Shanghai Composite
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Shanghai Composite auf Zwischenhoch Zweifel am Aufschwung in China

Stand: 25.08.2017, 16:08 Uhr

Die Börse in Shanghai erklimmt ein neues Eineinhalb-Jahres-Hoch, doch Experten sehen zunehmende Risiken im bevölkerungsreichsten Staat der Erde. Einen wichtigen Hinweis auf die Lage verspricht ein Frühindikator in der kommenden Woche.

Anleger griffen zuletzt bei chinesischen Aktien beherzt zu. Der Leitindex der Börse Shanghai (SSEC) stieg heute um über 1,8 Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 3.331,52 Punkten. Die Stimmung am chinesischen Aktienmarkt verbessert sich damit immer weiter. "Vor einigen Monaten hatten sich die Leute Sorgen um eine Abkühlung der Konjunktur gemacht", sagte Anlagestratege Yang Hai vom Brokerhaus Kaiyuan. "Heute diskutieren sie über die Aussicht eines neuen Aufschwungs."

Gute Konjunkturzahlen treiben

Für 2016 vermeldete die Volksrepublik mit einem BIP-Zuwachs in Höhe von "nur" 6,7 Prozent noch das geringste Wachstum seit 26 Jahren. Die Befürchtungen vor einer weiteren Konjunkturabkühlung bestätigten sich im ersten Halbjahr 2017 aber nicht. Das BIP konnte kräftiger wachsen als erwartet. Im Juni legten die Exporte dank eines schwächeren Renminbi verglichen mit dem Vorjahreszeitraum sogar um 11,3 Prozent zu. Auch der inländische Konsum sowie die Industrieproduktion wuchsen kräftig. Das weckt bei den Investoren Hoffnung auf sprudelnde Firmengewinne und lässt seit Monaten die Aktienkurse steigen.

Abkühlung in der zweiten Jahreshälfte?

Die NordLB rechnet jedoch in den kommenden Monaten mit einer deutlichen Stimmungseintrübung. So könnte der gemeinsam von der China Federation of Logistics and Purchasing (CFLP) und den Pekinger Statistikbehörden erhobene Einkaufsmanagerindex, der nächsten Donnerstag veröffentlicht wird, laut der Bank von zuletzt 51,5 auf 50,5 Punkte sinken. Nach Einschätzung der NordLB-Experten dürften die von Peking auf den Weg gebrachten Maßnahmen gegen die Schattenbankaktivitäten und Überkapazitäten auf kleine bis mittelgroße Unternehmen hemmend wirken.

Ein weiteres Risiko ist die zunehmende Verschuldung Chinas. Erstmals seit 1989 senkte Moody's im Mai die Bonitätsnote des Landes von "Aa3" auf "A1". Die Ratingagentur warnte, es sei sehr wahrscheinlich, dass die Schulden in allen Wirtschaftszweigen deutlich steigen. Damit wachsen auch die Belastungen für den Staatshaushalt. Zudem äußerten sich die Experten kritisch zu sinkenden Devisenreserven sowie der Reformfähigkeit des Landes.

Von seinen bisherigen Höchstständen ist der Leitindex SSEC denn auch weit entfernt. Im Jahr 2015 wurden 4.600 Punkte, vor der Finanzkrise sogar rund 6.000 Punkte erreicht.

kp