Social Trading

eToro Die globale Trading-Community

Stand: 26.07.2013, 16:45 Uhr

Börsenerfolg per Copy-Trading: Die Idee gewinnt auch in Deutschland immer mehr Anhänger: Börsen-Profis stellen ihre Strategien zur Verfügung, Anleger werden zu ihren „Followern“. Der größte Anbieter, eToro, wächst weltweit und surft auf der Welle des Social Web.

eToro Netzwerk network Globus. | Quelle: colourbox

„Caraj51 verkauft Euro-Dollar zu 1,3221“, lautet die Botschaft, die im „Open Book“, der Handelsplattform von eToro, Sekunden nach einer Transaktion aufflackert. „Good job“ kommentiert der User JinJay aus Thailand kurz darauf den Trade. Caraj51 ist das Pseudonym eines der erfolgreichsten Trader auf eToro, Heimatland Indien. Er genießt den Rang eines „Social Guru“. 64 Prozent Wertzuwachs weist sein Depot im vergangenen halben Jahr aus. Und viele Anhänger folgen dem Trader, manche nur mit ungläubigem Staunen, manche auch mit dem eigenen Depot.

Die  Trader-Statistik von Caraj51 bei eToro weist 64.790 Follower aus, 12.157 „Copier“ setzen eigenes Geld, große oder kleine Beträge auf das weitere Geschick des Experten an der Börse. Der Social Guru handelt vorwiegend mit Währungen, zumeist Euro gegen US-Dollar, aber auch Neuseeland- oder Austral-Dollar gegen den „Greenback“, zumeist mit Erfolg.

Kritik und Lob aus der virtuellen Gemeinde

Bei eToro sind die Trader in eine virtuelle Gemeinde globalen Ausmaßes eingebettet. Die Transaktionen vollziehen sich vor den Augen aller registrierten Nutzer. Und die können sie nicht nur vollautomatisch auf der Plattform nachvollziehen, sondern auch kommentieren, den Trader loben oder beschimpfen oder auch auf andere Strategien hinweisen, die noch mehr Gewinn versprechen.

Bereits seit 2007 ist eToro präsent, damit ist das Unternehmen, das vom Internet-Unternehmer Yoni Assia gegründet und von New York aus gesteuert wird, einer der Pioniere des Social Trading. „Wir wollten die globalen Finanzmärkte für alle zugänglich machen“, erläutert er seine Motivation beim einstigen Start-up (s. unser Interview).

eToro ist in den vergangenen Jahren zu einem global agierenden Unternehmen geworden. Nahezu drei Millionen registrierte Nutzer zählt eToro Mitte 2013, sieben Prozent oder knapp 200.000 davon kommen aus Deutschland. Seit 2008 bereits verfügt die Plattform über ein deutschsprachiges Help-Desk, das allerdings in London arbeitet. Mehrere Finanzierungsrunden durch Finanzinvestoren im Hintergrund sichern das weitere Wachstum des Unternehmens. Vor kurzem hat eToro eine Zulassung durch die britische Börsenaufsicht FCA erhalten. Zuvor war man lediglich der zyprischen Aufsicht CySec als Kontrollinstanz unterstellt. Bei der deutschen Wertpapier- und Bankenaufsicht BaFin ist eToro über ein Notifizierungsverfahren als EU-weiter Anbieter von Finanzdienstleistungen registriert.

CFDs als Handelsinstrumente

Die Dienstleistung, die Assia und sein Team anbieten, ist vielfältig. Über den eToro-eigenen Broker können die Nutzer der Plattform in Aktienindizes und Devisen, Rohstoffe und seit kurzen auf eine größere Anzahl von Einzelaktien investieren. Die Instrumente, die dabei genutzt werden, sind allerdings nicht die Basiswerte selbst, also etwa die Aktien, sondern CFDs auf diese. Die „Contracts for Difference“ genannten Derivate spiegeln die tatsächliche Wertentwicklung der eigentlichen Aktien, Rohstoffe oder Indizes fast haargenau. Aber eben nur fast, denn zwischen An- und Verkaufspreis bei eToro liegt wie bei allen CFD-Brokern eine Differenz, der „Spread“. Über diesen Spread finanziert eToro seine Plattform und letztlich auch sein gesamtes Geschäft.

10.000 Dollar Trader-Einkommen

Und aus dem Spread bei den Handelsprodukten werden auch die „Social Gurus“, also die Top-Trader bezahlt, denen die Masse der „Follower“ ihr eigenes Geld im „Copytrader“ folgen lässt. Je nach Anzahl der Anhänger erhalten die Gurus zwischen 100 und sogar bis zu 10.000 Dollar. Nur einen Teil der Honorare, nämlich 20 Prozent davon, können sie aber zu barem Geld machen, der Großteil wird dem eigenen Handelskonto gutgeschrieben, wo es sich auf eToro weiter munter vermehren soll.

Follower können ihre Mittel dabei auf mehrere Trader verteilen und sich so ein kleines Social-Trading-Portfolio aufbauen.

eToro weist einige Risikokennziffern für seine Trading-Cracks aus, so etwa den maximalen Verlust (Drawdown) oder die Quote der profitablen Trades. Die Historie der abgeschlossenen Handelsgeschäfte reicht bislang nur ein Jahr zurück. Dadurch ist es noch schwer, nachzuprüfen, wer über einen längeren Zeitraum hinweg konstante Profite einfahren konnte. Die Statistik von Caraj51 weist eine Trefferquote von 99,4 Prozent aus. Auf den ersten Blick ein Traumwert, wären da nicht ein paar offene Positionen, die – zum Teil schon mehrere Monate – tief in der Verlustzone stecken.

Der Social-Trading-Markt wird umkämpfter

eToro ist aber nicht dabei stehen geblieben, einzelne Trader „verfolgbar“ zu machen. Seit zwei Monaten hat das Unternehmen auch „Social Indices“ im Angebot. Dieses bestehen in der Regel aus zehn Tradern, die nach bestimmten Kriterien zusammengesetzt ist; zum Beispiel nach der Zahl der Follower, die auf die Social Gurus entfallen. Die Community entscheidet also indirekt darüber, wen der Index enthält.

Im deutschen Social-Trading-Markt hat es eToro inzwischen mit einer Reihe von anderen Plattformen als Konkurrenten zu tun. Seit 2009 bereits mischt die Frankfurter ayondo mit, bei der Trader eine mehrstufige Karriereleister überwinden müssen. Vor knapp einem Jahr startete die österreichische Wikifolio mit der Verbriefung von öffentlichen Handelsstrategien in Zertifikateform. Und vor allem Trading-Profis spricht die ebenfalls im vergangenen Jahr entstandene United Signals als Signalanbieter an. Alle Plattformen wollen Anleger ansprechen, die abseits der bekannten Anbieter aus Banken und Fondsgesellschaften investieren und dabei das Know-how von Trading-Experten nutzen wollen.

AB