Britische und Europa-Flagge - davor ein One Way-Schild

Wohlstands-Killer Brexit Bank of England warnt vor Mega-Rezession

Stand: 29.11.2018, 09:28 Uhr

Die Bank of England prophezeit die heftigste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg, sollte es tatsächlich zu einem ungeordneten Brexit kommen. Drastische Reaktionen am Häusermarkt, Finanzmarkt und Arbeitsmarkt würden Großbritannien weit zurückwerfen.

Sollte das mit Brüssel ausgehandelte Abkommen mit der EU nicht in Kraft treten können, dürfte die britische Wirtschaft innerhalb eines Jahres um acht Prozent schrumpfen, schreibt die Notenbank BoE in einer Analyse verschiedener Brexit-Szenarien.

Dramatischer Schrumpfkurs

Die Arbeitslosigkeit würde nach Einschätzung der BoE merklich zunehmen. Auch an den Finanzmärkten erwartet die Notenbank heftige Reaktionen. So dürfte das britische Pfund um 25 Prozent zum US-Dollar nachgeben. Der deutliche Rückgang des Pfundes würde die Inflationsrate auf 6,5 Prozent steigen lassen.

Die Notenbank wäre dann zu deutlichen Leitzinsanhebungen gezwungen. In der Spitze könnte der Leitzins bis auf 5,5 Prozent steigen. Das wiederum würde Kredite stark verteuern, damit weiter auf der Wirtschaft lasten und könnte ferner für eine größere Anzahl von Ausfällen sorgen. Die Preise für Häuser könnten um knapp ein Drittel fallen. Immerhin wären die Banken wohl gut vorbereitet, wie ein gleichzeitig  veröffentlichter Banken-Stress-Test zeigt.

Theresa May

Theresa May hat derzeit viel zu tun. | Bildquelle: picture alliance / Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

„Gut sieht die Lage nicht aus“  

Das Vereinigte Königreich will die EU am 29. März verlassen, unterdessen wirbt Premierministerin Theresa May mit ihren Kabinettsmitglieder verzweifelt um Unterstützung für ihr Brexit-Abkommen. Am 11. Dezember soll das Parlament in London über den Deal abstimmen. Bislang scheint es aber mehr als fraglich, ob die Regierung eine Mehrheit für das Abkommen bekommen kann. Damit ist die Gefahr eines Brexits ohne Abkommen noch nicht gebannt.

Gut sehe die Lage nicht aus, schreibt auch Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank, in einem aktuellen Kommentar. „Geschieht nicht noch ein Wunder, dürfte May die Abstimmung am 11. Dezember verlieren“, so Bielmeiers Einschätzung. „Das Parlament stemmt sich mit Händen und Füßen gegen den Vertrag – wenngleich aus sehr unterschiedlichen Beweggründen. Die Brexit-Hardliner befürchten, dass der Backstop ein Hintertürchen ist, durch das Großbritannien auf alle Ewigkeit in einer Zollunion mit der EU gefangen bleiben wird. Die Befürworter eines Soft-Brexits wünschen sich hingegen ein zweites Referendum auch um den EU-Austritt möglicherweise noch abwenden zu können.“

Der Brexit-Deal

Das ausgehandelte Brexit-Paket umfasst einen knapp 600 Seiten starken Austrittsvertrag. Darin sind die Bedingungen der Trennung festgeschrieben - etwa die Rechte von EU-Bürgern in Großbritannien und Schlusszahlungen des Vereinigten Königreichs an die EU von schätzungsweise rund 45 Milliarden Euro.

Vorgesehen ist außerdem eine Übergangsfrist bis Ende 2020, diese könnte noch bis Ende 2022 verlängert werden. In dieser Zeit soll sich für die Wirtschaft und die Bürger beider Seiten praktisch nichts ändern.

 ts/dpa