzt nicht wirklich smart war. Bei Ayondo werden diese Verluste proportional in den Konten der Follower gespiegelt. Für den Top-Trader bedeutet das Überschreiten eines Verlustes von 25 Prozent außerdem eine Rückstufung in der "Trader-Karriere" der Plattform. Die Beteiligung am Handelsvolumen, das er durch seine Handelsaktivitäten am integrierten Broker erzeugt, sinkt dadurch in Zukunft deutlich.

Verlierer in der Überzahl

Auch in dem nach eigenen Angaben weltgrößten Netzwerk für Social Trading, eToro, hat der Börsenmonat Oktober Spuren hinterlassen. Hier folgen jeweils mehrere Tausend "Copier" den Trades ihrer Vorbilder mit eigenem Geld. Auch eToro hat einen eigenen Broker, auf dem die Transaktionen abgewickelt werden können. Als einer der ersten Anbieter hatte das Unternehmen auch verschiedene Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum im Angebot.

Die voreingestellten Suchfilter von eToro lassen die Auswahl der Trader besser erscheinen, als sie tatsächlich ist. Tatsächlich haben neun der zehn populärsten "Investoren" im abgelaufenen Monat deutliche Verluste von bis zu 20 Prozent eingefahren. Eine rühmliche Ausnahme ist der Niederländer Jeroen Dekker, der sich als Daytrader auf den kurzfristigen Handel von Indizes spezialisiert hat. Seit seinem Start auf eToro Anfang des Jahres hat Dekker keinen einzigen Verlustmonat gehabt und auch im Oktober 3,7 Prozent zugelegt. Laut der Plattform folgen dem Trader inzwischen 4.100 Anleger mit einem Kapital von mehr als fünf Millionen Dollar. Im Feed des Traders hinterlassen Anhänger bereits erste Lobeshymnen. Der Follower "Gildemeister" schreibt: "Die Niederländer sind großartige Trader, aber ich würde nicht sagen, dass ihr Bier gut schmeckt!"

AB

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