Anbang Insurance Group, China
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China Staat übernimmt Krisen-Konzern Anbang

von Steffen Wurzel, Shanghai

Stand: 23.02.2018, 09:47 Uhr

Chinas Staats- und Parteiführung hat den drittgrößten chinesischen Versicherungskonzern Anbang unter staatliche Kontrolle gestellt. Gegen den ehemaligen Anbang-Chef Wu Xiaohui werde wegen Wirtschaftsverbrechen ermittelt. Analysten sprechen von einem "dramatischen Vorgang".

"Mit sofortiger Wirkung übernehmen wir die Geschäfte bei Anbang, für zunächst ein Jahr." Diese Ansage kam heute früh Ortszeit als kurze Mitteilung von der staatlichen Versicherungs-Aufsicht in Peking. Weiter teilte die Behörde mit, dass gegen den ehemaligen Anbang-Chef Wu Xiaohui ermittelt werde, und zwar wegen Wirtschaftsverbrechen.

Einstieg passt ins Bild

Hintergrund ist der riesige Schuldenberg, den Anbang in den vergangenen Jahren angehäuft hat. Die Regierung in Peking schaute lange tatenlos zu und betrachtete die milliardenschweren Auslandsinvestitionen durchaus mit Wohlwollen. Doch seit einigen Monaten versucht sie nun, die völlig überschuldeten staatsnahen Großkonzerne wieder auf einen gesunden Kurs zu bringen. Betroffen von diesem Politikwechsel der chinesischen Führung ist zum Beispiel auch der umstrittene chinesische Mischkonzern HNA, der vergangenes Jahr knapp zehn Prozent der Deutschen Bank gekauft hat und jetzt ebenfalls überschuldet ist. Der Einstieg des chinesischen Staats bei Anbang heute passt also ins Bild und kommt nicht überraschend.

Trotzdem: Der Fall Anbang ist bemerkenswert. Der Konzern ist in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Unternehmen Chinas aufgestiegen, auch dank kräftiger Unterstützung durch die Führung in Peking. Nach eigenen Angaben ist Anbang inzwischen mehr als 250 Milliarden Euro schwer. Unter anderem gehört dem Konzern seit vier Jahren das berühmte Waldorf-Astoria-Hotel in Manhattan. Kaufpreis damals: mehr als anderthalb Milliarden Euro.

Machtdemonstration der Führung

Auch die politische Dimension des Falles ist groß. Anfang März beginnt in Peking der Nationale Volkskongress. Dass die Staatsführung so kurz vorher den ehemaligen Vorzeige-Unternehmer Wu Xiaohui offiziell anklagt, ist eine Machtdemonstraion. Denn der Anbang-Gründer gilt als bestens vernetzt in der Kommunistischen Partei Chinas. Er ist außerdem mit der Enkeltochter des früheren Staatsführers Deng Xiaoping verheiratet.