Kollektiv

Viele Follower setzen auf heikle Strategien Crash-Lektion für Social Trader

Stand: 09.02.2018, 14:41 Uhr

Auf den Trading-Plattformen und in der "Community" herrscht während des Kursrutschs der vergangenen Tage große Hektik. Nicht alle "Top-Trader" konnten zuletzt mit den Börsenkapriolen umgehen. So manche vorher makellos erscheinende Handelsstrategie hat nun Millionen vernichtet.

Zweieinhalb Jahres lang produzierte "ProReturn" konstante Profite. Die Handelsstrategie auf der Social-Trading-Plattform Wikifolio schaffte von August 2015 bis Ende 2017 fast 80 Prozent Performance. Verblüffend dabei, wie gering die Rückschläge ausfielen, wenn der Markt einmal nicht so lief, wie der "Manager", Henry Neumann, alias "PermanentReturn" es vermutete.

Wenn das "Unmögliche" geschieht...

Das Anlagerisiko, so schien es, konnte der Trader souverän beherrschen - bis Anfang Februar 2018: Dann kippte der Dax zunächst in Richtung 13.000-Punkte-Marke, dann darunter, und anschließend ging es, getrieben von horrenden Verlusten an der Wall Street, noch einmal fast 1.000 Punkte talwärts. Erst knapp über der 12.000-Punkte-Hürde konnte der deutsche Leitindex sich wieder stabilisieren. Für die Strategie, die fast komplett in Bonus-Zertifikate investiert ist, kam es noch deutlich dicker. Alle Gewinne seit dem Start waren binnen Stunden dahin, vermutlich mehrere Hundert Privatanleger die in das entsprechende Zertifikat investiert haben, machten arge Verluste. Denn in das vom Handelshaus Lang & Schwarz emittierte Wertpapier waren in der Spitze mehr als zehn Millionen Euro investiert. Nach Verlusten von mehr als 50 Prozent nahmen einige Anleger Reißaus, noch immer folgen allerdings fast vier Millionen Euro der Strategie. (s. unser Chart)

Sogar der Plattform-Betreiber warnt

In der Community hatte es zuvor nicht an Kritik an der Anlagestrategie gemangelt, die allzu stark auf steigende Aktienmärkte setzt. "Hat halt nur in einer wundervollen sorgenfreien Blase funktioniert", kommentierte ein weiterer Wikifolio-Trader in einer Facebook-Gruppe anschließend. Selbst der Plattform-Betreiber Wikifolio.com hatte in einem Newsletter bereits Monate zuvor Risiken in der Struktur der Bonus-Zertifikate hingewiesen: "Wer in den Genuss der stetigen Kurszuwächse kommen möchte, der muss mit dem Risiko schneller und starker Einbrüche ebenfalls leben können."

Der kleine Crash an den Aktienmärkten, der von Zinssteigerungsängsten ausgelöst wurde, hat auch auf anderen Social-Trading-Plattformen Opfer gefordert: Bei der Frankfurter ayondo etwa wurde der bis dahin nach Followern führende "Top-Trader" unter dem Pseudonym "EdleMetalle" tief ins Minus getaucht. Noch immer sitzt der Trader auf einer Vielzahl offener Long-Positionen bei Dax, aber auch Silber und Bitcoin - die Hoffnung stirbt zuletzt.

Degradiert und abgekoppelt

Plattform-Betreiber ayondo hat den einstigen Vorzeigetrader allerdings zunächst im Ranking, der "Trader-Karriere" wegen seiner Verluste "degradiert"; nachdem der Trader einen maximalen Verlust von 50 Prozent erlitten hatte, wurden automatisch die Follower von dessen Konto abgekoppelt, um sie vor weiteren Verlusten zu schützen.

Auch im Social-Trading-Netzwerk eToro haben einige der "Popular Investors" arge Rückschläge durch die Turbulenzen am Aktienmarkt hinnehmen müssen, genau wie ihre "Copier", die jeden der Trades der Vorturner 1:1 im eigenen Konto nachvollziehen. Im eigenen News-Feed des erfolgreichsten Traders, der Briten Wesley Warren Nolte, mit Künstlernamen "Wesl3y" nimmt der Social Trader Stellung: "An der Nervosität der Märkte kann man nichts ändern. Derzeit ist es am besten, zu warten, bis sich der Markt ausgezittert hat".

Nervöse Märkte, nervöse Follower

Bei "Wesl3y" fallen die Verluste mit rund 15 Prozent im Februar bislang noch moderat aus. Der Trader verwaltet deutlich mehr als fünf Millionen Dollar an Follower-Geldern und wird nach Angaben von eToro von über 10.000 Hobby-Trader kopiert. Deren Nervosität dürfte zuletzt mindestens so stark gestiegen sein, wie die der Aktienmärkte.

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Screenshot der Wikifolio-Website

Wikifolio
Das österreichische Social-Trading-Unternehmen bietet bereits seit Herbst die Möglichkeit, Handelsstrategien in Form von Index-Zertifikaten kaufen, bei jedem Broker und jeder Bank. Kooperationen mit Medienpartnern wie der Verlagsgruppe Handelsblatt, die über eine Tochter auch an Wikifolio beteiligt ist oder auch der Finanzplattform Onvista sorgen für Aufmerksamkeit für die Wikifolios, als Börsenplatz dient die Stuttgarter Börse. Für die Emission der Zertifikate zeichnet das Handelshaus Lang & Schwarz verantwortlich, das ebenfalls inzwischen eine Beteiligung an Wikifolio hält.
Inzwischen werden mit den Wikifolio-Zertifikaten mehrere Hundert Millionen Euro „verwaltet“. Rund 8.000 verschiedene Handelsstrategien sind „investierbar“, darunter auch einige Medien, Branchen und Vermögensverwalter-Strategien.

AB