Moskauer Luzhniki-Stadion bei Nacht aus der Vogelperspektive

Impulse der Milliarden-Investitionen verpufft WM kurbelt Russlands Wirtschaft kaum (noch) an

Stand: 14.06.2018, 16:20 Uhr

Ab heute rollt der Ball bei der Fußball-WM in Russland. Ob auch kurz- und mittelfristig der Rubel rollt, bezweifeln Ökonomen. Sie erwarten nur geringe positive WM-Impulse für die russische Konjunktur.

Der eigentliche "WM-Effekt" ist schon längst verflogen. Gut zwölf Milliarden Euro - ein Prozent der Wirtschaftsleistung - hat Russland in die Vorbereitung des Turniers investiert. Das Geld floss in den Bau und Modernisierung von Stadien, Straßen, Flughäfen und Infrastruktur. Davon profitierten vor allem russische Baukonzerne.

Die Investitionen seit 2013 hätten ein Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beigetragen, sagte kürzlich Arkadi Dworkowitsch, Vizeministerpräsident und Vorsitzender des WM-Organisationskomitees. Ohne die WM wäre Russlands Wirtschaft 2015 und 2016 noch stärker geschrumpft.

Tourismus-Boom in den nächsten Jahren?

Nun hofft das Land auf einen Tourismus-Schub. In den kommenden fünf Jahren rechnet Dworkowitsch mit zwei bis drei Milliarden Euro an Zusatzeinnahmen aus dem Nach-WM-Tourismus.

Wirtschaftsexperten bezweifeln die rosigen Aussichten. Russlands Image als Reiseland sei nicht gut genug, um nach der WM viele Touristen anzuziehen, meinte Wladimir Tichomirow von der Finanzgruppe BCS.

Laut einer Studie der UBS könnte die Weltmeisterschaft bis zum Finale am 15. Juli 1,6 Millionen ausländische Touristen in das Land locken. Das wären rund 6,5 Prozent aller Touristen, die 2016 kamen. "Das kann man schwerlich als Boom bezeichnen", meinen die UBS-Banker. Sie glauben nicht, dass von dem Fußball-Megaevent ein langfristiger Impuls für Russlands Wirtschaft ausgehe. Mehr als ein Imagegewinn für das Land sei kaum zu erwarten.

"Sehr begrenzte wirtschaftliche Auswirkungen"

Ähnlich sieht dies Gert Wagner vom DIW-Institut. "Das Ereignis ist wirtschaftlich zu klein, um einen nachhaltigen Einfluss auf das Wachstum zu haben", sagte er. Auch die Ratingagentur Moody's sieht angesichts der begrenzten Dauer der WM und der sehr großen Wirtschaftskraft des Landes nur sehr begrenzte wirtschaftliche Auswirkungen.

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Die Geschichte zeigt, dass sich die Fußball-WM für die Gastgeberländer meist nicht gelohnt haben. Commerzbank-Ökonom Peter Dixon hat bei der Analyse der Titelkämpfe seit 1974 "kaum nennenswerte Auswirkungen auf das Wachstum" der jeweiligen Länder beobachtet. Bei der letzten WM 2014 in Brasilien endete sogar mit einem großen Kater. Das südamerikanische Land rutschte nach dem Turnier in die Rezession.

Abhängigkeit vom Ölpreis

Immerhin: Zuletzt gab der wieder angezogene Ölpreis der russischen Konjunktur Auftrieb. 2017 kam das Land aus der Rezession und wuchs wieder um 1,5 Prozent. Für das laufende Jahr prophezeit der IWF ein Plus von 1,7 Prozent. "Die russische Wirtschaft kocht auf Sparflamme", meint Russland-Experte Carsten Hesse von der Berenberg Bank. Außer dem Geschäft mit Öl und Gas laufe momentan vieles nicht so rund. "Es gibt wenige ausländische Investitionen und viel Kapitalflucht wegen der Sanktionen."

Nach der Krim-Annexion verhängte der Westen 2014 Sanktionen gegen Russland. Im April verschärften die USA die Situation. Sie beschlossen neue Strafen gegen Putin-nahe Oligarchen und Firmen. Die Aktien von Rusal und Polyus brachen ein.

Russische Börse hat sich erholt

Börsenkurse in Moskau

Börsenkurse in Moskau. | Quelle: picture-alliance/dpa

Die russische Börse hat sich vom Einbruch im Frühjahr inzwischen wieder erholt. Der Leitindex RTS notiert in etwa wieder auf dem Niveau, wo er Anfang des Jahres lag. Russische Aktien gelten als relativ günstig.

Bei internationalen Investoren sind russische Anleihen derzeit sehr beliebt. Zehnjährige Staatsanleihen locken mit einer Rendite von rund 7,6 Prozent. Die Bank für Kirche und Caritas (BKC) bevorzugt Rubel-Anleihen der Weltbank oder der KfW.

nb